Vorhang auf für Hamburger Puppentheater

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Alexander Pinto, Geschäftsführer des Hamburger Puppentheaters, zeigt eine Handpuppe Foto: ba
 
Sven Tode (3.v.l.) und Alexander Pinto (r.) werben für das Puppentheater Foto: ba
Hamburg: Bramfelder Straße 9 |

Kulturbehörde unterstützt Bühne in Barmbek, die zunehmend auch auf ein Abendprogramm für Erwachsene setzt

Von Daniela Barth
Hamburg-Barmbek
Der Stadtteil Barmbek entpuppt sich mehr und mehr als Hort kultureller Perlen – und wird nun offenbar endlich auch politisch entsprechend gewürdigt und, noch viel wichtiger, auch gefördert. Neben großen Plänen wie einer Theatermeile mit Jungem Schauspielhaus und Theaterakademie am Wiesendamm und des derzeit im Aufbau befindlichen Theaterzentrums Wiese e. G. in der ehemaligen Theaterfabrik profitieren davon auch alteingesessene, aber in der Vergangenheit doch eher unterprivilegierte Institutionen. Wie das Hamburger Puppentheater im Haus Flachsland an der Bramfelder Straße.

Theater-Kenner übernimmt Leitung


Das bisher ausschließlich ehrenamtlich geführte Gastspielhaus der Arbeitsgemeinschaft für Puppenspiel e. V. befindet sich derzeit in einer Art „Transformation zum professionellen Theater“ – wie es der Geschäftsführer Alexander Pinto (seit gut einem Jahr in Teilzeit dort tätig) beschreibt. Immerhin beträgt die institutionelle Förderung durch die Kulturbehörde in diesem Jahr 126.000 Euro; das Jahresbudget des Theaters beträgt 300.000 Euro. Mit Pinto hat sich der Verein, der übrigens vor genau 75 Jahren gegründet wurde, einen echten Profi ins Boot geholt. Der 44-jährige Kulturmanager war sowohl im Vorstand des Dachverbandes Freier Theaterschaffender e. V. als auch im Bundesverband Freier Theater tätig, neben diversen Lehrtätigkeiten an Hamburger Universitäten, unter anderem auch an der Hochschule für Musik und Theater. Wenn sich also einer mit Kulturförderung auskennt, dann sollte er, der sich selbst als „Ermöglicher und Organisator“ bezeichnet, es sein.

Abendprogramm für Erwachsene


Und tatsächlich sind erste Veränderungen spürbar. Etwa was die Stärkung des Abendprogramms für Erwachsene betrifft: Hier holt Alexander Pinto exquisite Figurentheater, die sich Literaturadaptionen, dem Erzähltheater oder auch dem Theaterkabarett verschrieben haben, ins Haus. Mit großem Erfolg, wie Pinto berichtet. Die Vorstellungen seien fast immer ausverkauft und kämen erstaunlich gut an. Da störe auch kaum der Flair des ehemaligen Hauses der Jugend, das der prägnante 1960er-Jahre-Beton-Glasbau auf Stelzen in Form eines schiefen Prismas ehemals beherbergte. Aber in der Inneneinrichtung sei dann eben doch weniger Theater, als es sein könnte: Vorhänge, Podeste für Zuschauer und Bühnentechnik des zirka 200 Zuschauer fassenden Theaters müssten erneuert werden und auch ein barrierefreier Zugang wäre sehr wünschenswert. Die gute Nachricht: Die Anfänge sind gemacht, denn tatsächlich mangelt es derzeit nicht an Unterstützung aus dem politischen Lager. 10.000 Euro etwa hat der SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Sven Tode aus so genannten Tronc-Mitteln für neue Vorhänge im Theatersaal und Foyer bewilligen lassen und vorige Woche gab es dafür nochmals eine ordentliche Finanzspritze in Höhe von 12.600 Euro vom Haushaltsausschuss der Bezirksversammlung Hamburg Nord.

Puppenbauseminare für Kinder


Neben den vielen Kindervorstellungen im Puppentheater und dem aktuell ausgeweiteten Abendprogramm gibt es die Puppenbauseminare für Kinder und Erwachsene. Mit „Figurenbau-Angebot mobil“ wurde zudem auf die Nachfrage aus Flüchtlingsheimen reagiert. Fachkundige Puppenbauer besuchen seit Februar 2015 Einrichtungen in Hamburg, um mit Kindern vor Ort Figuren zu bauen und erste Spielszenen zu erarbeiten. Eine spannende Sache, wie auch SPD-Politiker Sven Tode kürzlich bei einem Besuch des Theaters feststellte: „Puppen bieten so tolle Ausdrucksmöglichkeiten, auch über Sprachbarrieren hinweg!“

Weitere Infos und Tickets: Hamburger Puppentheater

Was sind Tronc-Mittel?


Als Tronc werden die Trinkgelder der Croupiers in den Spielbanken bezeichnet, die traditionell ein Teil des Gehalts der Croupiers ist. Die Tronc-Abgabe ist eine Einnahme aus der Versteuerung dieser Gelder. Sie wird zur Unterstützung von gemeinnütziger Arbeit durch die Hamburgische Bürgerschaft an soziale Einrichtungen und Projekte vergeben sowie an Stiftungen und Initiativen, die sich mit großem Einsatz und Engagement um die Belange von Kindern und Jugendlichen, den sozialen Ausgleich, die sportliche und kulturelle Förderung, Umweltschutz oder auch um das gute Zusammenleben in den Stadtteilen und der Nachbarschaft kümmern. Für das Haushaltsjahr 2016 standen knapp 600.000 Euro dieser Mittel zur entsprechenden Verwendung zur Verfügung.
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