Wenn das Leben aus den Fugen gerät

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Bunt, kräftig und in Acryl: Für Volker Hupasch (l) ist die Kunst ein Ventil. Ann-Kathrin Hidde (r) sucht in der Kreativität Kraft. Fotos: cs

Menschen mit psychischen Problemen stellen ihre Kunst aus

Bargteheide. Stress im Beruf, Verantwortung oder das Ende einer Beziehung. Schon gerät das Leben aus den Fugen. 2004 war das Jahr im Leben von Anne-Katrin Hidde, nach dem nichts mehr so war, wie einmal geplant. Jobverlust, Obdachlosigkeit und zahlreiche Therapien, ein Kreislauf, den sie nur schwer durchbrechen konnte. „Mein Todesjahr“, beschreibt die heute 36-Jährige den Wendepunkt in ihrem Leben. Kraft sucht die kreative Frau in der Kunst. „Ich verarbeite meine Gefühle in den Bildern“, erzählt sie. Unter dem Titel: „Das Leben ist anders – wir auch“ zeigt Anne-Kathrin Hidde gemeinsam mit 22 seelisch erkrankten Klienten in der Kirche im Martin-Luther Haus noch bis Ostermontag ihre Arbeiten aus. Mit ihren 40 Bildern geben die Bewohner der psychiatrischen Einrichtungen der tohus gGmbH einen Einblick in eine fremde Welt, die Arbeiten entstanden in besonderen Lebensphasen. Eine bipolare Störung und Drogenkonsum machten es auch für 48-jährigen Volker Hupasch unmöglich, ein geregeltes Leben zu führen. Ein Nahtoderlebnis zu Beginn vergangenen Jahres brachte ihn zur Kunst. Das Leben mit Grenzen, ausgedrückt in rot, orange und gelb ist das beherrschende Thema seiner Bilder. Anne-Katrin Hidde zeigt in ihrem Lieblingswerk „Asklepios“, was sie bewegt. Ein Herz für die Liebe, „ich möchte im Jahr 2016 meine Lebensgefährtin heiraten“, die Zahl acht steht „für meine numerische Leidenschaft“ und den Sonnenuntergang, „den ich mit meinen Fingernägeln auf das Bild gekratzt habe“. Leuchtende Farben, die ihre neue, positive Lebenseinstellung vermitteln sollen.
„Ich habe noch viel vor. Ich will ein Buch schreiben und Sozialpädagogik studieren“, erzählt die gelernte Altenpflegerin. Ein Leben, mit ihrer Verlobten steht ganz oben auf ihrer Liste. Noch wohnt Anne-Katrin Hidde mit sechs weiteren Personen in einer betreuten WG. Lebensmut und die Kraft, sich ihren Problemen zu stellen vereinen alle Werke der ausstellenden Künstler. (cs)
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