Wo ist der Bahnhofswirt?

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Kneipe „Alter Bahnhof“ dicht. Sparverein vermisst Geld

Von Michael Sakrzewski
Trittau. Die Stühle sind hochgestellt, als wäre das letzte Konzert gerade vorbei. „Geschlossen“ steht auf drei gelben handgeschriebenen DIN-A4-Blättern, die in den Fenstern und der Eingangstür der Musik-Kneipe „Alter Bahnhof“ kleben. Es scheint das letzte Lebenszeichen von Wirt Bernd Koppe zu sein. Denn seit Mitte Dezember ist der 65-Jährige untergetaucht. Trotz mehrerer Kontaktversuche reagiert der Inhaber des Alten Bahnhofs nicht auf Anrufe oder E-Mails. Gründe für die Schließung bleiben vage. Fakt ist: Schon lange kamen nicht mehr genügend Zuschauer in die Live-Konzerte mit freiem Eintritt. Allein von der Hutgage konnte der Wirt die laufenden Kosten nicht bestreiten. Laut Stormarnausgabe des Hamburger Abendblatts soll Koppe 22.000 Euro Mietrückstände haben, einem Bierlieferanten schuldet er 20.000 Euro. Auch die 28 Mitglieder des Sparclubs „Zum letzten Heiermann“ bekommen noch Geld von Bernd Koppe. Jede Woche trafen sich die Vereinsmitglieder in der Kneipe. Von fünf bis 100 Euro legten sie jede Woche in den grünen Sparkasten. Etwa 24.000 Euro sollen sich so angesammelt haben.
„Einer der mindestens zwei Schlüsselbesitzer des Sparclubs übergab die wöchentlichen Spareinlagen an Wirt Bernd Koppe“, erklärt Christian Krohß, einer der Mitglieder des Sparclubs. Koppe hatte als 1. Vorsitzender des Vereins die Aufgabe, das Geld, auf das gemeinsame Club-Sparkonto einzuzahlen. Dort ist es nie angekommen. Als die Mitglieder des Sparclubs bemerkten, dass auf ihrem Konto nicht wie erwartet Spareinlagen in fünfstelliger Höhe, sondern nur 635 Euro verbucht waren, stellten sie Bernd Koppe zur Rede. „Er erklärte uns, dass er das Geld auf einem anderen Konto deponiert hatte“, sagt Christian Krohß, einer der Mitglieder des Sparclubs. Zwischen dem Wirt und den Sparern herrschte eine jahrelange vertrauensvolle Beziehung. Daher gaben sie Koppe eine einwöchige Frist, ihnen das Geld auszuzahlen. Nachdem der 65-Jährige auch dann nicht zahlte, zeigten die Sparer Koppe wegen Unterschlagung an. Christian Krohß, der nach eigenen Aussagen jede Woche 100 Euro einzahlte, hat durch diesen Vorfall viel Geld verloren und hofft dennoch: „Ich möchte Bernd, den ich einmal als sehr geradlinigen Menschen kennen gelernt habe, nicht vorverurteilen“, sagt er. „Er hat mir versprochen, die Sache“ aufzuklären und ich wünsche ihm, dass er die Möglichkeit hat, einmal Luft zu holen und um dann wie zugesagt, dass Geld herauszurücken“. Das nächste Treffen des Sparclubs soll noch im Januar stattfinden, dann wollen die Sparer besprechen, wie es weiter gehen soll. (msa)
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