Die Pfannkuchen-Bäckerin vom „Baui“

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„Koch-Mutter“ Karola Cakir, Azubi Kolja Schmitz, Praktikantin Patricia Wittrock und Erzieherin Nicole Kindel (v.l.) Foto: cb
 
Karola Cakir kocht für Baui-Kids Foto: cb

„Rübezahl“: Karola Cakir kam als Mutter – und blieb als Köchin

Barmbek Es ist Freitagnachmittag und ein verführerischer Duft zieht durch das Gebäude auf dem Bauspielplatz Rübezahl: Frisch gebackene, goldgelbe Pfannkuchen stapeln sich auf einer Porzellanplatte. Ein letzter Schwung flüssiger Teig zischt auf dem Herd im heißen Fett auf – dann ist Schluss für heute. Rund 60 Pfannkuchen hat Karola Cakir gebacken und damit eine große Schar Kinder satt bekommen. An zwei bis drei Tagen in der Woche kocht die 62-Jährige auf dem Bauspielplatz Rübezahl für 20 bis 35 Jungen und Mädchen im Alter von sechs bis 14 Jahren, die nach der Schule oder in den Ferien ihre Freizeit hier verbringen. Viele kommen mit großem Appetit und erhalten eine kostenlose Mahlzeit. „Nicht alle essen in der Schule zu Mittag, auch nicht, wenn es dort angeboten wird – 3,50 Euro ist für manche Familien schon zu teuer“, sagt Cakir. Aber es liegt nicht immer am Geld, manchmal sind die Eltern auch überfordert. „Es gibt Kinder, die gehen morgens ohne Frühstück aus dem Haus. Die kommen hier um 14 Uhr mit leerem Magen an und bekommen ihre erste Mahlzeit“, weiß Cakir, die schon seit über zehn Jahren auf dem Bauspielplatz am Rübenkamp den Kochlöffel schwingt. Sie selbst sei in die Aufgabe hineingewachsen, erzählt die resolute Barmbekerin mit dem großen Herzen. Ihre eigenen beiden Söhne waren „richtige Baui-Kinder“. „Hier konnten sie rumlaufen und sich austoben und man brauchte keine Angst zu haben.“
Ihre eigenen Kinder sind mit heute 30 und 35 Jahren natürlich längst dem Bauspielplatz entwachsen, aber Karola Cakir steht hier weiterhin regelmäßig am Herd. „Ich mache es, weil ich gerne hier bin. Man lernt die Kinder kennen, weiß, warum sie so sind, wie sie sind. Und vor allem sind sie gut drauf.“ Als eine von zwei auf Honorarbasis beschäftigten „Koch-Müttern“ zaubert sie von dienstags bis sonnabends aus dem, was die Hamburger Tafel an Lebensmittelspenden liefert, leckere Mittagessen.

„Ich mache es, weil ich gerne hier bin. Man lernt die Kinder kennen, weiß, warum sie so sind, wie sie sind. Und vor allem sind sie gut drauf.“ Carola Cakir

Da sind Kreativität, Improvisationstalent und ein paar wenige Zukäufe gefragt. Wünsche nach den Lieblingsessen werden dabei auch berücksichtigt: Ofenkartoffeln, Senfeier, Suppen, Arme Ritter und Pfannkuchen liegen bei den Kindern ganz weit vorn, alles Dinge, die sie oft erst bei den „Koch-Müttern“ kennengelernt haben. „Ich will ihnen auch etwas mitgeben“, sagt Cakir, und meint damit nicht nur die Rezepte, die manche Kinder mit nach Hause nehmen. Wert legt die Barmbekerin auch auf gutes Benehmen: „Guten Tag-Sagen, Jacke ausziehen, Käppi ablegen, und Hände waschen vor dem Essen, das kriegen die Kinder von mir auch mit“, schmunzelt Karola Cakir. Für die Zukunft wünscht sie sich vor allem eine sichere Finanzierung des Projekts. Denn seit diesem Jahr ist die Förderung des Mittagsessens komplett eingestellt worden. Seither hängt das Angebot von Spenden ab. „Es ist ein großer Kraftakt, immer wieder erneut Gelder einzuwerben“, weiß Erzieherin Nicole Kindel, eine von zwei Vollzeitbeschäftigten auf dem Baui. Sie hofft, dass die 6.300 Euro, die jährlich nötig sind, um das Angebot am Laufen zu halten, zukünftig wieder langfristigerer gesichert sind – wie das aussehen könnte, daran arbeitet das Baui-Team zurzeit. Karola Cakir holt derweil erst einmal den riesigen Käsekuchen aus dem Ofen, den sie heute noch „so ganz nebenbei“ zu einem Geburtstag zubereitet hat. So wie kürzlich das Schmalzgebäck und den Osterkranz gemeinsam mit den Kindern. Manche haben darüber wieder Appetit bekommen. Kelvin und Azubi Kolja machen sich genüsslich über die restlichen Pfannkuchen mit Pflaumenmus her – dabei legt auch Kolja, so wie es sich gehört, die Mütze neben sich auf den Sitz, bevor er zu Messer und Gabel greift. „Hat gut geschmeckt“, loben die beiden. Karola Cakir strahlt: „Das geht doch runter wie Butter!“ (cb)
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