Hamburg: Geldgeberin verloren

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Dorothea Kraft (li.) schaut Muna Darwich bei der Arbeit zu und gibt TippsFotos: Bobrich

Muss die Frauenhand-Werkstatt 2015 schließen?

Von Melanie Bobrich
Hamburg. Auf den Regalen stehen selbstgetöpferte Teller und Krüge, an der Wand warten Bretter auf ihre Verarbeitung. In der Luft liegt ein intensiver Holzgeruch. Dass in der Frauenhand-Werkstatt Dulsberg kreativ gearbeitet wird, spürt man in jeder Ecke. Doch damit könnte es in absehbarer Zeit vorbei sein: Die Werkstatt steht vor großen finanziellen Problemen. Der eingetragene Verein Frauenhand-Werkstatt, der die Werkstatt in der Elsässer Straße 4 betreibt, wurde zehn Jahre lang von einer großzügigen Mäzenin, die ungenannt bleiben möchte, gefördert. Die Gönnerin sprang ein, als der Bezirk Nord nach zehn Jahren 2003 die öffentliche Förderung einstellte. Sie übernahm die Miete der Räumlichkeiten. Insgesamt 25.000 Euro jährlich. Nun aber kündigte die spendable Dame schon vor einiger Zeit an, dass damit Ende 2014 Schluss sein wird.
Wie es weitergeht, ist unklar. Der Bezirk hat schon signalisiert, dass von ihm wohl keine neuerliche Unterstützung zu erwarten sei. „Wir sind halt wie ein Sportverein, nur eben mit handwerklicher Tätigkeit“, sagt Dorothea Kraft, langjähriges Vereinsmitglied und als Mentorin in der Töpferei tätig. „Dadurch, dass die Frauen aus dem ganzen Stadtgebiet und sogar von außerhalb die Werkstatt besuchen, sind wir auch kein Stadtteilprojekt“. Sehr schade wäre es laut Kraft natürlich trotzdem, wenn sich keine Anschlussfinanzierung realisieren ließe. Seit mehr als 30 Jahren können Frauen mit und ohne handwerkliche Vorkenntnisse in der Holz- und Keramik-Werkstatt Dinge ausprobieren und eigene Ideen umsetzen – wenn gewünscht mit Hilfe einer Anleiterin. Zudem sei es laut Kraft für die Frauen auch ein Ort, um sich zu treffen und auszutauschen. Etwa 35 Frauen nutzen die Werkstatt jeden Monat.

Boom durch „Do-it-your-self-Welle“

Die Kosten für die Nutzung der Werkstatt betragen als Nicht-Vereinsmitglied für eine Achter -Karte 140 Euro, für ein Mitglied im Verein 80 Euro im Quartal. Bei rund 60 Vereinsmitgliedern zu wenig, um auch die Mietkosten selbstständig zu stemmen. Als Mitglied im Verbund offene Werkstätten hat der Verein auch bereits die Fühler nach einer möglichen Kooperation mit anderen Werkstätten ausgestreckt. Ein Umzug käme ebenso in Frage – Hauptsache, das Angebot könne fortgesetzt werden. „Durch die Do-it-yourself-Welle kommen auch immer mehr junge Frauen zu uns. Selbermachen liegt im Trend“, so Kraft. Sie hofft, dass für 2015 eine Lösung gefunden wird - damit auch weiterhin ein Raum für das kreative Arbeiten zur Verfügung steht.
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