Hamburg: Ich helfe dir – und du mir

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Helga (rechts) - ausgebildete Fischerei-Biologin - führt Petra und Hans fachkundig durch das Zoologisches Museum - und verdient sich so 40 „Basch“Fotos: Schlichtmann

40 Barmbeker kaufen nicht, sie handeln mit „Basch“ und eigenen Talenten

Von Klaus Schlichtmann
Hamburg. Helga muss nicht lange warten an diesem nasskalten Vormittag vor dem Zoologischen Museum, die Teilnehmer dieser kleinen Runde sind pünktlich. Hans ist da und Petra auch, beide aus Barmbek. Die beiden wollen an einer Führung durch das Museum mit seinen eindrucksvollen und informativen Exponaten teilnehmen, mehr über die „Darwinsche Evolutions-Theorie“ erfahren.

Tauschringe im Trend

Die Erkärungen dazu kommen von Helga, also aus berufenem Munde. Helga hat bis zur Rente als Fischerei-Biologin gearbeitet und gehört wie Hans und Petra zur „TauschBar Barmbek“, einem von vier größeren Tauschringen in Hamburg. „Wir dutzen uns hier alle“, erfährt der Reporter als Erstes. Es sind etwa 40 überwiegend ältere Frauen und Männer, die bei der Barmbeker TauschBar mitmachen. Es gibt zwar auch regelmäßige, kleine und gesellige „Flohmarkt“-Treffen im Barmbeker Bürgerhaus (Lorichstraße 28 A), auf dem jeder seine mitgebrachten Artikel gegen die Club-Währung „Basch“ anbieten kann. Selbstgebackenes Weihnachtsgebäck zum Beispiel, das jetzt besonders hoch im Kurs steht. Oder auch Strümpfe und Handschuhe aus Eigenproduktion. Aber der tiefere und eigentliche Sinn der TauschBar ist das gegenseitige Helfen unter den Mitgliedern, das Einbringen individueller Fähigkeiten, Talente, Begabungen oder Berufserfahrungen. Wie bei Helga, die ihre naturkundliche Erfahrung gerne an andere weiter gibt - und dafür mit „Basch“ bezahlt wird. Zwei Stunden dauerte die fachkundliche Führung - bei einem Umrechnungskurs von 20 „Basch“ pro Stunde werden Helga also 40 „Basch“ auf ihrem Zeitkonto gut geschrieben, die Zeitkonten von Hans und Petra gleichzeitig mit jeweils 20 ‚Basch“ belastet. Helga wird ihre Einnahmen in „Schnee schieben“ investieren, wenn es denn soweit ist. Auf dem Zeitkonto darf sich ein maximales Guthaben von 300 „Basch“ ansammeln. Es werden allerdings auch keine Zinsen berechnet, wenn das Konto (bis höchstens 300 „Basch“) überzogen wird. „Basch“ ist übrigens eine alte Barmbeker Bezeichnung aus der Zeit Anfang des vorigen Jahrhunderts und bedeutet soviel wie „frech, kess“.

Idee stammt aus USA

Die Tauschring-Idee ist nicht neu. Sie stammt ursprünglich aus den USA und erreichte Deutschland in den 1930-er Jahren. In den 1980-er Jahren lebte dieses „nachbarschaftliche Netzwerk“ auch in Hamburg wieder auf, seit 1997 gibt es - aus einer Selbsthilfegruppe entstanden - die TauschBar in Barmbek. Mitglieder wie Helga, Petra oder Hans finden es wirklich gut, dass man Hilfe in einer solidarischen Gemeinschaft in Anspruch nehmen oder geben kann - mit einer alternativen Währung zum Euro. Petra, die ihre „Basch“ bei Helga für die Zoologische Führung investierte, hat ihr Konto schon wieder ausgeglichen - mit selbstgebackenen, bunten Keksen für den vernaschten Vereinskollegen Siegfried ...

Weitere Informationen: tauschbar-barmbek oder Tel.: 61 94 70
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