Fliegende Wunderwesen

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Zeitig aus den Federn: Schon in den frühen Morgenstunden widmet sich Taubenzüchter Alfred Wengerowski seinen rund 150 Vögeln. Nur einige besonders zutrauliche, wie seine Lieblingstaube Fienchen, fliegen ihm direkt auf die Hand.Fotos: js

Taubenzüchter Alfred Wengerowski über seine Vogelzucht

Bargteheide. Sie drehen blitzschnell ihre Runden, fliegen in wenigen Stunden mehrere hundert Kilometer. „Brieftauben sind Wunderwesen mit faszinierenden Fähigkeiten“, findet Alfred Wengerowski.
Seine rund 150 Brieftauben sind das liebste Hobby des Bargteheiders. Mit viel Hingabe widmet sich Wengerowski (82) seit über 50 Jahren seiner Leidenschaft.
Regelmäßig überprüft der Züchter, ob die Tauben ordnungsgemäß mit Ringen und Nummern ausgestattet sind. „Neben dem Metallring tragen Tauben heute einen elektronischen Ring. So wird der Zeitpunkt ihrer Rückkehr über eine Antenne elektronisch registriert.“ Wie seine Tauben, ist der Züchter täglich früh aus den Federn. Morgens ab sieben Uhr klettert der sportliche Senior auf steilen Holzstufen in seinen Taubenschlag. Das Federvieh erwartet ihn schon gurrend. Während der Fütterung flattern die Tauben umher, picken emsig jedes Korn. Nur wenige sind zutraulich. „Fienchen ist meine liebste Taube. Die fliegt mir sogar auf die Hand.“ Zu seinen Lieblingen zählen auch die Anfang des Jahres geschlüpften Nesthäkchen. Rund 60 Jungtauben haben in diesem Jahr das Licht der Welt erblickt. Den Nachwuchs muss der Taubenzüchter besonders vor den natürlichen Feinden schützen. „Von September bis März können wir wegen der großen Raubvogelplage gar keine Tauben rauslassen.“ Der Bargteheider weiß aus Erfahrung, dass gerade in dieser Zeit Vorsicht geboten ist. Lauern doch Raubvögel wie Habicht, Sperber und Wanderfalken auf die begehrte Beute. Sicherer ist es in der warmen Jahreszeit. An windstillen Frühlings- und Sommertagen herrschen optimale Bedingungen. In dieser Zeit bereiten Alfred Wengerowski und weitere elf Mitglieder des Bargteheider Brieftaubenzüchtervereins „Flott weg“ ihre insgesamt 800 Schützlinge auf Preisflüge vor. Ebenso wie die „Alttauben“, wird schon der Nachwuchs schon auf erste Wettflüge vorbereitet. „Das faszinierende an Brieftauben ist ihr Wissen, wo sie hinfliegen müssen, um wieder nach Hause zu kommen.“
Wie sich die Vögel orientieren, ist bis heute ein Rätsel. „Da ist vieles noch nicht erforscht. Jedenfalls haben die eine Art eingebauten Navi.“ Um diese Fähigkeit über lange Strecken nutzen zu können, werden die Tauben mit Distanzen von Anfangs 40 Kilometer bis hin zu über 400 Kilometer trainiert.
„Für den Transport zu den Abflugsorten haben wir einen Lkw mit Boxen für rund 5000 Tauben. Den Laster haben wir zusammen mit den Züchtervereinen Bad Segeberg und Lauenburg finanziert.“ In dem Gefährt geht es zu „Auflassorten“ wie der 80 Kilometer entfernten Stadt Ludwigslust, nach Rumianek, einem über 400 Kilometer entfernten Ort in Polen, oder noch wesentlich weiter. Besonders stolz ist Alfred Wengerowski auf einen 800 Kilometer langen Flug seiner Tauben von Basel nach Bargteheide im Jahr 1984. „Das war die bislang weiteste Strecke meiner Tauben. 20 Tauben habe ich von dort um sechs Uhr morgens losgeschickt. Um circa 14 Uhr waren die ersten schon wieder in Bargteheide.“ Für diese Leistung wurden der Züchter und seine Tauben mit einer Urkunde des Taubenzüchterverbandes „Flott weg“ ausgezeichnet. Bundesweit veranstalten Taubenzüchterverbände bei solchen Aktionen Wetten. „Das ist wie bei Pferderennen. Pro Taube setzt man zum Beispiel fünf Euro. Der mit der frühesten Taube bekommt eine Medaille.“ Den Erlös spenden die Züchter wohltätigen Zwecken wie der „Aktion Mensch.“ „So kamen seit den 60er Jahren insgesamt rund zehn Millionen Euro zusammen.“ (js)
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