Hamburg: Herzen gegen Schmerzen

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Melanie Gerusch näht Kissen mit Doppeleffekt – zur medizinischen und zur seelischen Unterstützung.
 
Die Herzkissen sind bunt und überwiegend aus hellen Baumwollstoffen Foto: dg

Besondere Kissen-Aktion für Krebspatientinnen. Genäht wird in Bramfeld

Von Dagmar Gehm
Hamburg. Rund um die Welt versuchte der Amerikaner Bob Carey mit unbeholfenen Luftsprüngen im rosa Tütü, die Diagnose bei seiner Frau Linda zu verkraften, ihr und weiteren Betroffenen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Auf seine Art.
Auf ihre Art geht auch Melanie Gerusch mit dem Brustkrebs um. Auf ihre Art bringt sie andere Patienten zum Lächeln. Im September 2013 wurde ihr ein bösartiger Tumor entfernt. Die damals 34-jährige quälte sich mit Druckschmerzen beim Liegen und klemmte zur Erleichterung ein Handtuch unter den Arm. Eine Notlösung. Kaum aus dem Krankenhaus entlassen, surft sie im Internet und stößt auf ein Projekt, das über Dänemark von Amerika nach Deutschland kam. Nur noch nicht nach Hamburg. Spontan gründet sie das Projekt „Herzkissen für Hamburg – Herzen gegen Schmerzen“. Näht Kissen in Herzform mit besonders langen Flügeln in bunten, fröhlichen Farben und Mustern. Im Februar 2014 werden die ersten Kissen von Melanie Gerusch und Mitinitiatorin Denise Lund an Kliniken übergeben. Inzwischen ist die Zahl auf 655 angewachsen.

Seitdem liefert die Produktmanagerin für Online-Werbung am Ende jeden Monats säckeweise Kissen an die Brustzentren des Agaplesion Diakonieklinikums Hamburg, des Universitätsklinikums Eppendorf, der Facharztklinik Hamburg, sowie des Marienkrankenhauses, wird bald auch die Nähgruppe des Jerusalem-Krankenhauses unterstützen. Knapp 100 Kissen kommen jedes Mal zusammen, 655 sind es seit Februar schon insgesamt.

In den Kliniken werden sie gesammelt und einen Tag nach der OP von Krankenschwestern an die Patientinnen und wenigen Patienten verteilt. Drei Kissen zum Aussuchen legt Schwester Karin vom Agaplesion in ein Körbchen. Als eines der inzwischen 51 ehrenamtlichen Mitglieder der Nähgruppe weiß sie genau, dass die Hüllen aus reiner, allergiefreier Baumwolle sind und die flauschige Füllung größtenteils aus aufgeschnittenen Ikea-Kissen stammt oder aus Spenden.
Alle zwei Monate trifft sich die Gruppe in Bramfeld, wo der Brakula –Kulturladen einen Gratisraum zur Verfügung stellt. Dann werden die bereits vorgenähten Hüllen mit Füllmaterial gestopft, die kleine Lücke in Handarbeit geschlossen und ein Etikett mit Namen der Näherin und der Aufschrift „Alles Liebe wünscht herzkissen-hamburg.de“ eingefügt.

„Mein rotes Herzkissen gebe ich nicht mehr her“, sagt Patientin Carmen Weinand aus Geesthacht und drückt ihr Geschenk liebevoll an die Brust. „Es ist eine gute Hilfe, da ich jetzt auf dem Rücken schlafen muss. Außerdem hat ein Herz immer etwas Positives.“ Das weiß auch Breast Care Nurse (Brustschwester) Karin: „Der Lymphabfluss ist besser, die Schmerzen sind geringer.“
Auch die Herzen bewirken Doppeltes. Zum einen den medizinischen Effekt, zum anderen den psychologischen. Sich einkuscheln können in etwas Warmes, Weiches, besonders dann, wenn gerade niemand Vertrautes zum Anlehnen in der Nähe ist.

Genau das hat auch der Powerfrau Melanie gefehlt, die sonst alles so locker in den Griff kriegt, die supersportlich ist, die Halbmarathon läuft, boxt und völlig offen ihre Krankheit bis heute in ihrem Blog begleitet. „Die Herzen sind mir zugeflogen“, sagt die Bramfelderin lächelnd. Die Schnittmuster mitsamt Copyright hat sie aus dem Internet und kauft mit eigenen Mitteln allergiefreie Stoffe und Füllmaterial. Mit Photoshop hat sie eigene Flyer und Plakate erstellt, war im UKE mit einem Infostand vertreten und ist in Sachen Herzkissen auf Facebook und per Blog unterwegs. „Hätte mir jemand vor einem Jahr erzählt, dass ich ehrenamtlich so ein Projekt ins Leben rufe, ich hätte es nicht geglaubt“.
Inzwischen läuft alles recht rund, türmen sich Füllmaterial, Stoffhüllen und fertige Kissen im Keller von Melanie Gerusch. „Wir suchen dringend einen trockenen Lagerraum in Garagengröße“, sagt sie. Und nach wie vor Spenden in Form von Baumwollstoffen und Füllmaterial (nach Absprache). (dg)

Spendenadresse: Melanie Gerusch, 2850588, Packstation 159,
22177 Hamburg, Infos: herzkissen-hamburg.de und auf Facebook
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