Wie man richtig hilft

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v.l.: Carina Lagedroste (Universität Bielefeld), Rozanna Taylor (Pflegerin), Bärbel Dabelstein (Stationsleiterin Gerontopsychiatrie), Alf Jark (AOK Nordwest),Susanne Schulze (Pflegerin), Thomas Liehr (HSK-Geschäftsführer) und Dr. Tibor Simonsen (Facharzt für Nervenheilkunde) Foto: fnf

Kurs am Sengelmann-Klinikum für Angehörige psychisch kranker Senioren

Von Finn Fischer
Bargfeld-Stegen
Ob Depression, Sucht, Demenzerkrankung oder Verwirrungszustände bei älteren Menschen. Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus sehen sich auch die Angehörigen der Patienten großen Belastungen ausgesetzt. Mit einem Modellprojekt der Universität Bielefeld und der Krankenkasse AOK Nordwest, an dem sich das Heinrich-Sengelmann-Krankenhaus (HSK) beteiligt, sollen Angehörige auf die Zeit nach der Therapie vorbereitet werden.
„Viele fühlen sich überfordert mit der neuen Situation. Eine psychische Erkrankung hat sich nicht mit der Entlassung erledigt“, sagt Carina Lage-droste von der Universität Bielefeld. „Das Modellprojekt soll pflegenden Angehörigen eine Sicherheit bieten und Unterstützung gewährleisten.“
Das Projekt existiert seit zehn Jahren. Bundesweit beteiligen sich rund 400 Krankenhäuser, 45 Kliniken allein in Schleswig-Holstein. Das Heinrich-Sengelmann-Krankenhaus ist die erste Einrichtung im Kreis Stormarn, die die Angehörigen ihrer Patienten nun auch nach der Entlassung unterstützt.
„Wir wollen den Angehörigen etwa beibringen, mit Aggressionen der Patienten umzugehen“, erklärt Dr. Tibor Simonsen, Facharzt für Nervenheilkunde. „Durch die Schulung der Pflegenden können spätere Krankenhausaufenthalte verhindert werden.“ Außerdem helfe das Projekt, die immer noch vorherrschende Stigmatisierung von psychischen Erkrankungen in der Gesellschaft aufzubrechen. Für die Angehörigen ist die Teilnahme am Projekt kostenlos. Die Finanzierung läuft über die Krankenkasse. „Bei Gesprächen erleben wir täglich Fragen von unseren Kunden, wie sie ihren pflegebedürftigen Angehörigen helfen können“, findet Alf Jark, Regionaldirektor der AOK Nordwest. Seine Krankenkasse unterstützt das Modellprojekt jährlich mit 350.000 Euro. „Wir wollen einen Beitrag leisten, die Pflegesituation in Schleswig-Holstein weiter zu verbessern.“
Natürlich erhofft sich die Krankenkasse durch die Unterstützung langfristig auch finanziell einen positiven Effekt. Durch kompetente Angehörige werden Verletzungen der Patienten und somit Krankenhausaufenthalte, die durch falsche Pflege und Unwissenheit der Angehörigen entstehen können, verhindert.

Fachwissen für Angehörige


Susanne Schulze, Pflegerin im HSK: „Die Angehörigen kennen den Patienten viel besser als wir. Durch das Modellprojekt vermitteln wir ihnen dann noch das nötige Fachwissen.“ Bis zu sechs Wochen nach der Entlassung werden die Angehörigen betreut. Mitarbeiter des Krankenhauses besuchen die Familien ein bis zwei Mal in der Woche. Außerdem werden Seminare angeboten.
Die Anzahl pflegebedürftiger Menschen nimmt bundesweit immer weiter zu. Im Kreis Stormarn gibt es etwa 7.000 Menschen, die auf fremde Hilfe angewiesen sind. 45 Prozent davon leben in stationären Einrichtungen. Der Rest wird zu Hause betreut. Voraussetzung für die Teilnahme von HSK-Patienten ist das Krankheitsbild. Das Krankenhaus prüft, welche Patienten in Frage kommen.
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