Hamburg: Seelische Trümmer wegräumen

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Pastor Martin Fischer und Inge Dehne laden Besucher zum Themenwochenende ein Foto: Sichting

Themenwochenende in der Simeon-Gemeinde zur Kriegstraumatisierung

Bramfeld Kriegstraumatisierung als seelisches Erbe: Die Evangelische Kirche in Bramfeld lädt vom 14. bis 16. November zu einem Themenwochenende „Seelische Trümmer – Traumata als Nachwirkung des 2. Weltkriegs“ in der Simeon-Kirchengemeinde ein.
Die in den 1950er und 1960er Jahren geborenen Kinder der Kriegskinder blieben von den realen Schrecken des Zweiten Weltkriegs verschont. In den Familien blieb die Kriegstraumatisierung jedoch oft unverarbeitet und wurde häufig unausgesprochen weitervererbt. Tiefe seelische Verunsicherung und nachwirkende kollektive Scham für die Verbrechen des Nationalsozialismus kennzeichnen diese seelischen Trümmer. „Ich habe es selbst in Trauergesprächen erlebt, dass Kinder erst nach dem Tod der Eltern bestimmte Verhaltensweisen verstehen, wenn sie in die Vergangenheit ihrer Eltern blicken. Erst dann erfahren sie, woher familiäre Eigenarten stammen. Beispielsweise fand man nach dem Tod einer Frau kiloweise Zucker in deren Kleiderschrank. Das ist ein reales Zeichen für kriegsbedingte seelische Schatten“, so Pastor Martin Fischer. Er organisiert das Wochenende gemeinsam mit Projektpastorin Inge Dehne. „Auch angesichts aktueller Kriegsgeschehnisse in der Welt kann das Bewusstsein für solche Prozesse helfen, auf der Gegenwart liegende Schatten der Vergangenheit durch Gespräche zu befrieden“, weiß Inge Dehne.
Am Freitag, 14. November, lädt die Gemeinde von 19.30 bis 21.30 Uhr zu einem Vortrag mit anschließender Diskussionsrunde mit Autorin und Diplom-Psychologin Bettina Alberti im Gemeindesaal der Simeon-Kirchengemeinde ein. Die Lübeckerin ist Autorin des vielbeachteten Buches „Seelische Trümmer. Geboren in den 50er und 60er Jahren: Die Nachkriegsgeneration im Schatten des Kriegstraumas.“ Am 15. November veranstaltet sie ab 9.30 Uhr einen ganztägigen Workshop. „Die Schuld der Täterschaft hat uns sprach- und emotionslos gemacht. Die Deutschen waren aber auch Opfer. Flüchtlinge und Soldaten haben gleichermaßen Schreckliches erlebt. Wir müssen lernen, über das zu reden, was wir in uns fühlen. Darauf steuern wir an diesem Wochenende zu“, weiß Pastor Fischer. Ziel der Veranstaltungen ist es auch, mögliche Multiplikatoren zu ermutigen, in Freundeskreisen und Familien über Traumatisierungen zu sprechen. „Oftmals kommen die Traumatisierungen erst im Ruhestand hoch. Das hindert Menschen daran, aktiv zu werden und ihr Leben so zu gestalten, wie sie es möchten“, so Inge Dehne. Sie hat beim Ohlsdorfer Friedensfest die Erfahrung gemacht, dass viele Menschen über die Vergangenheit sprechen möchten. „Wir haben nur noch wenige Restplätze. Daran sieht man, dass dieses Thema stark im kommen ist“, sagt Fischer zufrieden. Der Themengottestdienst wird am 16. November von Martin Fischer und Inge Dehne gestaltet. Beginn ist bereits um 9.30 Uhr. (ms)

Simeon-Kirchengemeinde, Am Stühm-Süd 83, Tel.: 671 068 40
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