Ein Hauptbahnhof für alle

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Der Einwohnerverein organisierte die Kundgebung am Hachmannplatz Foto: Grell

Menschen stellen sich gegen Verdrängung von Randgruppen

City. Der Hamburger Hauptbahnhof ist einer der exponiertesten öffentlichen Orte in Hamburg. Bis zu 450.000 Menschen durchqueren ihn täglich, fahren von dort mit Zügen quer durch Europa, kaufen in den Ladenzeilen ihre Zeitschriften oder halten sich einfach dort auf. Diesen Ort will die Stadt zu ihrer Visitenkarte machen und deshalb den Teil der Bevölkerung, der angeblich diesem Plan hinderlich ist, von der Nutzung auszuschließen. „Obdachlose, Alkoholisierte, Stricher, Jugendliche mit schrillem Outfit und Menschen, die nicht zum Schönheitsideal der Stadt passen sind dann dort nicht mehr gern gesehen“, erklären die Aktivisten, die am Sonnabend zum Protest auf den Hachmannplatz gerufen hatten. Bei freier Suppe, von Tim Mälzer gesponsert, und einem Stück Brot für jeden Bedürftigen, gab es viele Reden gegen die Verdrängung am Bahnhof, der nach Auffassung der Protestierenden „für alle da ist“. Im Oktober 2011 scheiterte der Versuch, die Zuständigkeit für die überdachten Flächen im Vorfeld des Bahnhofs und einige Tunnel der Deutschen Bahn AG zu übertragen, um ihr per Hausrecht die Verdrängung dieser „unliebsamen“ Personengruppen zu ermöglichen.
Damals auch deswegen, weil kurz vorher die Vertreibung der Obdachlosen unter der Kersten-Miles-Brücke auf St. Pauli zu einem öffentlichen Skandal geworden war. Doch fast genau ein Jahr später verkündete zu aller Überraschung die Wirtschaftsbehörde, dass die Quasi-Privatisierung der überdachten Flächen auf dem Hachmannplatz und des Tunnels Richtung Innenstadt vollzogen sei. Vereine und Verbände beklagen nun, dass sie an diesem Prozess nicht beteiligt wurden. Besonders kritisch sehen die Protestler die fehlenden Alternativen für die Betroffenen, die jetzt aus dem Bahnhofsbereich verwiesen werden. Bestehende Anlaufstellen für Obdachlose und Hilfesuchende seien völlig überlastet. Was bleibt, sei nun die reine Verdrängung. „Am Ende reicht ein abgefallener Knopf am Mantel“, so Michael Joho sarkastisch, der als Vorsitzender des Einwohnervereins die Kundgebung mit organisiert hatte. (kg)
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