Hamburg: Lieber reparieren statt wegwerfen

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Reparieren statt Wegwerfen ist praktizierter Umweltschutz Foto: Stoelken-Assmann/wb

25 Jahre Gut Karlshöhe: Beim Repair Café wird Hilfe zur Selbsthilfe gegeben – das nächste Mal am 12. Juli

Bramfeld Was macht man mit einem Toaster, der nicht mehr funktioniert? Mit einem Wollpullover mit Mottenlöchern? Mit einem Stuhl, der wackelt? „Reparieren statt Wegwerfen“ heißt das Motto im Repair Café auf Gut Karlshöhe. Kleidung, Möbel, Fahrräder, Spielzeug, Gartengeräte, elektrische Haushalts-, HiFi- und Multimedia-Geräte moderner und älterer Bauart werden hier mit ehrenamtlicher Reparaturhilfe wieder flott gemacht. Schon auf der ersten Veranstaltung im Mai hat sich gezeigt, dass das Interesse daran riesengroß ist: Über 150 Leute kamen ins Gutshaus, um kaputte Dinge wieder in Ordnung zu bringen.
„Das Umweltzentrum ist eine tolle Verortung für das Thema“, freut sich Organisatorin Kristina Deselaers, die vor zwei Jahren die Idee des Repair Cafés - das allererste soll 2009 in Amsterdam stattgefunden haben - begeistert aufgenommen hatte. „Etwas zu reparieren, statt neu zu kaufen, und mit anderem Blick an Produkte heranzugehen ist doch praktizierte Umweltbildung“, so Deselaers, die bereits mehrere Repair Cafés in Hamburg an den Start gebracht hat.
Ein großes ehrenamtliches Team gibt den Besuchern Hilfe zur Selbsthilfe, auf Karlshöhe sind das rund 60 Leute: Tischler und Zahntechniker, Metallbauer und Ingenieure, Rentner und Berufstätige, Junge und Alte – bis hin zur 84-jährigen Schneiderin, die dabei hilft, Kleidung auszubessern oder passend zu machen. „Es kommt besonders viel Kram aus dem Elektrobereich, da wird offenbar viel minderwertig hergestellt“, weiß Deselaers. Die 44-jährige Innenarchitektin hat bereits selbst dazugelernt: „Ich habe mich an mein kaputtes Navi herangetraut, habe es ganz vorsichtig aufgehebelt, mit viel Fingerspitzengefühl den Akku ausgewechselt und nun funktioniert es wieder – früher hätte ich es wahrscheinlich zum Recyclinghof getragen.“ Sie beobachtet, dass sich bei Besuchern des Repair Cafés die Einstellung zu Produkten verändern würde. „Die Achtung vor Qualität wächst, man ist dazu bereit, mehr Geld für etwas Hochwertiges auszugeben und auch eher in die Reparatur zu investieren. Auf billigen Murks verzichtet man dann lieber“, so Deselaers, die mit Mann und zwei Kindern in Sasel lebt. Der Vorteil: Es wird Müll vermieden, Geld gespart und es werden Rohstoffe geschont. Ein weiterer wichtiger Aspekt bei den ehrenamtlichen Treffen ist die soziale Komponente: Wer selbst nichts zu reparieren hat, hilft jemand anderem bei der Reparatur oder hält bei Kaffee, Kuchen und Tee einen Klönschnack. Natürlich sind erfahrene Tüftler, Handwerker und sonstige Experten, die ihr Wissen einbringen wollen, immer willkommen. Genauso wie Helfer, die bei der Organisation und Durchführung unterstützen. Auf dem Kuchenbuffet machen sich selbst gebackene Spenden gut. Das nächste Repair Café auf Gut Karlshöhe, Karlshöhe 60 d, findet am Sonnabend, 12. Juli, von 14-17 Uhr, statt. Der Eintritt ist frei.(cb)

Weitere Veranstaltungstipps

Das Gut Karlshöhe hat sich im Stadtteil und darüber hinaus als Treffpunkt und Veranstaltungsort mit einem breit gefächerten Angebot etabliert. Dazu gehören u.a. Kräuterseminare, Yoga- und Töpferkurse ebenso wie der Hamburger Pflanzenmarkt, der von der Gesellschaft der Staudenfreunde e.V. organisiert wird und in diesem Frühjahr rund 3.000 Besucher anzog. Neu im Programm ist eine generationenübergreifende Naturerlebnisreihe, die Kinder ab sechs Jahren mit ihren Großeltern anspricht: Gemeinsam gehen sie, begleitet von Umweltpädagogin Eva Jürgens, auf Forschertour im Grünen. Am Sonnabend, 21. Juni, von 11-13 Uhr, gibt es „Geheimnisvolle Wasserwelten“ zu entdecken. Die Teilnahme kostet 9 Euro, ermäßigt 7 Euro. Das komplette Programm gibt es unter gut-karlshöhe.de (cb)
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