„Hallo, hier Hamburg“

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Jochen Wiegandt: „Liederatur-Forscher“ und Buchautor aus Langenhorn Foto: Zapf / Repro: Krause

Langenhorner Autor erzählt in seinem neuen Buch von Liedern von der Waterkant – und den Geschichten dahinter

Von Franz-Josef Krause
Hamburg-Langenhorn
Am 31. Juli 1964 meldete das Hamburger Abendblatt „Hamburg Schlager heute ausgeschrieben – oberster Preisrichter ist Hamburgs Innensenator Helmut Schmidt“. Als Preise wurden 5.000, 3.000 und 2.000 D-Mark ausgelobt. Schmidt und sein Team mussten sich durch rund 850 Lieder arbeiten. Siegertitel wurde „Erst kommt natürlich mal Hamburg“ von Friedel Hensch und die „Cyprys“, einer in der Nachkriegszeit sehr erfolgreichen Formation, deren Stern aber bereits im Sinken begriffen war.

Standardrepertoire aller Shantychöre

Auf Platz 112 landete „Hallo, hier Hamburg“ gemeinsam getextet und komponiert von Renate und Günther Schulze. Dafür gab es natürlich kein Geld von der Jury. „Ich habe mal 200 Euro für das Lied von der Gema bekommen“, berichtete Schulze, „weil ein Hotel es in der Warteschleife spielte.“ Tröstlich für das heute in Schenefeld bei Hamburg lebende Ehepaar: Während der von Schmidt ausgewählte Siegertitel in den Archiven verschwunden ist, gehört heute ihr Lied zum Standardrepertoire aller Shantychöre. Ein Story, wie sie Jochen Wiegandt unnachahmlich erzählt. Denn „Liederatur“-Geschichten, die hinter den Liedern stecken zu sammeln und weiterzugeben, ist Wiegandts Leidenschaft. Als Mitbegründer der legendären norddeutschen Folkgruppe „Liederjan“ ist der Mann aus Langenhorn seit Jahrzehnten mit Gesang im Norden befasst. Nachdem er bereits 2013 das sehr erfolgreiche Buch „Singen Sie Hamburgisch“ herausbrachte, hat er sich nun Liedern von der See und der Waterkant zugewandt. Wiegandt, 1947 geboren, steht wie kein Zweiter in Norddeutschland für Heimat und Musik. Spätestens seit er bei der Trauerfeier für Helmut Schmidt im Michel das plattdeutsche Lied „Min Jehann“ nach einem Gedicht von Klaus Groth sang und sich dabei auf der Gitarre begleitete, ist er auch überregional bekannt.

Weiter auf der Suche

In seinem neuesten Buch „Hallo, hier Hamburg“ deckt Wiegandt Geschichten auf, die ohne seine unermüdliche Recherche nie ans Licht gekommen wären. Wenn er dann noch das Glück hat, mit Zeitzeugen wie den Schulzes zu sprechen, dann werden sie lebendig, die Geschichten, die hinter den Liedern stecken. Lieder, die wie der „Hamborger Veermaster“ oder „My Bonnie is over the ocean“ zumindest in Hamburg noch in aller Munde sind, oder wie „De Reis na Helgoland“ oder „Am Golf von Biscaya“ vom Titel her vertraut sind. Sie fanden ebenso Eingang in sein Buch wie andere Lieder, bei denen auch eingefleischte Hanseaten heute mit den Schultern zucken. „Meine Lieder und Geschichtensammlung wird nie abgeschlossen sein“, sagt Wiegandt.

Neue Geschichten gesucht

Deshalb seine große Bitte an die Wochenblatt-Leser: „Rufen Sie mich gerne an, wenn sie mir Geschichten rund ums Lied erzählen können!“ Eine Geschichte zum Beispiel, wie sie zum „Flying P-Liner-Song“ aus seinem Buch gut gepasst hätte und die die Langenhornerin Ursula Retzlaff in ganz anderem Zusammenhang dem Wochenblatt erzählte: „Die ‚Pamir‘ und ‚Passat‘ sind die heute bekanntesten Frachtsegler aus der Reihe der 66 mit ‚P‘ im Namen beginnenden Großsegler der Reederei F. Laeisz. Als der ‚Alstereck Verein für Wassersport‘ 1923 in Fuhlsbüttel gegründet wurde, befuhren immer noch Schiffe dieser legendären Flotte die Weltmeere. Unser junger Verein erbat sich das Privileg, seine Boote nach den Windjammern der Reederei benennen zu dürfen. Noch heute wird diese Tradition gepflegt, beginnen die Bootsnamen am Alstereck mit einem ,P‘. Allerdings – die erhoffte Unterstützung durch die Reederei erhielt der Verein leider nicht!“
Jochen Wiegandt „gründelt“ aber nicht nur in der Vergangenheit, sondern gibt auch konkrete Tipps, wo man Hamburg und seinem Hafen, dem Tor zur Welt, besonders nahe sein kann. Bebildert mit vielen Fotos von Michael Zapf ist mit „Hallo, hier Hamburg“ ein Buch entstanden, mit dem man für 17,95 Euro sich und anderen eine große Freude machen kann.

Kontakt zu Jochen Wiegandt unter Telefon 46 54 63. Weitere Infos: Jochen Wiegandt
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