Hamburg: Sind viele Spielplätze wirklich marode?

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Der Spielplatz in der Probsteier Straße ist gut besucht
 
Stephanie Quasdorf mit Nichte Leonie. Für die beiden ist der Platz „völlig in Ordnung“ Fotos: ce/wb

Nach CDU-Kritik an beliebten Ecken: Das Wochenblatt war vor Ort – und stellte Erstaunliches fest

Von Christian Ehrhorn
Hamburg-Nord. „Zahlreiche Kinderspielplätze im Bezirk Nord sind sanierungsbedürftig“, behauptet die CDU-Bezirksfraktion Hamburg-Nord. Ihrer Auffassung nach werden zu viele Gelder für andere Projekte ausgegeben, so dass die Kinderspielplätze angeblich auf der Strecke bleiben und mehr und mehr verfallen. „Es ist eine absolut falsche Prioritätensetzung, dass für ein unsinniges Busbeschleunigungsprogramm 259 Millionen Euro ausgegeben werden, aber an den Kinderspielplätzen so gespart wird, dass diese immer sanierungsbedürftiger werden“, sagt der CDU-Bezirksabgeordnete Christoph Ploß. Wie steht es aber wirklich um die Spielplätze in Hamburgs Norden? Das Wochenblatt schaut genau hin und besuchte angeblich sanierungsbedürftige Spielplätze.

Kein Handlungsbedarf

Beispielsweise werden für die Sanierung des Spielplatzes an der Wellingsbüttler Landstraße laut CDU 300.000 Euro benötigt. Bei einem Vor-Ort-Termin fiel auf, dass bis auf ein paar kleinere Graffiti-Schmierereien keinerlei Mängel an den Spielgeräten festzustellen sind. Auch der Sand war sauber und frei von Müll. „Der Spielplatz ist völlig in Ordnung“, erzählen auch Bettina Marxen (42) und Bettina Reimers (44).
Auch auf anderen, von der CDU als marode bezeichneten Spielplätzen, haben die Eltern einen positiven Eindruck von deren Zustand: „Auf den Spielplätzen, die ich besuche, ist alles super. Ich kann nicht sagen, dass irgendwo etwas marode oder sanierungsbedürftig wäre“, so Janina J. (38). „An einigen Spielgeräten könnte die Sicherheit für kleine Kinder etwas besser sein, aber ansonsten ist alles in Ordnung. Die Geräte sind alle in einem Top-Zustand“, sagt Stephanie Quasdorf (34), die mit ihrer Nichte Leonie (3) den Spielplatz in der Probsteier Straße besucht.

Ploß hält an Aussage fest

Auf die Frage, was Christoph Ploß genau an den Spielplätzen bemängelt, heißt es aus seinem Büro: „Es sind unterschiedliche Dinge. Zum Teil sind die Geräte sanierungsbedürftig oder teilweise auch gar nicht mehr funktionsfähig. Auf anderen Spielplätzen betrifft es den Sand, der teilweise über einen längeren Zeitraum nicht mehr ausgewechselt wurde und damit nicht nur dreckig ist, sondern sich auch Keime einfängt. Es betrifft allgemein die Infrastruktur auf den Spielplätzen, das ist ein relativ weites Spektrum. Davon hat sich die CDU auf den Spielplätzen selber überzeugt.“
Dass viele Eltern dies nicht so sehen, erklärt der CDU-Politiker sich so: „Es ist natürlich immer eine Interpretationssache. Eventuell lassen einige Eltern ihre Kinder nur auf einem Spielgerät spielen, welches noch in Ordnung ist. Aber das Problem wurde vom Senat in einer kleinen Anfrage selber eingeräumt.“ In dieser Anfrage heißt es: „Das Bezirksamt Hamburg-Nord meldet gegenüber der Fachbehörde, im Rahmen der mittelfristigen Finanzplanung, die Investitionsbedarfe in erster Linie für die Grundinstandsetzung von Kinderspielplätzen an.“

Behörde kontert

„Dieser Satz aus der kleinen Anfrage wurde von Christoph Ploß völlig falsch interpretiert“, kontert Hans-Hermann Laatz von der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt. „Die 144 Spielplätze im Bezirk Nord sind uns sehr wichtig. Der Standard für Spielgeräte und Sauberkeit liegt in Hamburg weit über dem gesetzlich geforderten Maße. Zum Beispiel wird die vom Gesetzgeber vorgeschriebene dreimonatliche technische Prüfung der Spielgeräte jeden Monat durchgeführt. Zudem ist jedes einzelne Spielgerät mit seinen Zustandsdaten in einem Kataster erfasst, welches fortlaufend aktualisiert wird. Bei der jährlichen TÜV-Prüfung erhalten wir immer Bestnoten.“ Auch die Müllreinigung erfolge regelmäßig, wird versichert. Jeden Montag und Freitag. Bei extremer Verschmutzung auch bei Bedarf. „Und sollte ein Spielgerät wirklich einmal kaputt sein, bemühen wir uns, dieses zeitnah zu ersetzen“, so Laatz. (wb)
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