West-Umgehung frühestens 2019 fertig

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An der Jersbeker Straße soll einmal der dritte Abschnitt der Ortsumgehung angeschlossen werden Foto: fnf
 
Thomas Degenhardt, Mitarbeiter im Bauamt in Bargteheide Foto: fnf

Gutachtenfehler verzögern Start des dritten Bauabschnitts. Höhere Kosten und Auswirkung auf Wohnbaupläne

Von Finn Fischer
Bargteheide
Alles zurück auf Anfang: Die im Rahmen der Vorplanungen erstellten Gutachten zu den Fledermaus-Beständen an der Bautrasse der Westumgehung sind nicht aussagekräftig genug. Thomas Degenhardt vom Bauamt erklärt die Hintergründe. „Wir waren mit den Planungen gut davor. Dann haben wir das ‚Glückslos‘ gezogen“, sagt der Stellvertreter von Bauamtsleiter Jürgen Engfer. Das „Glückslos“ ist der Zeitpunkt, an dem das Bundesverwaltungsgericht die Methodik bei der Fledermaus-Untersuchung, den Gutachten, für nicht ausreichend erklärte.

„Die Defizite in den Gutachten hätten uns noch Probleme machen können. Wir mussten die Gutachten grundsätzlich wiederholen.“ Thomas Degenhardt

Das war 2013, nachdem die Naturschutzorganisationen BUND und Nabu gegen den Bau der A20 bei Bad Segeberg geklagt und recht bekommen hatten. Seitdem liegt das 150 Millionen Euro-Projekt auf Eis. Daraufhin hatte das Land die Sorge, dass anderen Bauprojekten ähnliche Klagen drohen könnten. „Die Defizite in den Gutachten hätten uns noch Probleme machen können. Wir mussten die Gutachten grundsätzlich wiederholen“, so Thomas Degenhardt. „Und die Nacharbeiten waren nicht nur redaktioneller Natur. Die Gutachter mussten nochmal raus und nachkartieren. Und das geht nur in bestimmten Jahreszeiten.“ Die Nacharbeiten sind mittlerweile abgeschlossen und werden der zuständigen Landesbehörde erneut vorgelegt. Degenhardt: „Wir hoffen, dass jetzt alles so durchläuft. In dem Fall ist der nächste Schritt dann das Planfeststellungsverfahren.“ Anschließend folgt die Baugenehmigung, Ausschreibung und die Umsetzung. Ab 2019 könnten Autofahrer das Bargteheider Stadtgebiet dann komfortabel „umschiffen“.

Verzögerung wird teuer


Zwei der insgesamt vier Abschnitte der Ortsumgehung sind bereits befahrbar. Die Westumgehung – der Teil zwischen dem Kreisel an der Jersbeker Straße und der Alten Landstraße – wurde im vergangenen Jahr eröffnet. Der erste Abschnitt von der Alten Landstraße zur Hamburger Straße bereits vor vier Jahren. „Das führt schon jetzt zu einer spürbaren Verkehrsentlastung im Stadtgebiet“, sagt Bürgermeister Dr. Henning Görtz. Allerdings könne die Westumgehung erst ihre volle Wirkung entfalten, wenn auch der Bau des dritten Abschnitts abgeschlossen ist. „Die Gutachten mussten wiederholt werden. Die Nachkartierung der Fledermäuse hat uns ein halbes Jahr gekostet“, so der Verwaltungschef. „Ich finde das extrem ärgerlich. Dadurch sind zusätzliche Kosten im fünfstelligen Bereich entstanden.“ Vor allem ist es aber der enorme Zeitverlust, der die Erneuerung der Gutachten nach sich zieht.
Ein weiterer Aspekt ist der Rattenschwanz, der an der Umgehung hängt. Der dritte Bauabschnitt umrahmt – derzeit nur auf dem Papier – ein potenzielles Gebiet für Wohnbebauung an der Hamburger Straße im Norden der Stadt. „Hier können wir erst weitere Schritte unternehmen, wenn wir die Westumgehung haben. Hier kommt es bei den Planungen nun auch zu Verzögerungen“, so Görtz.

Görtz zweifelt an Nutzen


Für die gründliche Untersuchung der Vorkommen geschützter Arten und der Prüfung der Umweltverträglichkeit, die mit derartigen Bauprojekten einhergehen, hat der Bargteheider Bürgermeister durchaus Verständnis. In diesem Fall zweifelt er jedoch am praktischen Nutzen der Nachkartierung: „Bad Segeberg ist eine Fledermaus-Hochburg und daher ist es dort ein sensibles Thema. Aber soweit mir bekannt ist, gibt es hier in dem betroffenen Gebiet keine größeren Fledermausvorkommen.“
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