In 45 Produktionen um den Globus

Wann? 08.06.2017 bis 25.06.2017

Wo? Baakenhöft, Baakenhöft, 20457 Hamburg DE
Anzeige
Am Klütjenfelder Hafengrill im Festivalzentrum Haven werden Stullen auf der Feuertonne gemacht. Haven-Leiterin Claudia Plöchinger (2.v.l.) mit den Kreativen Rolf Kellner, Judith Plath, Philip Haedke und Mathias Linda (v.l.) Foto: Hanke
 
Musiktheater im früheren Kakaospeicher: die Schauspieler der Weltpremiere von „Children of Gods“ mutieren zu Winzlingen Foto: Hanke
Hamburg: Baakenhöft |

„Theater der Welt“: Das größte Bühnenfestival, das Hamburg je gesehen hat

Von Christian Hanke
Hamburg/HafenCity
„Theater der Welt“ in Hamburg: Morgen geht´s los! Das bedeutendste deutsche Theaterfestival gastiert zum dritten Mal in der Hansestadt. Thalia Theater und Kampnagel veranstalten das größte „Theater der Welt“, das es je gegeben hat. Ab Donnerstag, 25. Mai, bis 11. Juni werden 45 Produktionen aus allen fünf Kontinenten, darunter 27 Ur- und Erstaufführungen, an drei Hauptorten und einigen mehr gezeigt, insgesamt 330 Vorstellungen werden gegeben. Außer dem Thalia Theater und Kampnagel steht das Baakenhöft in der HafenCity im Fokus. Auf der Spitze zwischen Elbe und Baakenhafen, auf der das Thalia Theater bereits des Öfteren im Zelt spielte, befinden sich das Festivalzentrum Haven und eine ganz neue Spielstätte: der riesige Kakaospeicher des früher hier gelegenen Afrika-Terminals mit einer Fläche von 9.000 Quadratmetern.

Besondere Spielorte

„Das Kuratorium wollte Wasser. Da war klar: Wir müssen in den Hafen gehen“, erläutert Ulrich Schrauth, der künstlerische Produktionsleiter des Festivals. Schrauth, 2012 bis 2015 künstlerischer Betriebsdirektor am Thalia Theater, hat seit Januar die Mammutaufgabe zu bewältigen, die Organisation des Festivals aufzubauen und sich um die Künstler aus aller Welt zu kümmern, die bei „Theater der Welt“ auftreten werden. Wie ist er an diese Aufgabe herangegangen? „Am Anfang stand die Kunst, die gezeigt wird. Meine Aufgabe ist die Ermöglichung von Kunst“, erzählt Schrauth. Eine besondere Herausforderung stellten die Orte in der HafenCity dar, frühere Orte des Hafengewerbes, an denen in der Regel noch nie Theater gespielt wurde. Insbesondere der Kakaospeicher am Baakenhöft, einer der Hauptspielorte des Festivals, bereitete Kopfzerbrechen. „Da gab es nichts. Wir mussten alles neu erfinden“, berichtet der Produktionsleiter, den diese Herausforderung aber reizte: „Mir macht es viel Spaß, neue Strukturen zu schaffen.“ Es galt Auflagen der Behörden und vor allem der Feuerwehr zu erfüllen, Tribünen für 540 Gäste zu bauen und für Infrastruktur, Licht- und Tontechnik, Garderobe und WC zu sorgen. Nur Heizungen wird es im Kakaospeicher nicht geben. Dafür ausreichend Decken zum Wärmen. Die Künstler, die hier auftreten werden, waren sofort begeistert von dem neuen Spielort, der viel Raum für Fantasie lässt. Während Schrauth einerseits die Logistik aufbaute und das Programm des Festivals zusammenstellte, verhandelte er andererseits mit den Künstler über Anreise, Hotels, Probenmöglichkeiten und -zeiten sowie Gagen. 160 Mails pro Tag waren da keine Seltenheit.

Diplomatie und Einfühlungsvermögen

„Theater der Welt“, finanziert durch die Hamburger Kulturbehörde, das Auswärtige Amt und die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, ist ein produzierendes Festival. Eine Reihe von Produktionen wird für die Auftritte in Hamburg vor Ort erarbeitet. Das schaffte neue Herausforderungen für Ulrich Schrauth, der auch während der Festivaltage nicht zur Ruhe kommen wird. Läuft irgendetwas schief, muss er für Lösungen sorgen und die Künstler in Empfang nehmen. Außer Organisationstalent erfordert sein Job viel Diplomatie und Einfühlungsvermögen. Alle Hände voll zu tun hat auch Claudia Plöchinger.

Festivalzentrum Haven

Die freie Kuratorin, Dramaturgin und Theaterproduzentin, hat das Festivalzentrum Haven (engl: Hafen, Zufluchtsort, Oase) am Baakenhöft aufgebaut. Zwei große und zwei kleine Zelte, drei feste Orte der Gastronomie, die Haven-Kitchen für wechselnde Gastronomen und viele Orte für Kreative aus der Region Hamburg: das ist ihr Dorf. „Zeigt, was ihr macht“, lautet Plöchingers Devise. So hat sie sich auf die Suche gemacht und Menschen in Hamburg und Umgebung gefunden, die mit Papier als Rohstoff arbeiten, Wohnen auf kleinstem Raum demonstrieren oder ohne Strom auf der Feuertonne Stullen herstellen. Auch Mathias Lintl, der in Wilhemsburg die „Soul Kitchen“ baute, ist dabei. Kultur, Soziales, Gewerbe und Gastronomie mischen sich hier zu einem kleinen Dorf. „Das erzählt viel über Hamburg“, findet Claudia Plöchinger, die zufrieden ist: Die 500 bis 600 Festivalgäste können kommen. Haven ist an jedem Festivaltag ab 11 Uhr geöffnet. Es wird kein Eintritt erhoben.

„Children of Gods“ als Weltpremiere

Am 25. Mai ist es soweit. Die Eröffnungsrede um 11 Uhr im Thalia Theater hält Achille Mbembe, Historiker und Philosoph aus Kamerun. Am Abend um 21 Uhr dann die erste Vorstellung im Kakaospeicher: eine Weltpremiere – das Musiktheater „Children of Gods“ aus Samoa und Neuseeland inszeniert für diesen Ort. Es handelt von Kindern in Kriegen und Krisengebieten. Hamburger Kinder spielen gemeinsam mit dem MAU-Ensemble von Regisseur Lemi Ponifasio, auch High Chief von Samoa. „Theater der Welt“ eben.

„Theater der Welt“: Das vollständige Programm und Karten gibt´s unter www.theaterderwelt.de und in Heftform an allen Veranstaltungsorten. Karten gibt‘s unter Telefon 32 81 44 44, 270 949 49, E-Mail: theaterkasse@thalia-theater.de und tickets@kampnagel.de

Lesen Sie auch: Weltpremiere in der HafenCity
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige