Tierisches Treiben auf dem Friedhof Ohlsdorf

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Michael Kasch, Leiter der Nabu-Stadtteilgruppe Bramfeld, Ohlsdorf, Barmbek, bei der täglichen Kontrolle der Auffangbehälter entlang des Krötenschutzzauns Foto: Busse
Hamburg: Fuhlsbüttler Straße 756 |

Nabu Hamburg entwickelt Naturschutzkonzept – Wichtiger Lebensraum für Kröten, Frösche und Molche

Von Christina Busse
Barmbek/Ohlsdorf
Weil sich immer mehr Menschen ein Urnengrab für ihre letzte Ruhestätte wünschen, hat der Friedhof Ohlsdorf zunehmend freie Flächen. Der Friedhof, eröffnet 1877, soll auch weiterhin ein Ort des Gedenkens mit Raum für Trauer sein. Gleichzeitig bieten sich Chancen für neue Nutzungen, die dem weltgrößten Parkfriedhof und bedeutenden Naturraum gerecht werden.

Stadtteilgruppe Bramfeld, Ohlsdorf, Barmbek

Der Naturschutzverband Nabu hat ein Naturschutzkonzept für das rund vier Quadratkilometer große Areal mit seinen mehr als 36 000 Bäumen und 15 Teichen entwickelt. Eine erste Maßnahme konnte bereits in diesem Frühling erfolgreich umgesetzt werden: Die ehrenamtlichen Naturschützer hatten einen temporären, 120 Meter langen Krötenzaun entlang der Straße errichtet, damit die Amphibien auf ihrem Weg zu ihren Laichgewässern nicht dem Straßenverkehr zum Opfer fallen. „Die Kröten, Molche und Frösche leben in einem Umfeld von etwa zwei Kilometern“, erklärt Michael Kasch, Leiter der Nabu-Stadtteilgruppe Bramfeld, Ohlsdorf, Barmbek. „Sie kommen in jedem Frühjahr von ihrem Lebensraum an Land zu dem Gewässer zurück, in dem sie sich selbst entwickelt haben, um dort ihren Laich abzulegen.“

Tiere suche Perlenteiche auf

Auf dem Friedhof Ohlsdorf gehören die sogenannten „Perlenteiche“, sechs kleine Gewässer, die wie aufgezogen auf eine Schnur in der Nähe des Bramfelder Sees liegen, zum Ziel der Tiere. Durchschnitten wird ihr Weg von der viel befahrenen Cordesallee. Um die Tiere zu schützen, wurde auf Höhe der Kapelle 10 der niedrige Zaun aufgestellt. Aus der Richtung, aus der die Tiere kommen, waren elf Auffangbehälter in die Erde eingelassen, in die sie auf ihrem Weg den Zaun entlang hineinfielen. „Wir haben die Behälter jeden Morgen kontrolliert“, berichtet Kasch. Bis zu 46 Amphibien hatten sich hier täglich eingefunden: Grasfrösche, Erdkröten und Teichmolche, die dann sicher zu den Teichen weitertransportiert werden konnten, wo sie ihren bis zu jeweils 3000 Eier umfassenden Laich im Wasser ablegten. „Außerdem haben wir Frösche und Kröten aus Gullys geholt, in die sie hineingefallen waren.

Weitere Maßnahmen

Zukünftig sollen hier direkt Ausstieghilfen installiert werden, damit sich die Tiere aus eigener Kraft daraus befreien können“, erläutert Kasch. Auch das ist ein Punkt im Naturschutzkonzept, das der Nabu der Friedhofsverwaltung kürzlich vorgelegt hat. Darüber hinaus werden Totholzhaufen als Lebensraum vorgeschlagen, eine Abflachung von Kantsteinen sowie Naturschutzmaßnahmen an den Teichen, um bessere Bedingungen unter anderem für die Entwicklung von Kaulquappen und Libellenlarven zu schaffen. (cb)

Weitere Infos: Nabu & Amphibien in Hamburg
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