Halbe Straße für Otto Wels (SPD)

Anzeige
Nach Otto Wels wurde ein Teil der Hindenburgstraße benannt. Harald Rösler und Senatorin Kisseler enthüllten das Schild Foto: Hanke / wiki

Umstrittene Hindenburgstraße teilweise umbenannt. Kritik von den Grünen

Hamburg-Nord. Brisante Straßenumbenennung in Winterhude/Barmbek: Der durch den Stadtpark führende Teil der Hindenburgstraße, vom Südring bis zum Jahnring, wurde am Montag in Otto-Wels-Straße umbenannt. Kultursenatorin Barbara Kisseler (parteilos)und der Leiter des Bezirksamtes Hamburg-Nord, Harald Rösler (SPD), enthüllten das erste neue Straßenschild an der Ecke Südring. Die Umbenennung erfolgte nach einer teilweise sehr emotional geführten Auseinandersetzung um die Hindenburgstraße, die die Grünen in Hamburg-Nord mit dem Ziel angeregt hatten, die ganze Hindenburgstraße umzubenennen. Die SPD konnte sich nur zu der jetzt realisierten Teilumbenennung durchringen.

Halbwertzeit für Namen?

Hindenburg sei zu „ambivalent“ und nicht nur als Steigbügelhalter Hitlers zu sehen, begründete Barbara Kisseler den Verbleib seines Namens im nördlichen Teil der langen Straße. Auch andere Personen mit undemokratischer Haltung würden sich auf Hamburgs Straßenschildern finden, sagte Bezirksamtsleiter Harald Rösler und fragte: „Welche Halbwertzeiten sollen Straßennamen haben?“ Otto Wels, da waren sich Rösler und Kisseler einig, ist ein würdiger Vertreter für den Namen einer Straße. Der 1873 geborene Sozialdemokrat, seit 1919 Vorsitzender der SPD, sprach sich am 23. März 1933 in einer denkwürdigen Rede im Deutschen Reichstag gegen das Ermächtigungsgesetz der Nationalsozialisten aus. „Freiheit und Leben kann man uns nehmen, aber die Ehre nicht“, sagte er unter anderem. Otto Wels starb 1939 im Pariser Exil.

Grüne sprechen von „Politik ohne Haltung“

Die Grünen kritisierten die von der SPD durchgesetzten Teilumbenennung als „Politik ohne Haltung“. Entweder tauge Hindenburg heute nicht mehr als Vorbild, dann müsse die ganze Hindenburgstraße umbenannt werden oder man hält ihn noch für ehrwürdig, dann müsse sie bleiben, argumentierte der Fraktionsvorsitzende der Grünen in Hamburg-Nord, Michael Werner-Boelz. Otto Wels, der sein Leben riskierte, werde „mit einem Straßenstück, praktisch ohne Anlieger“ abgespeist. (ch)
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige