Die versteckten Brücken an der Trave

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Idylle an der Trave: Blick auf die Fußgängerbrücke in Barnitz. Foto: rh

Therapietheater auf Entdeckungstour

Reinfeld. Die Projektgruppe des Therapietheaters Reinfeld hat noch unbekannte Brücken an der Trave entdeckt. Auf offiziellen Karten sind genau 96 Brücken, Eisenbahn-, Vieh-, Fußgänger- und Autobrücken verzeichnet. Auf ihrer Expedition von der Quelle bis zur Mündung der Trave hat Projektleiter Udo Reichle-Röber mit Bewohnern des Therapiezentrums Holstenhof am 113 Kilometer langen Fluss die eine oder andere fast verwunschene, oft zugewachsene und versteckte kleine Brücke ausfindig gemacht. Der Weg zu ihr war manchmal holprig, ging durch unwegsames Gelände. Sehr spannend sei das neue Vorhaben, so Reichle-Röber. Die Idee, Travebrücken zu fotografieren, kam ihm beim Kanufahren.
Er nimmt immer einen Bewohner des Holstenhofes mit. „Dabei entsteht neben den schönen Fotos aus unterschiedlichen Perspektiven vor allem ein intensiver menschlicher Kontakt zwischen mir und dem psychisch Kranken“, erklärt der Therapeut, der in den Jahren zuvor schon das Projekt Handycap-Film ins Leben rief und die Filme „Grenzwanderung“ und „Deus vult“ über die Siedlungsgeschichte der Slawen an der Trave gemeinsam mit psychisch Kranken und Laienschauspielern realisierte. Solch intensive Gespräche wie bei den Fototouren seien im Alltag nur selten möglich. „Die Teilnehmer des Projektes sollen dadurch für eine Weile aus dem Psychiatrie-Kontext herauskommen“, sagt er. Auf den Brücken kamen die Reinfelder schnell mit netten Menschen in Kontakt. Gleich zu Beginn der Expedition begegneten sie der „Hüterin der Travequelle“, einer älteren Dame, die behauptet, die eigentliche Quelle befinde sich unter ihrer Gartenpumpe. Tatsächlich fließt ein kleiner Bach von ihrem Haus zur Trave. Ein alter Seemann erzählte ihnen, dass er bei einem Schiffsuntergang ein Buch über die Trave verloren hätte - das Geschenk seines Großvaters. In Bad Oldesloe traf die Projektgruppe auf einen 87-Jährigen, der täglich mit seinem Hund bei gutem Wetter zum Angeln an die Trave kommt. In der Kreisstadt entdeckte die Gruppe zudem eine Privatbrücke beim Heiligengeist, die auf keiner topographischen Karte und auf keinem Luftbild verzeichnet ist. Auch die versteckte Brücke beim ehemaligen Kaufhaus H&M wurde gleich kartiert: „Somit sind es in Bad Oldesloe 21 Brücken und nicht wie verzeichnet 19.“ Ganz versteckt liegen auch die Viehbrücke zwischen Schlamersdorf und Tralau und die kleine Brücke mitten im Wald an der Kupfermühle. Aus den Brücken-Fotos möchte der Projektleiter noch in diesem Jahr einen Bildband zusammenstellen. Die schönsten Bilder sollen in einer Ausstellung zur Geltung kommen. Auch ein Kurzfilm ist geplant. Leider fehlen den engagierten Mitstreitern noch Sponsoren. Die ersten 350 Euro für die Erstellung eines Fotobuches sind als Spende bereits eingegangen. Der engagierte Barnitzer hofft auf weitere Spenden. Weitere Information im Internet: www.travebruecken.wordpress.com (rh)
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