Hamburg: Stunk hinterm Gartenzaun

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Die Idylle trügt, im Kleingartenverein „Freude“ herrscht seit Wochen ein Kleinkrieg zwischen Pächter und Vereinsführung Fotos: ks

Im Kleingartenverein „Freude“ herrscht Zwist um verbotene Toiletten

Von Klaus Schlichtmann
Hamburg. Akkurat eingefasste Gemüsebeete, exakt geschnittene Hecken, penibel geharkte Wege zwischen den Parzellen - der Kleingartenverein „Freude“ am Rübenkamp in Barmbek könnte ein Musterbeispiel für vorbildliches Schrebertum sein. Doch die Idylle ist trügerisch, denn hinter den Kulissen der gepflegten Ordnung herrscht seit Wochen ein Kleinkrieg zwischen dem Pächter Wolfgang C. und der Vereinsführung. Vorläufiger Höhepunkt war ein Polizeieinsatz, nachdem Unbekannte auf dem Grundstück von C. ein Dutzend Tonkübel mit seltenen Kräutern wie Ginseng, türkische Ranke , indische Aschvagandha und asiatische Ephedra mit Salzwasser überschütteten und die wertvollen Pflanzen damit vernichteten. C. glaubt, dass Mitglieder des Vereinsvorstandes hinter diesem Anschlag stecken.
Zur Vorgeschichte: Schon vor Jahren hat Wolfgang C. die Vereinsführung darauf hingewiesen, dass einige Parzellenpächter Wasseranschlüsse innerhalb ihrer Lauben haben, mit dem Wasser sogar ihre Toiletten spülen. Und das ist nach dem Bundeskleingartengesetz verboten. Strafbar sogar, wenn ungefiltertes Schmutzwasser im Erdboden versickert. „Aber passiert ist bis heute nichts, einige Nachbarn benutzen nach wie vor ihr WC statt einer vorgeschriebenen Trocken-Toilette“, empört sich Wolfgang C. Er erstattete schließlich Anzeige bei der Staatsanwaltschaft, informierte die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU). Nun kam Bewegung in die Sache. „Wir haben mit der Überprüfung der gemeldeten Mißstände im Kleingartenverein 414 ,Freude‘ begonnen“, erklärt BSU-Sprecher Volker Dumann, „die noch geprüften Parzellen werden im Rahmen der verfügbaren Personalressourcen noch kontrolliert.“

WC‘s in Lauben verboten

Ein Zwischenfazit gibt es bereits: Bei etwa 20 Prozent der bisher kontrollierten Parzellen wurden entsprechende Mängel festgestellt. Unterstellt man, dass diese Quote von 20 Prozent auch repräsentativ für alle rund 33.500 Kleingarten-Parzellen in Hamburg ist, müsste man rechnerisch von 6.700 „Missständen“ in den 312 Schrebervereinen in der Stadt ausgehen. „Auf Veranstaltungen und auch in unserem Vereinsmagazin „Hamburger Gartenfreund“ weisen wir ständig darauf hin, dass WC‘s innerhalb der Lauben verboten sind“, betont Roger Gloszad, Fachberater im Landesbund der Gartenfreunde. „Wir erhalten gelegentlich auch Hinweise auf solche Missstände, meist anonym. Die leiten wir dann weiter an die jeweiligen Vereinsvorstände.“ Trotz aller Auseinandersetzungen - auf seiner kleinen Parzelle will Barmbeker Wolfgang C. auf jeden Fall ausharren. Auch wenn er nicht mehr viel Freude an und nur noch wenige Freunde in seinem Kleingartenverein „Freude“ hat.
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