Das „Barmbeker Meer“

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Seit 100 Jahren wird in der Hamburgischen Schiffbau-Versuchsanstalt Forschung für die Schifffahrt betrieben Foto: HSVA
 
So sah die Anlage in Barmbek 1928 aus. Foto: HSVA

Zum „100.“ ein seltener Blick in die Schiffbauversuchsanstalt

Von Martin Jenssen
Barmbek. Die Hafenstadt Hamburg liegt an der Elbe, und doch direkt am Meer. Denn mitten in der Stadt gibt es einen „Ozean“ und ein „Eismeer“, - große Wasserflächen, auf denen unzählige Schiffe fahren. Den „Hamburger Ozean“ findet man in Barmbek. Er gehört zu der Hamburgischen Schiffbau-Versuchsanstalt (HSVA) und wird dort „großer Schlepptank“ genannt. Der Meeresspiegel liegt im ersten Stock, der Meeresboden im Keller.
Was in der Versuchsanstalt passiert, ist streng geheim. Dennoch haben Besucher im September die Möglichkeit, den „Hamburger Ozean“ zu entdecken, denn die Versuchsanstalt feiert in diesem Jahr ihren hundertjährigen Geburtstag mit einem „Tag der offenen Tür“ am 14. September.
Geheime Forschung
Ein Blick auf die aktuellen Forschungsarbeiten werden die Besucher nicht werfen können. Zu sehen sind am Jubiläumstag Modelle aus abgeschlossenen Forschungsvorhaben, die durch den Schlepp- und Eistank schippern. Die Ergebnisse, die die Ingenieure und Techniker bei ihren Versuchen im Eistank und im großen Schlepptank erzielen, erhalten nur die Auftraggeber. Das sind in der Regel Werften, die die Schiffe bauen, oder Reeder, die den Bau neuer Schiffe in Auftrag geben. Doch noch vor dem Bau der „Meeresriesen“, werden die Schiffe an verkleinerten, maßgerechten Modellen in der Schiffbau-Versuchsanstalt erprobt.
Versuche mit Modellen
„Eine unserer wichtigsten Aufgaben ist es, Möglichkeiten für die Reduzierung des Spritverbrauchs bei den Schiffen zu finden. Das minimiert gleichzeitig den Emissionsausstoß“, erklärt Uwe Hollenbach, HSVA-Direktor für Resistence & Propulsion (Widerstand und Antrieb). Es ist ein Gebiet, das die HSVA seit 100 Jahren beschäftigt.
In der Tischlerei der Versuchsanstalt werden die Schiffsmodelle der späteren „Meeresgiganten“ gebaut. Sie haben eine Länge zwischen sieben und 13 Metern. Die Modelle werden mit Motoren, Propellern und Messinstrumenten aus der mechanischen Werkstatt ausgestattet.
Dann werden die Versuche durchgeführt. Dabei werden die Daten über das Verhalten des Schiffes in den verschiedensten Situationen (mit voller oder geringer Ladung, bei hohem oder weniger hohem Seegang) gesammelt, ausgewertet und an den Kunden weitergeleitet. Der Reeder kann anhand dieser Forschungsergebnisse sein Schiff bauen oder verändern.
Eine einfache Versuchsreihe mit einem Modell kostet rund 40 000 Euro. Je nach Aufwand können die Kosten bis auf 200 000 Euro und mehr steigen. Für die Reeder ist es dennoch eine lohnende Investition, weil durch die Forschungsergebnisse die späteren Betriebskosten der Schiffe enorm gesenkt werden.
„Eismeer“ seit 1984
Die HSVA wurde 1913 als privatwirtschaftliche Gesellschaft gegründet. Betrieben wurde die Forschung für den Schiffsbau zunächst am Schlicksweg. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Anlage zerstört. Im Jahre 1952 zog die Versuchsanstalt auf das Gelände des früheren Neuen Schützenhofes an der Bramfelder Straße 164. Damals standen den Forschern ein Schleppkanal von 80 Meter Länge, ein Manövrierbecken mit 25 Metern Durchmesser sowie ein Flachwasserkanal zur Verfügung. Inzwischen hat der große Schlepptank eine Länge von 300 Metern und eine Breite von 18 Metern. Er ist sechs Meter tief .
Zur Erforschung des Verhaltens der Schiffe bei Eisgang wurde 1984 das „Eismeer“ gebaut; ein Eisbecken mit 78 Metern Länge, zehn Metern Breite und einer Tiefe von fünf Metern.

Tag der offenen Tür.


Außerdem verfügt die HSVA über einen Hydromatik- und Kavitationstunnel. Er gilt als Meilenstein für die Erforschung und Optimierung von Schiffspropellern. Die HSVA gehört neben den Forschungsanstalten in Wageningen (Niederlande) und in Göteborg (Schweden) zu den drei bedeutendsten Schiffbau-Versuchsanstalten der Welt. Zum Jubiläum laden die Mitarbeiter der HSVA Besucher am Sonnabend, 14. September, zwischen 10 und 15 Uhr zum „Tag der offenen Tür“ ein. Anfahrt bitte möglichst mit öffentlichen Verkehrsmitteln (U-Bahnstation Habichtstraße), da keine Parkplätze zur Verfügung stehen. (je)
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