Hamburg: Tröstende Pfoten

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v. l.: Hospiz-Leiterin Gabriela Holmer mit Gast Jean Bienert und Mitarbeiterin Susanne Hemphill Fotos: Christian Ehrhorn
 
Hospiz-Gast Jürgen Schreiert freut sich über die Zuwendung von Landseer Bruno Fotos: Christian Ehrhorn

Streicheleinheiten für Bewohner des Hospiz Sinus

Von Christian Ehrhorn
Hamburg. „Es ist ein trostloser Ort. Der Tod ist allgegenwärtig. Bedrückende Stimmung erfüllt das ganze Haus. Ein Lachen wurde hier schon lange nicht mehr gehört...“ So oder ähnlich stellen sich viele Leute den Alltag in einem Hospiz vor. Doch im Hospiz Sinus Barmbek an der Saarlandstraße ist das anders. Das Besondere an dieser Einrichtung: Hier sind die Gäste jeden Tag mit Hunden zusammen. Wir haben es besucht.
Was erwartet einen, wenn man das erste Mal im Leben ein Hospiz betritt? Gedanken an Krankenhäuser kommen in den Sinn. Kühl und steril. Doch als die Tür zum Barmbeker Hospiz öffnet, empfangen den Besucher helle, von Sonnenlicht durchflutete Räume. Glänzender Parkettfußboden. Bilder von Tieren und andere Kunstwerke hängen an der Wand. Von den Mitarbeitern wird man dort sehr freundlich und herzlich empfangen.
Allen voran die Leiterin des Hospiz, Gabriela Holmer (45). Ihr auf den Fersen sind zwei Mitarbeiter der besonderen Art: Der 50 Kilo schwere Landseer Bruno und der kleine Jack Russell Terrier-Mix Selma. „Dies sind zwei unserer bis zu sieben Hunde hier im Hospiz“, erklärt Gabriela Holmer. „Alle Hunde hier gehören verschiedenen Mitarbeitern. Jeden Tag sind einige hier zu Gast.“ Schnaufend legt sich der große zottelige Hund zu Boden. „Mein Bruno ist zum Beispiel fast jeden Tag mit mir hier“, erzählt sie . „Wir möchten für unsere Gäste angenehme Lebensumstände schaffen, dass sie sich bei uns wirklich heimisch fühlen. Es gibt einige Bewohner, die sich allein wegen der Hunde für dieses Hospiz entschieden haben. Tiere haben einfach einen positiven Effekt auf Menschen. Nicht nur emotional, sondern auch gesundheitlich. Zudem können die Gäste während des Kontakts mit den Tieren mal etwas zurückgeben, was auch ganz wichtig ist. Sie können sich so auch mal um andere kümmern.“
Draußen scheint die Sonne. Gabriela Holmer betritt den großen Garten des Hospiz. Auch die Hunde folgen ihr.
Einige Gäste des Hauses sitzen dort zusammen, unterhalten sich, trinken etwas. Zwei weitere Vierbeiner befinden sich bereits im Garten. „Ach da ist Kalli“, freut sich Gabriela Holmer. Kalli, ein kleiner wilder Mischling aus dem Tierschutz, ist Brunos bester Freund. Als dieser den Landseer sieht, stürzt er sofort auf den wuscheligen Riesen zu. Fröhlich quietschend und knurrend kugeln beide ein paar Sekunden später über die Rasenfläche. Lachend beobachten die Hospiz-Gäste das Geschehen.
Alle sind gut gelaunt, es werden Späße gemacht und sich angeregt unterhalten. Im Bezug auf die Hunde sind sich hier alle einig: „Es ist toll, die Tiere hier zu haben. Ich sehe es zu gerne, wenn die Hunde hier gemeinsam Spielen“, sagt der sterbenskranke Jürgen Schreiert. „Es sind alles sehr liebevolle Tiere. Die sind auch nicht zu aufdringlich zu den Gästen. Sie verbreiten einfach eine gute Stimmung.“
Auch Heide Prange, die seit fünf Wochen im Hospiz lebt, mag die Hunde sehr: „Wenn die Tiere zugegen sind, herrscht immer eine positive Atmosphäre. Es ist nun mal so wie es ist. Wichtig ist, jeden Tag zu genießen. Und das können wir hier. Nicht nur wegen der Hunde. Auch wegen dem tollen Personal und der großartigen Arbeit der ehrenamtlichen Helfer. Ich bin noch nie so verwöhnt worden wie hier.“
Dann wird es Zeit sich zu verabschieden. Auch die Hunde drücken zum Abschied noch einmal ihre feuchten Nasen gegen die Handfläche des Reporters. Der Besuch im Barmbeker Hospiz hat vor Augen geführt, welchen starken und positiven Einfluss Tiere auf den Menschen haben können. Und dass es – selbst in traurigen Momenten – immer einen Grund zum Fröhlichsein gibt.
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