Hamburg: Mit Messer auf die Ex los

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Polizei und Spurensicherung am 16. Januar 2014 am Tatort in der Thomas-Mann-Straße Foto: Michael Arning

Täter muss sich nach Bluttat in Bramfeld vor dem Landgericht verantworten

Hamburg. Eine grauenvolle Tat schockierte am 16. Januar die Bewohner der Thomas-Mann-Straße in Bramfeld. Eine junge Frau wurde am frühen Morgen von ihrem Ex-Freund mit über 20 wuchtigen Messerstichen lebensgefährlich verletzt. Ihr siebenjähriger Sohn musste die Tat miterleben. Der Täter, Hartmut D. (34), muss sich jetzt vor dem Hamburger Landgericht verantworten. Ihm wird versuchter Mord in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung vorgeworfen.
Das Opfer, die 29jährige Verkäuferin Jana S. (Name geändert) wollte um 7.30 Uhr ihren Sohn zur Schule bringen, als der Täter im Treppenhaus auf sie lauerte. Er wollte, so erklärte er vor dem Landgericht, eine Wiederaufnahme der Beziehung erreichen.
Zurückgedrängt in die Wohnung verzog sich die junge Mutter auf die Toilette. Zuvor hatte sie ihren Sohn in das Kinderzimmer geschickt. Der Täter unterhielt sich zunächst mit dem Kind, das ihm stolz seine Weihnachtsgeschenke zeigte. Als die Verkäuferin nach längeren Zeit nicht von der Toilette zurückkehrte, ging er zu ihr ins Badezimmer.

Zwei Messer

„Gib uns noch eine Chance“, verlangte Hartmut D. von ihr. Doch sie erklärte, dass sie die Beziehung in keinem Fall fortführen werde. „In diesem Moment ist bei mir alles zusammengebrochen und es ist zu den Angriffen gekommen, so wie sie der Staatsanwaltschaft vorgetragen hat“, erklärt der Angeklagte. An die Messerstiche selbst kann er sich nicht erinnern.
Laut Anklage soll Hartmut D. nach der Abfuhr ein Messer mit einer zirka zwölf Zentimeter langen Klinge aus seinem Rucksack hervorgeholt und die völlig überrumpelte Jana S. mit dem Messer attackiert haben, wobei er ihr über 20 Schnitte und Stiche im Oberkörper beibrachte. Sie erlitt Verletzungen im Gesicht, an der linken Hand, am linken und rechten Becken sowie eine lebensgefährliche Stichverletzung am Oberbauch, die zu einem Pneumothorax sowie zu Verletzungen der Leber und des Zwerchfells führte. Während der Bluttat soll er gesagt haben: „Jetzt bekommst du, was dir zusteht!“ Außerdem soll er noch ein zweites Messer aus seinem Rucksack gezogen und erklärt haben: „Vielleicht ist es dir mit diesem Messer lieber!“

Täter wollte sich töten

Die junge Frau soll während der Attacke laut schreiend ihren Sohn aufgefordert haben, sich zu verstecken. Nachdem der Täter die Wohnung verlassen hatte, schleppte sie sich blutüberströmt, das zitternde Kind an ihrer Seite, zu einer Nachbarin, die sofort Notarzt und Polizei alarmierte. Die junge Verkäuferin konnte nur durch eine Notoperation gerettet werden.
Jana S. und Hartmut D. hatten sich rund zwei Jahre vor der Bluttat kennengelernt. Sie hatte sich gerade von ihrem Mann getrennt. Hartmut D. vor Gericht: „Jana und ihr Sohn waren doch wie eine Familie für mich.“ Gleichzeitig musste er gestehen, dass es häufig zu Reibereien gekommen sei. Kurz vor Weihnachten hatte sie die Beziehung beendet. Sie erklärte ihm, dass sie einen neuen Freund habe. Hartmut D. flüchtete nach der Tat in seine Wohnung in Groß Borstel. Dort versuchte er, sich am Balkon seiner Wohnung zu erhängen. Polizisten, die ihm schon auf der Spur waren, retteten sein Leben. Der Prozess wird fortgesetzt.
Das Urteil soll am 4. September gesprochen werden. (je)
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