Einmalige Öko-Siedlung

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Mitten im Grünen: Silvia Schubert (Mitte) mit den Nachbarn Gudrun Stefaniak und Torsten Höhnke im Innenhof der Öko-Siedlung Braamwisch

Schilfbeete und Kompost-Toilette in Braamwisch

Von Vincent Kranz

Bramfeld. „In den ersten Jahren kamen Busladungen mit Besuchern“, erinnert sich Bewohnerin Silvia Schubert 16 Jahre nach Baubeginn. Heute ist der Wirbel abgeklungen, doch sie ist noch immer einmalig: Die Ökosiedlung Braamwisch. Die Besucher kamen, weil hier 40 Einfamilien-Reihenhäuser so außergewöhnlich umweltfreundlich gebaut sind. Weil sie 70 Prozent weniger Wärme verlieren als andere Häuser, weil die Dächer mit 3000 Quadratmetern Sonnenkollektoren bedeckt sind und der eigene Warmwassertank den Inhalt von 18 000 Badewannen fasst.
Eine Siedlung, die noch dazu Teil eines anderen Projektes ist, der Solarsiedlung Karlshöhe: Diese Siedlung von der Größe eines kleinen Dorfes wurde vor 20 Jahren von der Stadt Hamburg geplant.
Doch nur Sonnenkollektoren auf dem Dach, das genügte einigen der künftigen Bewohner nicht: So kam ein knappes Dutzend Leute zusammen, die im eigens gegründeten Verein für den Bau wirklich umweltschonender Häuser arbeiteten. „Sie haben viel Grips reingesteckt“, sagt Silvia Schubert. Das Ergebnis sind zwei Siedlungsprojekte, die in ihrer Kombination deutschlandweit wohl einzigartig sind. Die Häuser sind ruhig, aber nicht abseits gelegen, sie sind familienfreundlich und ihr Bau wurde insgesamt mit über zweieinhalb Millionen Euro gefördert. Doch Probleme machen den Anwohnern der Ökosiedlung einen Strich durch die Jahresbilanz: Da das Nahwärmesystem sanierungsbedürftig ist, sind die Sonnenkollektoren abgeschaltet. Schon im normalen Betrieb brachten sie nur halb so viel Energie wie geplant. Nun liefert ein Hamburger Versorger die Wärme, und es heißt abwarten. Silvia Schubert bleibt gelassen.

Maßstäbe gesetzt

Die Häuser der Ökosiedlung setzen Maßstäbe in Sachen Umweltschutz. Doch sind sie zukunftsweisend? Ist es richtig, in einer Zeit der Technisierung auf Komposttoiletten zu setzen? Dazu gibt es zwei mögliche Antworten: Nein, denn dieses Konzept ist nicht massentauglich. Es ist teuer und musste staatlich gefördert werden. Es ist platzaufwändig und musste weit außerhalb der City verwirklicht werden. Es verlangt die Bereitschaft zum Verzicht. Andererseits: Die Siedlung zeigt, was geht. Umweltbewusstsein lässt sich im Alltag unterbringen. Ständig entstehen weitere Projekte ähnlicher Art, wie in Allermöhe – sie sind der Trend von heute. Natürlich lebt es sich hier anders: Das fängt an mit dem Innenhof voll wuchernden Grüns und geht bis zur Pflege des Schilfbeetes, in dem Abwässer gereinigt werden. Aber genau darum geht es. „Die Energiewende ist in aller Munde“, sagt Schubert. Man habe die richtigen Entscheidungen getroffen. Und wer will, müsse auf sein WC nicht verzichten – die Sammelanlage für Regenwasser mache es möglich. (vk)
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