Große Welle für Ohlsdorfer Bad-Pläne in Hamburg

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So stellt sich Bäderland das neue ‚Bad Ohlsdorf‘ vorPlanskizze: Bäderland Hamburg GmbH

Bäderland wirbt offensiv für Bau eines Ganzjahres-Projektes. Gegner kündigen Protest an und fordern Erhalt des Freibads

Von Daniela Barth
Hamburg. Die Bäderland Hamburg GmbH geht schon jetzt in die Offensive für ihr neues „Bad Ohlsdorf“. Darüber ärgert sich die Bürgerinitiative „Rettet das Freibad Ohlsdorf“ gehörig und will nun ihrerseits dagegen protestieren, dass Bäderland offenbar versucht „Fakten zu schaffen“, obwohl der Projektentwurf noch nicht einmal der Senatskommission vorliegt.
Mit Flyern, Postkarten, auf denen Bürger aufgefordert werden, ihre Meinung zum Bäderlad-Entwurf zu schreiben, großen bunten Plakaten und einem Extra-Internetauftritt wirbt der Badbetreiber für seine Vision: Geplant ist der Verkauf von 8.800 der 25.000 Quadratmeter, also über 35 Prozent der Gesamtfläche des sanierungsbedürftigen Frei- und Hallenbades Ohlsdorf. Dort sollen dann ca. 140 Wohnungen, zu 70 Prozent Eigentumswohnungen (der Rest soll geförderter sozialer Wohnungsbau sein), entstehen. Allerdings müssten dafür die Außenbecken weichen. „Bäderland will diese aus ihrer Sicht unrentablen Außenbecken nicht mehr weiter betreiben, sondern lediglich eine Halle bauen, bei der das Dach wie auch ein Teil der Seitenwände eingefahren werden können“, erklärt Rachid Messaoudi, Sprecher der Bürgerinitiative, und bezweifelt im selben Atemzug, dass „so dann angeblich ein Freibad-Feeling entsteht“. Die Wasserfläche soll von über 2.500 auf 1.286 Quadratmeter nahezu halbiert werden, kritisiert Messaoudi, der das Familienbad Ohlsdorf schon als Jugendlicher regelmäßig nutzte. „Im Sommer sind wir regelmäßig mit Freunden und Familie von Steilshoop ins Freibad Ohlsdorf geradelt.“ Besonders schätzte der heute 39-Jährige die großen Liege- und Spielwiesen. „Die jetzigen Planungen von Bäderland verstoßen eindeutig gegen den Willen der Bürger, die beim Bürgerentscheid 2009 zu 84,5 Prozent für den Erhalt des Freibades gestimmt haben“, sagt Messaoudi.

Bäderland plant größeres Hallenbad

Das bestreitet Bäderland-Sprecherin Kirsten Rüde gegenüber dem Wochenblatt nicht und begründet: „Unser vorrangiges Ziel am Standort Ohlsdorf ist es, mehr ganzjährig nutzbare Wasserfläche zu schaffen. Mit dem Entwurf, den wir zuletzt vorgelegt haben, könnten wir unseren Besuchern 365 Tage im Jahr 1.286 Quadratmeter Wasserfläche anbieten, mehr als doppelt so viel wie derzeit im Hallenbad zur Verfügung steht. Das würde die Nutzungskonflikte zwischen Schulschwimmen, Vereinen, Schwimmkursen und privaten Badegästen erheblich entzerren. Gleichzeitig haben wir in diesem Entwurf aber auch den Wunsch nach Freibad-Feeling  ernstgenommen: Der Vorschlag sieht vor, die Grünflächen im Außenbereich vollständig zu erhalten und durch die Öffnung des Schwimmbaddaches und großer Teile der Seitenwände ein Freiluft-Erlebnis zu ermöglichen, wenn das Wetter entsprechend ist.“ 

Initiative sieht Probleme bei Wohnungsbau

Die Kosten für ein Allwetterbad würden sich auf etwa 19,5 Millionen Euro belaufen. Finanziert werden soll das zur Hälfte aus dem Grundstücksverkauf. Auch damit hadert die Bürgerinitiative: „Wir wollen hier keine Wohnbebauung“, so Rachid Messaoudi nachdrücklich, „und schon gar nicht in solcher Nähe wie derzeit geplant.“ Aus seiner Sicht sprechen dagegen mehrere Fakten: Zum einen würden die in den 1990er Jahren vom Verein Mook wat restaurierten ehemaligen Umkleidekabinen in Schumacher-Architektur abgerissen. Zum anderen müsste das gesamte Gelände mit Erdreich aufgeschüttet werden, der alte Baumbestand würde gefällt. Zudem fürchtet Messaoudi, dass es früher oder später mit den Wohnungseigentümer Ärger wegen des Lärms geben wird, wenn das Cabrio-Dach des Bades geöffnet ist und die Freiflächen genutzt werden. Er wisse, wovon er spreche, denn er wohne im Luftlinie 200 Meter entfernten Maienweg und kann einschätzen, welche Geräusche die Badnutzung natürlicher Weise verursache. In der Endkonsequenz hieße das womöglich: „Das Dach bleibt ganzjährig zu.“ Dies sei nun gar nicht im Sinne der Initiative, die zumindest den Bau eines Außenbeckens statt Wohnungen fordert.
Die Bürgerinitiative „Rettet das Freibad Ohlsdorf“ besinnt sich jetzt auf alte Zeiten und geht wieder auf die Straße. Ab Anfang April sollen 10.000 frisch gedruckte Flyer unters Volk gebracht werden. Auch größere Aktionen seien geplant, sagt Rachid Messaoudi.
Noch ist Zeit dafür, denn wann Bäderland seine Neubau- und Verkaufspläne umsetzt, ist noch längst nicht klar: „Über diese Planung haben wir in den letzten Wochen mit dem Bezirksamt und der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt gesprochen. Die Ergebnisse dieser Gespräche werden der Senatkommission im April präsentiert“, bestätigt Kirsten Rüde von der Bäderland GmbH. Der Senat muss dann über das Projekt entscheiden.
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