Alarm in der Rettungsleitstelle

Anzeige
In der Wendenstraße 251 in Hammerbrook hat die Rettungsleitstelle der Hamburger Feuerwehr ihren Sitz. Hier gehen alle eingehenden Anrufe über 112 ein Foto: Röhe

Personalmangel bei der Feuerwehr macht sich auch in Notrufzentrale bemerkbar

Von Matthias Röhe
Hamburg. Der Personalmangel bei der Hamburger Feuerwehr schlägt sich jetzt auch in der Rettungsleitstelle der Hamburger Feuerwehr in der Wendenstraße 251 nieder. Dort habe es bis April insgesamt 22 Überlastungsanzeigen von den 72 Vollzeitangestellten gegeben. Mit knapp 20 Prozent sei der Krankenstand in der Rettungsleitstelle höher als im Einsatzbereich der Feuerwehr oder in der Hamburger Verwaltung, sagt Daniel Dahlke, Feuerwehrmann und Landesvorsitzender des Berufsverbands der Feuerwehr. Deshalb dauere die Annahme eines Notrufs im Schnitt 15,1 Sekunden. Noch im Jahr 2010 musste ein Anrufer nur 11,7 Sekunden warten, bis er durchkam.
Personalengpässe
Dennis Gladiator, CDU-Abgeordneter in der Hamburgischen Bürgerschaft, stellte im Mai eine Senatsanfrage und bekam Beunruhigendes zur Antwort. Der 32-Jährige stellte fest, dass es seit Anfang dieses Jahres aufgrund von Personalengpässen im Einsatzdienst der Feuerwehr zu Einschnitten in die Arbeitsabläufe der Berufsfeuerwehr gekommen ist. Folge: Bei einem Einsatz kann es sein, dass eine bestimmte Anzahl von normalerweise vorgesehenen Aktionen nicht mehr gleichzeitig erfolgen kann. So muss manchmal auf einen Sicherungstrupp verzichtet werden. Folge: Der Einsatz kann nicht mehr
optimal durchgeführt werden.
In den kommenden Monaten sollen nun weitere Eingriffe dieser Art vorgenommen werden. Die Antwort des Senats: „Da das bei der Planung zugrunde zu legende Personal nicht für die ständige Besetzung aller Funktionen ausreichte, wurden seit dem 2. Januar das Löschfahrzeug der Industriewache Roßdamm, das Teleskopmastfahrzeug „25TMF53“ der Feuer- und Rettungswache Billstedt sowie vier Gerätewagen von vier weiteren Wachen an den Werktagen tagsüber vorübergehend nicht besetzt.“ Dies habe nach Angaben des Senats zur Folge, dass Löschfahrzeuge aus den Nachbarrevieren vermehrt zur Unterstützung angefordert werden. Um im Juni dieses Jahres alle Funktionen in der Feuerwehr Hamburg zu besetzen, würden insgesamt 1.832 Vollkräfte benötigt, teilt der Senat mit. Zur Verfügung stehen zurzeit 1.802 Kräfte.
Stadt plant
Ausbildungsoffensive
Dennis Gladiator fragte den Senat, wie die zuständige Behörde dieser Entwicklung entgegenzusteuern gedenkt? Antwort des Senats: „Entsprechend dem Beschluss der Bürgerschaft wurde eine Ausbildungsoffensive initiiert.“ Weiterhin werde verstärkt um ausgebildete Feuerwehrbeamte geworben, die in den Dienst der Stadt übernommen werden sollen. „Zum ersten Quartal 2014 werden so viele Feuerwehrmitarbeiter in der Leitzentrale arbeiten, wie bereits 2009 durch ein Gutachten festgestellt wurde“, sagt Daniel Dahlke, Landesvorsitzender Hamburg Berufsverband Feuerwehr e.V. „Traurig, dass es knapp fünf Jahre gedauert hat, bis dieses Ziel erreicht wurde. Leider hat sich die Anzahl an Anrufern in den vergangenen Jahren deutlich erhöht, so dass es keine Entlastung für die Mitarbeiter darstellt“, ergänzt Dahlke.
Erhöhter Krankenstand
Der Landesvorsitzende sieht zudem noch eine Gefahr: Selbst wenn weiteres Personal dazu käme, wisse man nicht, wohin damit. Die Kapazitäten reichen in der Wendenstraße nicht aus. „Wünschenswert ist es, wenn die Leitzentrale zudem an eine Feuer- und Rettungswache angegliedert wäre.
Dann könnten die Mitarbeiter nach beispielsweise vier Stunden auch mal etwas anderes machen und zur Ruhe kommen.“
Der Feuerwehrmann erklärt zudem die Problematik, warum viele Mitarbeiter gerade in der Leitzentrale einen hohen Krankheitsstand hätten: „Wenn bei uns ein Notruf eingeht, erfolgt zunächst eine Art Fragenkatalog. Das ist wichtig, damit wir die richtigen Kräfte und Fahrzeuge gezielt zum Unfallort rausschicken können. Leider können viele Menschen dies nicht nachvollziehen und fangen nach den ersten Sekunden des Telefonat zu schimpfen an nach dem Motto `Warum schicken Sie nicht endlich den Rettungswagen los`. Dies stellt eine enorme Belastung dar.“ (wb)
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige