Hamburg: „Im Advent aus dem Alltag aussteigen“

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Pastor Rainer Hanno und Musiker Dieter Faber im WochenBlatt-Gespräch über den Sinn von Weihnachten

Von Christina Busse
Hamburg. „Ein Segen, dass es Weihnachten gibt“: Rainer Hanno, Pastor an der Barmbeker Auferstehungskirche am Tieloh, und Dieter Faber, Barmbeker Co-Autor der „Himmelskinder-Weihnacht“ (siehe Infokasten), trafen sich zum Gespräch über Sinn und Besinnung.

WB: Im Hörspiel bringen die Himmelskinder, also die Engel, den Menschen den Weihnachtssegen. Wie feiern Sie selbst das Christfest?
Faber: Meine Eltern haben Weihnachten zelebriert. Und auch wir haben einen Weihnachtsbaum bis unter die Decke, der mit 300 Kugeln geschmückt ist. Heiligabend beginnen wir immer mit einem Frühstück in Blankenese. Anschließend gehen wir in unsere schöne Kirche am Tieloh, bevor wir zu Hause Bescherung machen. Dann koche ich und wir feiern gemeinsam.
Hanno: Ich komme vom Bauernhof, am Heiligabend hat mein Vater den Tieren eine Extraportion Futter gegeben – weil sie es auch gut haben sollten. In die Kirche sind wir früher nicht gegangen, ganz anders als ich heute…

WB: Herr Faber, was hat Sie dazu motiviert, zusammen mit Wolfram Eicke ein Hörspiel über Weihnachten zu machen?
Faber: Als Musiker erzählen mir oft Eltern: „Meine Kinder hören so komische Weihnachtslieder…“ Da haben wir uns überlegt, wie wir ihnen inhaltsvollere Lieder nahebringen können und haben uns die „Himmelskinder“-Geschichte dazu ausgedacht. So wollen wir zu dem Gedanken anregen, dass die Feier der Geburt Jesu ein Anlass sein kann, in sich zu gehen. Darüber nachzudenken: Wozu sind wir da? Weihnachten ist die Zeit, die einem die Gelegenheit gibt, bewusster als sonst in sich hinein zu spüren – das kann man als den himmlischen Segen empfinden.
Hanno: Die Kunst besteht ja darin, ohne Kitsch und Klischee auszukommen. Ich habe meinen Konfirmanden gesagt: „Erzählt mal einem Außerirdischen, was Weihnachten ist!“ Und es kam raus, dass Weihnachten ganz positiv besetzt ist. Mit einem Gefühl von Familie und von Wärme, das ihnen gut tut.

WB: Die Adventszeit wird von vielen in erster Linie als stressig erlebt. Entweder weil man zu viel um die Ohren hat, oder aber auch, weil Einsamkeit viel stärker erlebt wird als sonst im Alltag…
Hanno: Das findet sich auch bei den „Himmelskindern“ wieder: Die beiden Engel fallen ziemlich unsanft ins Leben und müssen sich erst einmal zurechtfinden. Weihnachten kann man als Impuls begreifen, sich im Leben zu reflektieren. So etwas wie beispielsweise der Adventskalender „Der andere Advent“ oder auch die „Himmelskinder“-CD helfen einem als Begleiter durch die Vorweihnachtszeit dabei, ins Fest hineinzukommen und auch mal einen neuen Einstieg zu wagen. Jeder kann sich fragen, was ihm Weihnachten bedeutet, was für einen selbst der Weihnachtssegen ist und wie man ihn weiter verbreiten kann. Wenn das innerhalb der Familie geschieht, ist das gut, aber man kann das Fest auch still und nach innen gekehrt begehen und es in dieser Form als Bereicherung empfinden. Auch ich als „Religionsprofi“ erlebe, dass es immer wieder etwas zu entdecken gibt.
Faber: Mir tut es zum Beispiel gut, mich von diesem Trubel, der Mitte November startet, zu lösen. Lebkuchen im September finde ich blöd, genauso wie diesen Geschenkedruck zu Weihnachten. Mir ist es wichtig, dass klar wird: Es geht im Leben nicht nur um Gewinnmaximierung und Profit, sondern auch um Nächstenliebe und um Verantwortung mir selbst und anderen gegenüber. Dabei kommt es mir gar nicht auf eine bestimmte Religionszugehörigkeit an, sondern ich glaube an eine umfassendere göttliche Kraft, an ein Energiefeld.
Hanno: Ja, die christliche Bedeutung von Weihnachten ist schwer zu vermitteln. Himmelssegen- was heißt das denn? Die Adventszeit bietet viele Anlässe, um aus dem Alltag auszusteigen und sich diese Frage zu stellen. Alleine oder in Gemeinschaft, vielleicht bringt ja sogar der gemeinsame Besuch auf dem Weihnachtsmarkt unerwartete, anregende Momente.
Faber: In der Geschichte erkennt die Kerzenmacherin die Kraft der Engel und singt: „Himmelskinder sind wir alle heute.“ Damit scheint sie die Leute an einem Punkt zu erwischen, der der richtige ist: Wir sind alle Kinder und Weihnachten ist ein Anlass sich darauf zu besinnen, sich den Menschen zu öffnen und sich gegenseitig Wertschätzung auszudrücken. Es ist ein Fest der Freude. Und dazu gehören natürlich auch die Geschenke.

Info:
Klangerlebnis „Himmelskinder-Weihnacht“ (ab sechs J.) im Planetarium (z.B. am 15. 12., 11 Uhr, 18. 12., 16.30 Uhr), Tickets 16.50 Euro. www.planetarium-hamburg.de
Die Auferstehungskirche am Tieloh lädt am Heiligabend zu drei Gottesdiensten ein. Um 15.30 Uhr Familiengottesdienst mit Pastor Hanno mit Krippenspiel; um 17 Uhr Gottesdienst mit Pastor i.R. Reinhold Bill (Michael Ohnmus, Trompete). Um 23 Uhr Gottesdienst mit Pastor Hanno (St. Wipplinger, Klarinette). (cb)
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