Auf Distanz zum Dschihad

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Der neue Imam Ahmed Al Scherbini (28) vor der Assahaba Moschee in Barmbek-Nord Foto: ms
 
Zum Freitagsgebet, dem wichtigsten Gebet der Woche, kommen 300 Stammbesucher in die Moschee Foto: ms

Neuer Imam der Assahaba-Moschee erteilt Radikalisierung eine Absage

Barmbek Bei einigen Nachbarn und Passanten sorgt die Präsenz einer Moschee für ein ungutes Gefühl. Diffuse Ängste machen sich breit. Die Furcht vor Radikalisierung, Gewalt und der Unterdrückung von Frauen stehen dabei auf der Themenliste. Auch in Barmbek-Nord, in und um die Assahaba-Moschee, kennt man diese Diskussion, insbesondere nachdem zu Jahresbeginn ein Salafistenprediger hier Schlagzeilen gemacht hat. Jetzt hat die Moschee einen neuen Imam. Und der Vorstand des betreibenden Islamvereins will Transparenz schaffen.
Die Gemeinde hat nach Warnungen des Verfassungsschutzes den radikalen Prediger Baher Ibrahim ausgeschlossen. Er soll für eine Radikalisierung bei manchen Besuchern gesorgt haben. Die Schura, der Rat der islamischen Gemeinden in Hamburg, hatte die Moschee vor zwei Monaten aufgefordert, den Prediger zu entlassen.
Seit kurzem hat die Assahaba-Moschee einen neuen Imam und ist aus der Schura ausgetreten. „Die Schura hat ein Grundsatzpapier. Wenn eine Gemeinde das nicht stützt, müssen wir das so akzeptieren. Ich finde es toll, wenn die Assahaba-Gemeinde jetzt an die Öffentlichkeit tritt und Lehren aus der vergangenen Situation gezogen hat. Wir müssen alle versuchen, Teil der Gesellschaft zu sein“, sagt Daniel Abdin, Vorsitzender der Schura. Wie aus dem Vereinsvorstand bekannt wurde, möchte die Gemeinde nun wieder unter das Dach der Schura zurückkehren.

Offenes Islamzentrum an der Fuhle geplant


Die Zahl der Muslime in Norddeutschland wird größer. Aufgrund schwieriger Verhältnisse, Gewalt und Verfolgung in den Heimatländern flüchten immer mehr Menschen nach Hamburg. Der Bedarf an Moscheen, islamischen Schulen, Gruppen für Arabischunterricht, soziale Beratung und Seelsorge steigt. Die Assahaba-Gemeinde möchte diesen Bedarf mit ihren Angeboten bedienen. In der Fuhlsbüttler Straße 230 entsteht ein offenes Islamzentrum, in dem gerade jugendliche Muslime aungesprochen werden sollen. „In letzter Zeit sind sehr viele junge Menschen aus dem arabischen Raum nach Hamburg gekommen. Wir möchten eine Brücke zwischen deren Integration und der Gesellschaft in ihrem Land bauen“, so El Sayed Hussein aus dem Vereinsvorstand. Die Jugendlichen sollen eine gefestigte Position in der Gesellschaft einnehmen und so gegen Radikalisierung geschützt werden. Nach der Vereinsgründung im März 2014 erfolgte im Dezember die Erlaubnis für den Moscheebetrieb. Zum Freitagsgebet, dem wichtigsten Gebet der Woche, kommen 300 Stammbesucher. Seit kurzem predigt der neue Imam Ahmed Al Scherbini für die Gemeindemitglieder. Sein Vorgänger, der radikale Baher Ibrahim, predigt nicht mehr in der Assahaba-Moschee. Das Hamburger Landesamt für Verfassungsschutz hatte im Januar gewarnt, „Veranstaltungen des salafistischen Predigers Baher Ibrahim in der Assahaba-Moscheee“ zu besuchen. Der neue Imam Al Scherbini ist dem Verfassungsschutz nicht bekannt.

Jugendliche sollen aufgefangen werden


„Jugendliche, die in der Vergangenheit radikalisiert wurden, versuchen wir wieder aufzufangen. Sie sollen nicht weiter abdriften. Es soll ein Vertrauensverhältnis gebildet werden, damit unsere Botschaft aufgenommen wird. Soziale Arbeit und Sport sollen dabei helfen, die Jugendlichen abzulenken und auf einen anderen Weg führen“, sagt Hussein.
Der neue Imam möchte der jungen Generation der Moschee von Anfang an den „richtigen Islam“ lehren. Von Gewaltaktionen und Radikalisierung sollen sie sich fernhalten. „Das ist nicht im Islam enthalten. Ich will ihnen den richtigen Umgang mit Menschen lehren. Das ist ein wichtiger Bestandteil unserer Islamschule“, sagt der aus Ägypten stammende Ahmed Al Scherbini. „Wir distanzieren uns ganz klar von den Dschihad-Geschichten. Der Islam gibt vor, dass man sich verteidigen darf, aber keine Unschuldigen angreifen soll und anderen keinen Schaden zukommen lassen darf“, so der 28-Jährige.
„Wir sind keine unbekannte Karte mehr im Stadtteil. Scheu soll keiner haben, Angst erst recht nicht. Wir sind keine Migranten mehr. Wir helfen jetzt den Migranten sich zu integrieren“, so Hussein. Zur nachträglichen Feier der Betriebserlaubnis der Moschee lädt der Vereinsvorstand am 18. Mai ab 14 Uhr ein. „Wir wollen uns vorstellen und das Gespräch suchen. Außerdem gibt es an diesem Tag Vorträge und Fragerunden“, so der Vereinsvorstand Badr Hassan. Unterstützung erhält der Verein von der Kirchengemeinde St. Gabriel. „Wir bemühen uns, mit unserer neuen Nachbarin, der Assahaba-Moschee, in Kontakt zu kommen. Der Vorsteher der Moschee hat versprochen, zu einer Sitzung am 12. Mai ins Bürgerhaus zu kommen“, weiß Pastor Sven Lundius. „Wir sind bereit und wollen uns zeigen. Wir wollen eine Chance hier bekommen“, so Badr Hassan. (ms)
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