Anwohner bekämpfen Wasserpest

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Seit Juni treffen sich jeden Sonntag bis zu zehn Helfer am früheren Wendebecken in Barmbek-Nord Foto: ut

Fahrräder, Laptops und eine Registrierkasse: Was die Initiative noch alles aus dem Teich zog

Barmbek Von Weitem sieht die Grünanlage am ehemaligen Wendebecken in Barmbek sauber und idyllisch aus, doch wenn man näher an den Teich inmitten der Liegewiesen tritt, sieht man einen Algenteppich, in dessen Dichte sich Müll ansammelt. Seit knapp zehn Wochen aber trifft sich ein kleiner Kreis von Anwohnern jeden Sonntag, um etwas an der Situation zu ändern und das Gewässer vom Müll, den Algen und der Wasserpest zu befreien. „Vor allem die Wasserpest war einfach viel zu viel“, sagt Norbert Schutta, Mitorganisator der Aktion, und führt fort: „Der Teich ist sogar schon mal umgekippt und der ganze Gestank hat sich in der unmittelbaren Umgebung verbreitet.“ Die ursprünglich aus dem Norden Amerikas stammende und nährstoffbindende Wasserpflanze ist bekannt für ihre dominante Verbreitung und Verdrängung anderer Pflanzenarten und ein Problem in vielen Binnengewässern Europas. Im April kam Norbert Schutta erstmals auf die Idee, den Teich selbstständig zu säubern. „Wenn man im Internet guckt, findet man Dokumente mit Forderungen von Bürgerinitiativen aus dem Jahr 2006, aber seitdem ist nichts passiert“, sagt er. Er rief beim Bezirksamt Hamburg-Nord an, wo man ihn mit Olaf Fedder von der NABU-Gruppe Wandsbek bekannt machte. Da sich im April noch Libelleneier im Teich befanden und ein Blesshuhn auf ihm brütete, musste die Aktion auf Juni verschoben werden. „Der Algenteppich war sogar so dicht, dass das Blässhuhn mitten auf diesem Teppich ein Nest gebaut hat“, erzählt Schutta. Bei einem Treffen mit dem NABU-Gruppenleiter vor Ort wurden ökologische Fragen geklärt, sodass Seerosen, Schilf und Tierarten nicht beschädigt werden, ehe das Vorhaben anschließend naturgerecht umgesetzt werden konnte. Seitdem trifft sich die Gruppe von durchschnittlich acht bis zehn Anwohnern allsonntäglich und befreit den Teich vom Algenteppich. Schätzungsweise 15 bis 20 Kubikmeter Algen und Wasserpest haben die bemühten Anwohner bereits entfernen können, dazu etlichen Müll. „Wir haben neben Flaschen und Dosen auch schon Fahrräder, Einkaufswagen, Laptops, Handys und sogar eine Registrierkasse aus dem Teich gefischt“, so Norbert Schutta. Der beseitigte und am Ufer des Teichs gelagerte Müll wird anschließend zusammen mit der Wasserpest und den Algen vom Bezirksamt, das den Helfern auch Watanzüge zur Verfügung stellt, eingesammelt und entsorgt. Bis zum Winter soll die Teichreinigung weitergehen und im nächsten Jahr fortgesetzt werden, sobald die Gruppe die Genehmigung vom Bezirk bekommt. „Das soll eine Dauereinrichtung werden“, sagt Jan Richard Lütje, der ebenfalls zu den Helfern gehört. Inzwischen trägt die Aktion Blüten: „Es kommt definitiv weniger Müll dazu. Die Leute denken jetzt eher nach, bevor sie etwas wegwerfen. Außerdem habe ich gerade zum ersten Mal Modellboote auf dem Wasser gesehen und man kann wieder Angeln, das war wegen des Teppichs vorher gar nicht möglich.“ (ut)
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1 Kommentar
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Eleonore Heilmann aus Bramfeld | 30.08.2015 | 21:18  
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