Gegen das Vergessen

Anzeige
Bezirksamtsleiter in Nord, Harald Rösler, und die 2. Bürgermeisterin Dorothee Stapelfeldt (v. li.) weihen mit Angehörigen des Opfers den neu benamten Platz ein. Foto: Röhe

Bahnhofplatz nach Opfer benannt

Hohenfelde/Hamm. Am 21. Dezember 1985 wurde der damals 25jährige Ramazan Avci von mehreren Skinheads direkt am S-Bahnhof Landwehr zu Tode geprügelt. Die Tat gilt als eines der ersten von Angehörigen der rechtsextremen Szene in Deutschland aus Ausländerfeindlichkeit verübten Verbrechen. Der Fall sorgte bundesweit für Schlagzeilen.
Nun wurde der Vorplatz des S-Bahnhofs in „Ramazan-Avci-Platz“ umbenannt – damit die Tat nicht in Vergessenheit gerät. Zusätzlich erinnert eine Gedenktafel an den 26-jährigen Türken. Dieser war an seinem Geburtstag mit Baseball-Schlägern verprügelt und von einem Auto verfolgt worden. „Der neue Name des Bahnhofsvorplatzes soll eine Mahnung sein, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit nicht zu dulden“, sagte Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Dorothee Stapelfeldt.
Auch Witwe Gülistan Ayaz kam zu der Feierlichkeit und brachte in ihrer emotionalen Rede zu Wort: „Ich werde nie vergessen, wie er zum letzten Mal das Haus verlassen hat. Zusammen mit seinem Bruder und einem Freund war er losgefahren, um sein Auto zu verkaufen. Wir brauchten dringend ein Kinderbett.“ An der S-Bahn-Station traf das Trio auf eine Gruppe von etwa 30 Neonazis.
Diese fingen an zu pöbeln und wurden handgreiflich. Schließlich begannen sie eine regelrechte Hetzjagd auf die drei Türken. Auf der Flucht vor seinen Verfolgern rannte Ramazan Avci in ein Auto und wurde schwer verletzt.
Mit Baseballschlägern und Fußtritten fügte die Gruppe den am Boden liegenden Verletzungen zu, die er nicht überleben sollte. Am Heiligabend 1985 starb Ramazan Avci. Er hinterließ seine schwangere Frau. (mr)

Tausende von Menschen demonstrierten am 11. Januar 1986 in Hamburg im Gedenken an Ramazan Avci. Der Tote wurde in die Türkei überführt, der Leichenwagen wurde auf dem Weg zum Flughafen Fuhlsbüttel mit einem Korso von über 250 Fahrzeugen begleitet. (mr)
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige