Witterung sorgt Landwirte

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Der Mähdrescher bei der Weizenernte auf einem Feld in Großensee Foto: M. Keil
 
Der Landwirt Dirk Eylmann misst auf seinem Hof den Grad der Feuchtigkeit beim Weizen Foto: M. Keil

Schauer verzögern Weizenernte. Gute Erträge bei Raps und Gerste

Manuela Keil
Großensee
Derzeit geht es geschäftig zu auf den Feldern in Stormarn. Es ist Erntezeit und die Landwirte arbeiten bis spät abends. Einer von ihnen ist Dirk Eylmann aus Großensee. Eine riesige Staubwolke ist auf einem seiner Felder zu sehen: Hier wird gerade Weizen geerntet. Hinter der Staubwolke taucht wenig später der riesige Mähdrescher auf: Mehr als 500 PS und 9,50 Meter Schnittbreite. 60 Prozent des Mähdreschers gehören Eylmann, der sich das Erntefahrzeug mit einem anderen Landwirt teilt. Gemeinsam wird damit in fünf Betrieben Korn gedroschen.

„Die Witterung zerrt in diesem Jahr an den Nerven.“ Dirk Eylmann

Später koordiniert Eylmann die weiteren Arbeiten von seinem Hof aus – mit dem Walky-Talky in der Hand. Das ankommende Getreide wird in die Lagerhalle entladen, dann schiebt Eylmann sofort mit einem Teleskoplader das Korn weiter nach hinten auf einem Getreideberg zusammen. „Es ist ein Lebensmittel und muss sorgsam behandelt werden. Deshalb fahren wir auch nicht mit den Reifen in den Getreideberg.“ Kaum ist der Lader draußen, werden die Körner am Halleneingang sofort aufgefegt. In der Erntezeit sind bei Eylmann 14- bis 16-Stunden-Tage normal. Die Gerstenernte ist bereits eingeholt und war mit neun Tonnen pro Hektar sehr gut. Zu schaffen macht den Landwirten der Regen und die wechselhafte Witterung. „Drei Tage Regen, dann drei Tage Sonne – wenn Getreide reif ist, braucht es einen Tag zu trocknen auf dem Feld, bevor wir es dreschen können“, sagt Eylmann, der lieber vorher eine Probe nimmt.

Wenn es regnet, leidet die Qualität


Regnet es dann in dieser Phase, leide die Qualität, bei Nieselregen und mit jedem Starkregen steigen sogar die Ernteverluste. Weil auch Tau für die Maschinen problematisch ist und die Arbeiten verzögert, kann mit dem Dreschen erst gegen 11 Uhr morgens begonnen werden nur bis etwa 21 Uhr abends, da dann erneut der Tau einsetzt.
„Die Witterung zerrt in diesem Jahr an den Nerven. Man kommt nicht so gut voran“, sagt Eylmann. Denn Ende August soll der Raps bereits in der Erde sein. Derzeit ist aber erst zwei Drittel fertig geerntet. Es bleibt wenig Zeit, um die Böden danach für die Aussaat vorzubereiten. Die Felder werden durchgegrubbert, nach dem Strohmachen folgt die Stoppelbearbeitung, dann wird das Stroh in den Boden eingemulcht. Das Stroh muss auch etwas rotten, bevor wieder eingesät werden kann.
Dirk Eylmann hat auf seinem Hof eine Trocknungsanlage, die noch sein Vater gebaut hat. Diese läuft die Nacht durch und trocknet zu feuchtes Korn auf den erlaubten Wert, bevor es in riesige Getreidesilos läuft. 14,5 Prozent Feuchtigkeit darf Weizen haben, dann gilt er als trocken. Dieser hatte am Morgen noch 17 Prozent. Den Wert misst der Landwirt zuvor. „Die Weizenernte war bisher überdurchschnittlich gut. Das verwundert umso mehr, weil der Mai und Juni sehr trocken waren“, meint Eylmann. Dennoch hängt nicht alles an einer guten Ernte allein. Die Zusammenhänge sind sehr komplex auf dem Weltmarkt. Dieser reagiert auf Krisen sofort. Daher seien derzeit auch wegen der China-Krise die Getreidepreise am Fallen, erklärt Eylmann.
Es sei zwar kein Erntehochjahr wie vor zwei und drei Jahren, aber es gebe auch keinen Grund zu klagen, sagt Lennart Butz, stellvertretender Geschäftsführer vom Kreisbauernverband Stormarn. Vom Ertrag her sei alles bislang durchschnittlich. Die Gerstenernte war laut Butz sogar enorm gut. Der Raps ist zu 80 Prozent von den Feldern geerntet. Die Weizenernte sei derzeit etwa zu 40 Prozent fertig. „Der Erfolg hängt vom Wetter ab, das unbeständig ist. Wir brauchen trockene Bestände“, sagt Butz. Bei Gewitterregen gebe es Ernteausfälle, weil sich das Getreide hinlegt. „Das Wetter macht uns in diesem Jahr das Leben schwer, weil es die Landwirte zu unfreiwilligen Pausen zwingt.“ So hat Dirk Eylmann bei Regen gezwungenermaßen die nötige Büroarbeit erledigt. Die Getreidepreise liegen laut Butz bei Raps mit 38 Euro auf 100 Kilogramm leicht unter dem Durchschnitt, der für Weizen schwächele mit 17,50 Euro etwas.

600 Landwirtschafts-Betriebe in Stormarn


In Stormarn gibt es laut Kreisbauernverband insgesamt 600 landwirtschaftlich Betriebe, die mit mehr als fünf Hektar arbeiten. 250 sind Ackerbetriebe, 250 Rinder- und 100 Schweinebetriebe. 100 Hektar gilt als magische Zahl für einen Ackerbetrieb. Gerade bei Spezialkulturen wie Rüben, Erdbeeren und Kartoffeln, die einen hohen Ertrag pro Hektar bringen, könne ein Betrieb mit zwei oder drei Generationen gut davon leben, meint Lennart Butz. „Beim Anbau von Weizen, Gerste und Raps sind mehr als 100 Hektar nötig.“
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