Aufklärung fällt aus

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Patrick Moser (v.l.) und Tino Sdunek klären über die Gefahren im Straßenverkehr auf Foto: fnf

Polizei Stormarn braucht Kräfte für andere Aufgaben

Von Finn Fischer
Stormarn
Alkohol, Drogen, Smartphones hinterm Steuer führen oft zu schweren, sogar tödlichen Unfällen. Die Präventionsarbeit der Polizei scheint daher unerlässlich. Doch nun soll eben diese eingestellt werden. Auch der Kreis Stormarn wird ab dem kommenden Jahr keine Präventionsbeamten mehr haben.
„Es sind vor allem die jungen Autofahrer, die ihr Handy auch am Steuer benutzen. Daher wollen wir an den Schulen mit den Fahranfängern ins Gespräch kommen“, sagt Polizeioberkommissar Patrick Moser, der in dieser Woche mit seinem Kollegen Tino Sdunek die Berufsschule in Bad Oldesloe besuchte, um über die Gefahren aufzuklären. Etwa 40 Prozent der 18- bis 24-Jährigen hätten das Smartphone auch am Steuer zur Hand, so der Präventionsbeamte. Immer wieder komme es dadurch zu schweren Unfällen.
Es sind vor allem Berichte von Opfern, die für Betroffenheit sorgen und abschrecken. Etwa der Fall von Kira M. Ein betrunkener Geisterfahrer rammte ihren Wagen frontal vor sechs Jahren auf der A1 zwischen Lübeck und Reinfeld. Sie wurde nur 22 Jahre alt. „Ein Jahr danach berichtete Kiras Tante über das Schicksal ihrer Nichte bei einem Präventionstag. Das war sehr bewegend“, sagt Patrick Moser. Vor fünf Jahren tötete ein alkoholisierter BMW-Fahrer eine 16-Jährige Bargteheiderin. Er raste auf den Bürgersteig in eine Bushaltestelle. Die Schülerin war sofort tot.
Seit 17 Jahren sensibilisiert das Stormarner Präventionsteam der Polizei Jugendliche für die Gefahren durch Ablenkungen oder Betäubungsmittel hinterm Lenkrad, machen mit Grundschulkindern den Fahrradführerschein und sie belehren auch Motorradfahrer. „Ich glaube, dass wir durch unsere Arbeit viel erreichen können“, sagt Tino Sdunek. Es ist eigentlich eine Erfolgsgeschichte. Nach dem Stopp der Kampagne 2016 werden die Präventionsbeamten zurück in den normalen Dienst geschickt. Aufgrund der Flüchtlingssituation hat Landespolizeidirektor Ralf Höhs entschieden, dass die Landespolizei umgehend die Möglichkeit haben muss, operative Aufgaben bis auf weiteres ruhen zu lassen. Durch die Personallage stößt die Polizei ohnehin schon an ihre Grenzen. Die Maßnahme soll Entlastung schaffen. Letztendlich hat die Landespolizeiführung aufgrund regionaler Besonderheiten den Direktionen vor Ort die Entscheidung überlassen. Patrick Moser: „Es ist zum Heulen, weil man hier so lange etwas aufgebaut hat.“
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