Hamburg: Vom Laufrad zum Mega-Bike

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Jan Lorenzen, vom Museum der Arbeit, ist stolz auf die umfangreiche Ausstellung rund ums ZweiradFotos: Sichting
 
Hängende Fahrrad-Historie im Museum

Ausstellung im Museum der Arbeit beleuchtet 200 Jahre Fahrrad-Historie

Von Mathias Sichting
Hamburg. Das Fahrrad hat eine bewegte Geschichte. Höhen und Tiefen kennzeichnen die technische Entwicklung der vergangenen 200 Jahre. Das Museum der Arbeit widmet sich in der Sonderausstellung „Das Fahrrad“ auf 600 Quadratmetern Ausstellungsfläche dieser Biografie. Etwa 120 Räder aus allen Epochen beleuchten den Fortschritt. Bei einem Ausstellungsrundgang mit Museumssprecher Jan Lorenzen konnte das Wochenblatt einen Blick auf die Schau werfen. Kultur, Technik und Mobilität sind die Schlagwörter, mit denen das Museum der Arbeit für die bis 1. März 2015 laufende Sonderausstellung wirbt.

Hängende Räder

Das Fahrrad ist das Fortbewegungsmittel der Stunde. Dank des wachsenden Bewusstseins für Gesundheit, Nachhaltigkeit und Umweltschutz sowie den zunehmenden Verkehrsproblemen in den Metropolen erfährt es eine Renaissance. Das Fahrrad ist als fester Bestandteil des urbanen Lebensstils kaum mehr wegzudenken. Der muskelbetriebene Antrieb auf zwei Rädern hat sich zum Statussymbol, Hoffnungsträger für Verkehrsplaner und auch als Herausforderung bei der Neuordnung des städtischen Raums aufgeschwungen. „Unsere Fahrrad-Sonderausstellung ist eine der größten Ausstellungen, die wir bisher gestemmt haben. Wir haben Kooperationspartner aus ganz Deutschland ins Boot geholt und uns unter anderem in Berlin und Bad Brückenau ganz besondere Fahrräder ausgeliehen. Uns erreichten bereits Anfragen von Museen aus Wien, Berlin und München, die die Ausstellung übernehmen möchten“, erklärt Museumssprecher Jan Lorenzen. 2017 feiert die Draisine, der direkte Vorläufer des Fahrrads, 200. Geburtstag. In der Hamburger Ausstellung wird das Phänomen schon jetzt ausführlich abgebildet. „Wir gehen thematisch nicht so sehr in die Tiefe. Wir tippen eher alle Bereiche, in denen wir etwas über das Fahrrad gefunden haben, an.“ Drei parallel verlaufende Gänge kennzeichnen den Ausstellungsaufbau. Einzeln abgegrenzte Kabinette widmen sich an den Seitenschiffen verschiedensten Themen wie Design, Kleidung, Historie, Fahrrad und Musik oder speziellen Fahrradbauteilen. Mittelpunkt und Herzstück der Ausstellung ist die optisch ansprechende Galerie. Sie zeigt die bedeutendsten Fahrräder der letzten 200 Jahre.

Fahrradporsche in Gold

Am Eingangsbereich begrüßt allerdings ein goldener Porsche die Besucher. „Die Installation des Fahrradporsches Ferdinand GT3 RS von Hannes Langeder ist bewusst gewählt. Der Künstler hat zwei Liegeräder verbaut und darüber die Karosse eines goldig schimmernden Porsches gesetzt. Wir zeigen das Objekt, weil wir bemerkten, dass das Fahrrad in nahezu allen Bereichen des Lebens verarbeitet wird. So auch in der Kunst. Außerdem ist das Fahrrad dabei, das Auto zu verdrängen. Diese Installation unterstreicht diese moderne Entwicklung.“
Vom Laufrad „hobby horse“ bis zum Hamburger Stadtrad und vom Hochrad der Dandys bis zum Lastenrad der heutigen Fahrradkuriere – im Mittelgang der Schau sind verschiedene Glanzlichter aus der Fahrrad-Historie ausgestellt.

70.000-Euro-Modell

Das wertvollste und eines der ältesten Räder der Ausstellung, ein Hirondelle von 1890, wurde für 70.000 Euro versichert. Das Sicherheitsniederrad ist eines der letzten seiner Baureihe und weist erste Designelemente wie einen sichelförmigem Rahmen und einen gekrümmten Lenker auf. „Wenn es in unserem Besitz wäre und wir es verkaufen könnten, würden sich Sammler aus Südkorea melden. Dort boomt das Interesse an europäischen Modellen. Man würde uns einen sechsstelligen Betrag bieten“, weiß Lorenzen. Anfassen oder gar auf den Sattel setzen, ist bei diesen Modellen verboten. Wer in der Ausstellung Rad fahren will, hat die Wahl zwischen einer Hochrad-Station und einem Fahrrad-Simulator. „Wir rechnen bis März 2015 mit 40.000 Besuchern. Das entspricht etwa 4.000 Gästen im Monat. Im Eröffnungsmonat Mai haben wir diese Zahl erreicht“, so Lorenzen. Ende August lädt eine urbane Fahrradmesse auf das alte Fabrikgelände am Wiesendamm 3 ein. Übrigens: In Hamburg gibt es laut ADFC etwa eine Million Fahrräder.

„Das Fahrrad“, Museum der Arbeit, Wiesendamm 3, das-fahrrad.org
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