Hamburg: Enkel überfällt seine Oma

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Symbolfoto: thinkstock

26-Jähriger erhält vor Gericht eine Bewährungsstrafe

Hamburg. Wegen einer versuchten räuberischen Erpressung musste sich Jonny Jack L. (26) vor dem Amtsgericht Barmbek verantworten. Besonders schrecklich an diesem Fall, der sich am 10. Juni vergangenen Jahres im Borchertring in Steilshoop ereignete: Das Opfer des jungen Angeklagten war seine eigene Großmutter.
Weil er während der Verhandlung vor dem Schöffengericht ein Geständnis ablegte, sich für die Tat entschuldigte, und weil er versuchen will, sein Leben jetzt in den Griff zu bekommen, kam der junge Mann am Ende mit einem „blauen Auge“ davon. Das Gericht verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von 14 Monaten auf Bewährung.
Großmutter Karen R. (76) hatte schon kein gutes Gefühl, als ihr Enkel an diesem Junitag gegen 14 Uhr bei ihr klingelte. „Er hatte gerötete Augen, ein Zeichen dafür, dass er Drogen genommen hatte“, erklärte sie als Zeugin vor Gericht.
„Oma, ich muss mit dir reden“, sagte der junge Mann. Sie setzen sich in die Küche. Er zog eine Flasche Whisky aus seiner mitgebrachten Tasche, ließ sich von seiner Oma eine Tasse geben. Während sie sich über seine Sorgen (er war obdachlos und hatte hohe Schulden) unterhielten, trank er eine Tasse Whisky nach der anderen. „Innerhalb von 30 Minuten habe ich die halbe Flasche geleert“, erklärte er vor Gericht. Danach war er stark betrunken und rastete aus.
„Wo ist dein Geld?“, fuhr er seine Großmutter an. „Ich habe nichts im Haus“, versicherte sie ihm. Doch er wollte ihr nicht glauben.Er bedrängte sie weiter. Sie fiel zu Boden. Daraufhin zog er ein Klappmesser aus seiner Tasche und hielt ihr die Klinge an den Hals. Während er nun selbst in der ganzen Wohnung nach Geld suchte, gelang es der Großmutter, die Verlobte ihres Enkels anzurufen. Der jungen Frau gelang es schließlich, den aufgebrachten Verlobten zu beruhigen und aus der Wohnung seiner Großmutter zu holen. „Ich will die Sache nicht abstreiten, aber ich kann mich an wenig erinnern“, bekannte der Angeklagte dem Gericht. Bei der Großmutter flossen am Ende der Verhandlung die Tränen. Sie will ihrem Enkel verzeihen, wenn er sich grundlegend ändert. „Es ist schließlich mein Lieblingsenkel“, erklärte sie. Er gelobte Besserung und wird sich einer Therapie unterziehen. (je)
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