Die „geerdete“ Frau hinter dem Klabauter-Theater

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Dorothee de Place ist Leiterin des Theaters Klabauter Foto: wb
Barmbek Seit Anfang August 2015 leitet Dorothee de Place eines der ältesten deutschen Theater, in dem Menschen mit Behinderung als professionelle Schauspieler arbeiten: das Klabauter Theater in Hamburg-Borgfelde. Zwölf Schauspieler mit unterschiedlichen Behinderungen arbeiten hier. Zuhause ist Dorothee de Place in Barmbek-Nord: Seit mehreren Jahren lebt die Regisseurin und Schauspielerin mit ihrem Mann und zwei Kindern in einem kleinen Haus mit Garten – und trotzdem mittendrin in „ihrem Barmbek“, das sie vor allem für eins schätzt: „Es ist so normal und erdet mich.“ Mit U- oder S-Bahn fährt die 38-Jährige morgens zur Arbeit. Wenn sie dann die Tür vom Theater Klaubauter aufschließt, freut sie sich über diese einfache Handlung wie ein Kind. „Ich leite keine Theatergruppe, ich leite ein Theater“, spürt sie dann und ist ganz stolz. Eine Arbeit mit festen Zeiten zu haben, ist eine neue Erfahrung für die Künstlerin. Seit zwölf Jahren ist Dorothee de Place als freie Regisseurin, Theaterpädagogin, Märchenerzählerin und Schauspielerin in Hamburg tätig. In Tschechien, Bulgarien, Kenia und den Niederlanden hat sie Theaterstudenten unterrichtet und ein Kindertheaterstück in Shanghai auf Chinesisch auf die Bühne gebracht. „Theater jenseits von Sprache zu machen, ist ein Schwerpunkt meiner Arbeit“, sagt sie. Dass Körperarbeit bis heute ihr Thema ist, kommt ihr bei Klabauter zugute.
Stücke über Menschlichkeit, nicht über Behinderungen will sie mit ihrer Truppe auf die Bühne bringen. „Dazu gehört auch Unvollkommenheit, und dass wir einander bedürfen. Menschen mit Behinderung wissen das, sie sind entspannt damit – und sie können um Hilfe bitten. Das ist eine große Kraft“, findet sie. „Wir alle haben Grenzen. Vielen fällt es heute schwer, diese Tatsache zu akzeptieren. Bei meinen Schauspielern liegt sie offen auf dem Tisch. „Scheitern – na und? Machen wir ständig,'“ erklärt Dorothee de Place. Fernziel ihrer Arbeit sei „eine Normalität, in der Schauspieler mit Behinderung mit Nicht-Behinderten gleichberechtigt auf der Bühne stehen,“ erklärt de Place. Der erste Schritt dorthin ist für sie, das eigene Haus als ganz normales Theater zu sehen. „Wir sind eine soziale Einrichtung, aber wir sind auch ein Theater und möchten so wahrgenommen werden.“ (leu)
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