Armenkate in Bramfeld

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Die Armenkate an der Berner Chaussee wurde auch „Grauer Esel“ genannt. Foto: hfr

Spurensuche: Alte Menschen wohnten im 19. Jahrhundert oft im Armenhaus

Bramfeld. Nicht jedem ist sie überhaupt bekannt: Die Bramfelder Armenkate. Man weiß nicht viel über sie, denn sie steht schon lange nicht mehr dort an der Berner Chaussee in direkter Nachbarschaft des Bramfelder Friedhofs. Vermutlich kurz vor dem zweiten Weltkrieg hat man sie abgerissen. Hier wohnten diejenigen, die zu wenig hatten, um für sich zu sorgen, und für die auch niemand aufkommen wollte. Die ersten Schritte der Verstädterung sorgten erst dafür, dass dieses Haus überhaupt gebaut wurde: Im Jahr 1873 fusionierten mehrere Dorfschaften zum „Gesamt-Armenverband Bramfeld“ und beschlossen den Bau des „Grauen Esels“; unter diesem Namen war das Haus bekannt. Ursprünglich wohnten vorwiegend ältere Menschen in der Kate. Die Wirtschaftskrise, die dann in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts Deutschland überrollte, trieb auch Familien aus Bramfeld und Steilshoop hinein. Sie wohnten in sechs Wohnungen von jeweils höchstens 14 Quadratmetern Größe. Eine ungemütliche Residenz: Das Haus war jahrzehntelang in einem „jämmerlichen Zustand“, schreibt der Bramfelder Stadtführer von 1991. In Bramfeld gab man kaum etwas für Wohlfahrt aus, das änderte sich auch nach dem ersten Weltkrieg nicht. Die Gemeinde konnte die rund 8000 Mark für eine Renovierung schlicht nicht zahlen, und das Reich übernahm die Kosten. Dann kam der Krieg – das Haus zerfiel. Zu diesem Zeitpunkt sollen die Ratten bereits über die Straße gelaufen sein, berichtet ein Zeitzeuge. Heute steht ein Mehrfamilienhaus dort, wo früher die Armen lebten. (vk/hfr)
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