Ich, Nachkriegskind in Barmbek

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Peter Oebel ist in den 50ern in Barmbek aufgewachsen Foto: adlibri Verlag/cb
 
„Alex“ ist ein Buch für alle, die noch einmal den Bildern ihrer Jugend begegnen oder in eine fremde, abenteuerliche Welt eintauchen wollen Foto: adlibri Verlag/cb

Autor Peter Oebel stellt neues Buch im Rahmen von „660 Jahre Hamburg-Barmbek“ vor

Barmbek „Zerstört 1943, aufgebaut 1955“ – an vielen Barmbeker Wohnhäusern finden sich Plaketten mit ähnlicher Inschrift. Peter Oebel ist im Reyesweg aufgewachsen, in einem roten Backsteingebäude. In die 55 Quadratmeter-Wohnung im vierten Stock zog er direkt nach dem Wiederaufbau im Jahr 1955 mit seinen Eltern und seiner Schwester. Vorher war die Familie auf St. Pauli zu Hause, nahe am Hafen, denn der Vater fuhr zur See. Eingeschult wurde Peter Oebel noch in die Grundschule Seilerstraße, nach dem Umzug in das neue Heim ging es für den Siebenjährigen in die Schule in der Von-Essen-Straße. „Ruckzuck waren wir einfache Barmbeker Bürger geworden, während die Ruinen rundum langsam verschwanden und die Wirtschaftswunderzeit anbrach“, erinnert sich Oebel. Bis in die 70er Jahre lebte er im Quartier, machte eine handfeste Ausbildung, obwohl er immer „Schriftsteller oder Maler“ sein wollte, gründete selbst eine Familie und lebt inzwischen schon lange nördlich von Hamburg in Quickborn. Erst als er selbst Großvater wurde, erwachte bei ihm das Interesse an seiner eigenen Geschichte. Als er versuchte, die Vergangenheit zu rekonstruieren, wurde ihm bewusst, „dass die Zeit läuft“. „Aber wie es oft so ist, habe ich selbst früher nicht richtig hingehört, was die Eltern erzählt haben. Deshalb habe ich mich auf Spurensuche begeben“, berichtet Oebel, der mit 60 Jahren seinen Beruf an den Nagel hängte und sich seither nur noch dem widmet, was ihm am liebsten ist: Seiner Familie, dem Kochen und dem Schreiben. So hat er auch eine Art Biografie aufs Papier gebracht. „Ich wollte festhalten, was in der Nachkriegszeit los war, mein Leben und Hinzugedachtes“, beschreibt er seine Motivation. Gemeinsam mit einem seiner Enkelkinder an der Hand klingelte er zum Beispiel im Reyesweg an, durfte noch einmal in sein ehemaliges Kinderzimmer gucken, dessen sechs Quadratmeter er sich damals mit seiner älteren Schwester teilte. In der Grundschule, in der er vor fünfzig Jahren als Linkshänder von Lehrern schikaniert und als Schulversager abgestempelt wurde, hörte er wieder „die Schritte auf dem Schulflur“. Aber auch schöne Erinnerungen lebten auf: „Von meiner Mutter habe ich immer mal 15 Pfennige gekriegt. Ich habe solange gespart, bis ich mir beim Bäcker Rumkugeln kaufen konnte“, erzählt Oebel, der in seinem Roman in die Figur des Alexander Zinser schlüpft und in den 50er Jahren im Barmbeker Arbeitermilieu aufwächst. In einer Zeit von Muckefuck, Care-Paketen, Juno-Zigaretten, der Wählscheiben-Telefone und Fernsehtruhen. „Das Buch in Barmbek vorzustellen, ist mir eine Herzensangelegenheit“, betont Oebel. Am Mittwoch, 23. September, liest er um 18 Uhr in der Ausstellung „660 Jahre Hamburg-Barmbek“, die die Geschichtswerkstatt Barmbek anlässlich ihres 30-jährigen Jubiläums im ehemaligen Verwaltungsgebäude der Barmbeker Traditionsfirma Heidenreich & Harbeck, Wiesendamm 30, zeigt. Die Ausstellung ist bis zum 4. Oktober mittwochs bis sonntags von 15 bis 19 Uhr geöffnet. (cb)

Weitere Infos: Geschichtswerkstatt Barmbek
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