„Das ist wie Klo-Lotto“

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Außer Betrieb: Die WC-Anlage wird laut Deutscher Bahn immer wieder zerstört Foto: Thiele

Bahnhof Ohlsdorf: WC defekt oder geschlossen. Bahn kritisiert Vandalismus

Hamburg. Der U- und S-Bahnhof Ohlsdorf gehört zu Hamburgs größten Bahnhöfen. Rund 20.000 Fahrgäste nutzen ihn täglich. Allerdings wird auf diesem Bahnhof schon seit knapp drei Jahren ein kleines Bedürfnis für viele Passagiere zu einem großen Problem: Die öffentlichen Toiletten sind entweder verschlossen oder die Münzautomaten funktionieren nicht: Geld bleibt drin, Tür bleibt zu.
Das Wochenblatt hat sich vor Ort umgehört, um zu erfahren, wie die Passanten am Bahnhof Ohlsdorf dazu stehen und welche Erfahrungen sie mit den gemacht haben. Die Reaktionen zeugen von Unmut: S. Holst beispielsweise, 50 Jahre, von Beruf Baggerfahrer, will gerade eines der beiden WC‘s, die für 50 Cent zur Verfügung stehen, nutzen. Die Tür bleibt verschlossen, aber der Automat behält sein Geld. „An jedem Bahnhof gibt es zwei Toiletten, nur hier nicht. Es gibt drumherum Getränke zu kaufen, aber man kann seine Notdurft nicht verrichten. Da ist es kein Wunder, dass alle in die Büsche gehen“, räsoniert Holst. Bert Koch ist Rentner und wohnt seit 27 Jahren in der direkten Nähe des Bahnhofs. Er hat die Errichtung der sanitären Anlagen im Jahr 2012 miterlebt: „Ein paar Wochen nach der Eröffnung lief alles gut, aber da sind ja ein paar Leute, die müssen alles kaputt machen“, sagt er und fährt fort: „Alle pinkeln draußen.“ Ahmet Bastug, Besitzer eines Kiosks vor dem Bahnhof, sagt: „Die Toilette ist nicht wirklich kaputt. Der Kiosk daneben hat einen Schlüssel, gibt den aber oft nicht raus. Und ich bekomme ständig Beschwerden zu hören.“ Jan-Peter Meyer, der häufig am Bahnhof Ohlsdorf umsteigt, weiß: „Das ist wie Lotto. Manchmal funktioniert das Klo, manchmal nicht. Es ist auch nicht wirklich defekt, die haben bloß keine Lust sauber zu machen.“ Zwei Rentnerinnen aus Glücksstadt, die einmal im Monat in Ohlsdorf zu Besuch sind, beschweren sich: „Wir haben auch sehr schlechte Erfahrungen gemacht. Wir haben 50 Cent reingeworfen, sind aber nicht reingekommen.“
Bei der Deutschen Bahn, die
die Toilettenanlage betreibt, kennt man die Problematik.
„Die öffentliche WC-Anlage wurde in den vergangenen Jahren oft durch Vandalismus zerstört“, heißt es auf Wochenblatt-Anfrage. Die Kosten für die Instandsetzung beliefen sich mittlerweile auf 50.000 Euro. „Wir haben deshalb
entscheiden müssen, die Anlage zu schließen“, erklärt Sprecherin Sabine Brunkhorst, „Die WC-Anlage für die Behinderten wird weiterhin betrieben. Auch hier gab es in der Vergangenheit Vandalismusschäden. Die Anlage kann gegen ein Entgeld von 50 Cent genutzt werden. Bei Störungen gibt es einen Schlüssel beim Kioskbetreiber.“ (ut)
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