Hamburg: „Jetzt ist aber für mich Schluss“

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Pfarrer Heinrich Schröder nach viereinhalb Jahren in St. Wilhelm in den Ruhestand verabschiedet

Pfarrer Heinrich Schröder nach viereinhalb Jahren in St. Wilhelm in den Ruhestand verabschiedet

Hamburg. Am vergangenen Sonntag wurde Pfarrer Heinrich Schröder in seiner Gemeinde St. Wilhelm verabschiedet. Nach viereinhalb Jahren ist für ihn Schluss in Bramfeld. In einem Gespräch mit dem Wochenblatt spricht er über Abschied, Erfahrungen und seine heutige Sicht auf die Kirche.
„Zu Weihnachten habe ich an Verwandte, Freunde und Bekannte einen Brief geschrieben und auf die Veränderungen im Jahr 2014 hingewiesen: Ich hatte den Bischof gebeten, mich zu meinem 70. Geburtstag in den Ruhestand zu versetzen. Er hat mir das zum 1. April zugestanden“, so Schröder zufrieden. Am 28. März wurde Pfarrer Schröder nun 70. Seinen Abschied feierte er mit einer Taizé-Andacht in der St. Wilhelm-Kirche. In der Wohnung des Pastors stehen bereits die gepackten Kisten.

Große Verantwortung

In Neumünster wird er unweit der katholischen Kirche ein neues Zuhause finden. „Ich glaube, dass ist gut für mich. Ich bin dann dem Bischof gegenüber nicht mehr für eine Pfarrei verantwortlich- sowohl im pastoralen, als auch im finanziellen Bereich“, so der 70-Jährige. In seinen 45 Jahren als Priester hat er viel erlebt. Neun priesterliche Stellen bekleidete er. Die Verantwortung war groß. Mit 65 Jahren ist er aus Langenhorn nach Bramfeld in den Hohnerkamp 22 gewechselt. Es sollte seine letzte priesterliche Stelle werden. „Ich bin zum Glück nicht krank. Wenn ich mir heute vorstelle, ich müsste ein Zeltlager für 120 Leute organisieren, ich glaub, ich würde halb durchdrehen. Das kann man als jüngerer Mensch besser“, so der Pastor zu den Gründen seines Rückzugs.
Im Sommer wird die St. Wilhelm-Gemeinde mit Gemeinden aus Farmsen, Rahlstedt, Poppenbüttel und Volksdorf zusammengelegt. Anstatt der bisherigen 3.000 Gläubigen wird der neue Gemeindeverbund 23.000 Katholiken unter seinem Dach vereinen. „Das ist in der Vorstellung sehr groß. Wir haben aber zu wenig Personal. Da werden Strukturen zusammengelegt.“
Für St. Wilhelm wird es keinen direkten Nachfolger geben. Heinrich Schröder sieht das kritisch. „Das ist eindeutig eine Schwierigkeit. Am Hohnerkamp wird kein Priester mehr ständig vor Ort sein. Die neuen Priester, die zuständig sind, wohnen in Rahlstedt. Größe bedeutet immer auch Entfernung. Im städtischen Raum ist das nicht das Problem, eher im ländlichen Gebiet, wo Gemeinden auch mal 25 Kilometer auseinander liegen“, weiß Schröder. Das Pfarrbüro soll aber weiterhin als Anlaufstelle dienen, auch, wenn die Gemeindemitglieder dann nur noch zu offiziellen Bürostunden anrufen können. „Das richtet sich ein. Mit den Möglichkeiten der modernen Kommunikation sollte auch das klappen. Es wird anders, ja. Es wird zunächst auch nicht einfach sein. Aber es werden sich neue Möglichkeiten ergeben. Die Gemeinde lebt nicht nur von den Hauptamtlichen“, glaubt Schröder.

Lebendige Orte des Glaubens

Ist die Kirche ein Auslaufmodell? „Wenn man das Konstrukt der Kirche von heute betrachtet, könnte es zu einem Auslaufmodell werden. Ich denke, dass die Kirche anders werden muss, dass die Kirche neu werden muss. Nicht die Verwaltungseinheit und das zur Kirche gehören sollte wichtig sein. Es müssen lebendige Zellen bestehen. Menschen sollen sich zusammenfinden und lebendige Orte des Glaubens kreieren. Wo diese Orte entstehen und Eucharistie gelebt wird, hört man nicht auf zu glauben“, meint Heinrich Schröder.
In seiner Zeit als Priester musste er nur zwei Mal krankheitsbedingt eine Sonntagsmesse ausfallen lassen. „Darauf bin ich ein bisschen stolz. Jetzt ist aber Schluss für mich. Ich war immer gerne für meine insgesamt neun Gemeinden da. Ich möchte auch weiterhin zur Verfügung stehen und werde natürlich auch Gottesdienste besuchen. Ich freue mich einfach darauf, nicht mehr die Verantwortung zu spüren. Wie es sich in drei Wochen ohne Verantwortung anfühlt, weiß ich jedoch noch nicht“, wagt Schröder abschließend einen Blick in die nähere Zukunft. (ms)
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