„Die älteren Leute werden schnell vergessen“

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Gemeinsam mit ihrem Hund Elli engagiert sich Christine S. im AWO-Projekt „Augen auf!“ Foto: Ehrhorn

Barmbekerin kümmert sich bei AWO-Projekt um einsame Senioren

Von Christian Ehrhorn
Barmbek
Einsamkeit im Alter. Ein Problem, mit dem auch viele Menschen in Hamburg zu kämpfen haben. Sei es, weil der Partner oder die Freunde bereits verstorben sind oder die Familie in eine andere Stadt gezogen ist.
Da in der heutigen Zeit immer weniger Kinder ihre älteren Eltern in einem gemeinsamen Wohnumfeld versorgen, ist die Zahl der einsamen Senioren in den vergangenen Jahrzehnten drastisch gestiegen. Neben der Einsamkeit sind Armut und medizinische Unterversorgung in bestimmten Bereichen zwei weitere Problemfelder, die hierzulande im Alter auftreten. Dies belegte eine Studie des UKE aus dem Jahr 2009. Dort wurde auch auf eine erheblich gestiegenen Selbstmordrate unter Senioren hingewiesen.

Projekt: „Augen auf!“


Diese Studie regte die Arbeiterwohlfahrt (AWO) dazu an, ein neues Projekt ins Leben zu rufen. „Augen auf! – Mehr Aufmerksamkeit für ein Altern in Würde“ heißt es. Es soll besonders einsamen Menschen helfen. Dies geschieht, indem ehrenamtliche Helfer sich mit den Senioren treffen, sich mit ihnen unterhalten, ihnen vorlesen oder mit ihnen in Erinnerungen schwelgen. Eine dieser ehrenamtlichen Helferinnen ist Christine S. aus Barmbek (32). Seit Oktober besucht sie regelmäßig eine 93-jährige Dame. Immer mit dabei: ihre Mopshündin Elli (5). „Der Wunsch sich sozial zu engagieren war schon lange da“, erklärt sie. „Ich habe mich dazu entschieden etwas mit älteren Menschen zu machen, da diese immer weniger beachtet und schnell vergessen werden.“

Keine Einbahnstraße


Auch Hündin Elli wird bei den Besuchen immer gerne gesehen. „Ich bin froh, dass ich meinen Hund mitnehmen kann. Das ist in vielen sozialen Projekten gar nicht so einfach, weil sie kein ausgebildeter Therapiehund ist. Aber die Dame, die ich betreue, freut sich immer, wenn Elli zu ihr kommt.“ Die verspielte Hündin hat nochmal einen ganz anderen Einfluss auf die ältere Dame, wie Christine S. sagt. „Tiere berühren einen auf eine Art, wie es kein Mensch könnte.“
Christine S. freut sich, der Seniorin etwas Freude in ihr Leben zu bringen. Doch für sie ist das Engagement keine Einbahnstraße. Auch ihr tun die Treffen gut. „Neben Beruf und Studium ist das die Zeit, in der ich zur Ruhe kommen und mich auf das Wichtige im Leben besinnen kann. Die Gespräche mit der Dame geben mir so viel wieder. Sie interessiert sich auch für mein Leben.“ Die 32-Jährige wünscht sich, dass sich mehr Leute für ältere Menschen engagieren. „Wir vergessen oft, was diese Leute alles gemacht haben, auch für uns. Deswegen sollten wir ihnen etwas zurückgeben. Niemand ist freiwillig alleine.“
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1 Kommentar
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Elke Noack aus Rahlstedt | 26.02.2015 | 16:27  
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