Ermordet in der Klinik

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Der 91-jährige Helmut Heinze mit einem Foto seiner ermordeten Mutter. Foto: hfr

Stolperstein für Minna Heinze an der Dennerstraße eingeweiht

Barmbek. Für das Andenken an seine Mutter ist ihm kein Weg zu weit. Jetzt kam der 91-jährige Helmut Heinze dafür extra aus dem westfälischen Lemgo nach Barmbek. Der Senior nahm in der Dennerstraße 9 an einer kleinen Zeremonie teil, mit der der Stolperstein für Minna Heinze eingeweiht wurde.
Vor diesem letzten von ihr frei gewählten Wohnsitz hatte der Kölner Künstler Gunter Demnig den Stein kürzlich verlegt. Wer die in die Messingplatte gravierte Inschrift betrachtet, wird das Wort „Hadamar“ lesen – der Name der hessischen Stadt ist heute Synonym für eines der vielen widerwärtigen Verbrechen der Nazis: die gezielte Tötung Behinderter und psychisch Kranker.
Minna Heinze wurde 1894 im Landkreis Stade geboren. Die Facharbeiterin heiratete nach Hamburg und zog 1927 mit ihrem Mann Otto, einem Reichsbahner, in die Dennerstraße. Laut den Aufzeichnungen der heutigen Gedenkstätte Hadamar litt Minna Heinze erstmals 1938 unter Depressionen, sodass sie zunächst ins UKE eingewiesen wurde. Später wurde sie von dort ins AK Ochsenzoll verlegt, wo sie mit Zwangsarbeit und harten Strafen malträtiert wurde. In jenem Jahr kam sie noch einmal davon. Dasselbe wiederholte sich 1943, nur dass sie diesmal nicht wieder nach Hause kam. Denn es hatte bereits das sogenannte „Euthanasie“-Programm der Nazis eingesetzt, die gezielte Ermordung kranker Menschen. Minna Heinze wurde im Juni 1943 von Ochsenzoll nach Hadamar verschleppt. Weder ihr Mann noch ihre Kinder erfuhren zunächst davon. Erst nach mehrfacher Nachfrage wurde ihnen der Verbleib Minnas genannt. Auch aus Hadamar gab es lange keine Antwort über Minnas Befinden. Erst als Sohn Helmut als Soldat anfragte, wurde ihm Ende Mai 1944 mitgeteilt, dass seine Mutter am 6. März 1944 „an Grippe“ verstorben sei.
Nach jahrelanger Recherche hat Helmut Heinze das Schicksal seiner Mutter weitgehend aufgeklärt. Noch heute hält er als Zeitzeuge darüber Vorträge. Dann erwähnt er allerdings auch ein unangenehmes Kapitel der Nachkriegszeit. Seit Jahrzehnten kämpfen nämlich überlebende „Euthanasie“-Opfer und ihre Angehörigen um Anerkennung als NS-Verfolgte. Alle Bundestage sträubten sich. Erst 2011 wurde Heinze und anderen eine kleine Entschädigung zuerkannt. Im Krieg verwundete SS-Verbrecher hatten es da besser. Für sie gab es schon nach 1949 eine Opferrente. (bcb)
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