Wenn Schönsein zur Sucht wird

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Helke Miekley und Anja Deloch, Mitarbeiter in der Beratungsstelle Essstörungen Foto: fnf

Hilfe bei Oldesloer Beratungsstelle

Stormarn Immer mehr Menschen essen bewusst, planen jede Mahlzeit bis auf die letzte Kalorie, verzichten auf bestimmte Lebensmittel und Zusätze –
für Gesundheit und Schönheit. Doch wann wird eine bewusste Ernährung zu einer Sucht? Anja Deloch und Helke Miekley setzen sich schon lange mit Essstörungen auseinander, beraten vor allem Jugendliche an Stormarner Schulen und geben Einzelgespräche in der Beratungsstelle „Frauen helfen Frauen“ in Bad Oldesloe.
„Es ist natürlich gut und wichtig, sich mit dem auseinander zu setzen, was man zu sich nimmt“, sagt Anja Deloch. „Doch immer häufiger entwickelt sich das vor allem bei Jugendlichen zu einer regelrechten Sucht. Viele Mädchen können mir genau sagen, wie viel Kalorien sie wann zu sich nehmen.“ Das an sich scheint nicht sonderlich schlimm. An bewusster Ernährung ist nichts auszusetzen. Doch immer mehr definieren Äußerlichkeiten und zweifelhafte Schönheitsideale das Selbstbild. „Als Fan von ‚Germanys Next Topmodel‘, wird man nicht magersüchtig, aber solche Sendungen spielen schon eine Rolle“, sagt Anja Deloch. Es müssen jedoch viele Faktoren zusammen kommen, um eine Essstörung zu entwickeln: Etwa das soziale Umfeld und das Elternhaus. „Vordergründig geht es um die Figur, ums Abnehmen und das gute Aussehen“, erläutert die 48-Jährige. Doch eine Essstörung ist oft auch eine autoaggressive Handlung, eine Art Bestrafung.

Druck auch für Jungen


Zu 90 Prozent sind es Mädchen und Frauen, die der Sucht nach dem perfekten Körper verfallen. Doch zunehmend geraten offenbar auch Jungs unter Druck. „Es wird mehr. Hier ist es oft zwanghaftes Bodybuildung“, erklärt Helke Miekley. Wie bei den meisten Süchten ist es auch hier das Maß, welches die Grenze zur Krankheit definiert. „Wenn das Selbstwertgefühl nur noch durchs ‚schön sein‘ zustande kommt, geht das in Richtung Krankheit.“ Das Essen – oder nicht Essen – ist dabei eher ein Symptom eines tieferliegenden innerseelischen Konflikts. Und das kann nur mit Hilfe gelöst werden. (fnf)

Frauenberatungsstelle: 04531/ 867 72
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1 Kommentar
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Elke Noack aus Rahlstedt | 02.01.2016 | 12:13  
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