Hamburg: Zwischen allen Stühlen

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Die Mitglieder und Helfer des Vereins Zweirad Selbsthilfewerkstatt fühlen sich derzeit zwischen allen Stühlen – und zeigen dies auf diesem Bild Fotos: Dombert

Zweirad Selbsthilfewerkstatt ist in Dulsberg beliebt – doch bald ohne Platz

Von Stefan Dombert
Hamburg. Ratlos sind alle, empört einige, frustriert viele – die Zweirad Selbsthilfewerkstatt Z.A.N.K. e.V. muss wohl raus aus ihren Räumlichkeiten an der Ecke Alter Teichweg / Krausestraße. Das Gelände ihrer Werkstatt gehört zum Grundstück des Wohnwagenhändlers und ist im Bebauungsplan Dulsberg 6 für eine andersartige Nutzung vorgesehen. Ihre Halle wird also verschwinden – doch was passiert mit dem Verein selbst? Eine Perspektive in Form eines alternativen Standortes gibt es derzeit nicht – das Aus scheint unweigerlich zu kommen, fürchtet etwa Vereinsmitglied Frank Gajek.

Vor 20 Jahren gegründet

Der Verein wurde ursprünglich als Arbeitsloseninitiative gegründet und hat sich vor knapp 20 Jahren zur Motorrad-Selbsthilfe, die eigentlich eine Zweiradselbsthilfe ist, weiterentwickelt. In Dulsberg ansässige Einwohner können die Werkstatt und das Know-how des Vereins nutzen, um ihre Fahrräder und Motorräder instandzusetzen. Sowohl in den festen Öffnungszeiten (zwei Mal wöchentlich) als auch am Wochenende zeigt sich reges Interesse der Dulsberger. Bis zu fünf Besucher kommen täglich, um das Angebot zu nutzen. Das liegt an der Verwurzelung des Vereins im Stadtteil, aber auch an fehlenden Geldmitteln vieler Dulsberger, die sich eine teure Reparatur kaum leisten können. Hier hilft der Verein weiter – gegen eine freiwillige Spende oder zum Nulltarif, ganz wie es dem „Kunden“ möglich ist. Anfang der 1990er Jahre wurde in Dulsberg das „soziale Brennpunkte-Programm“ gestartet. Initiativen wie die Zweirad-Selbsthilfewerkstatt waren politisch gewollt; es wurden Gelder und Fördermittel zur Verfügung gestellt. Heute ist Dulsberg immer noch geprägt von Arbeitslosigkeit, geringem Einkommen und einem hohen Migrationsanteil – aber kein sozialer Brennpunkt mehr. Das ist einerseits gut, andererseits für den Verein eine neue unübersehbare Lage.

Eigentumsverhältnisse des Hauses unklar

Die Stadt als Eigentümer des Grundstückes möchte aus seinem Besitz das Maximale erwirtschaften: Die Sprinkenhof AG als Verwalter steht den Nöten des Vereines offen gegenüber, kann aber eventuelle Alternativflächen selbst nicht subventionieren, heißt es auf Wochenblatt-Nachfrage. Im Bezirksamt seien Gespräche im Sande verlaufen, klagt der Verein. Das hat allerdings seinen Grund, so Bezirksamtssprecherin Katja Glahn: „Das Bezirksamt kann in dieser Sache nicht vermitteln oder unterstützen, weil es sich um eine seit längerem laufende zivilrechtliche Auseinandersetzung handelt, deren Ausgang abgewartet werden muss.“ Dabei gehe es um ungeklärte Eigentumsverhältnisse des Gebäudes, das der Verein nutzt. Frank Gajek vom Verein hofft weiter: „Es wäre schade, wenn eine in Dulsberg gewachsene, funktionierende Initiative sang- und klanglos verschwinden würde.“
Lesen Sie auf Seite 3 , was Nutzer der Werkstatt sagen.
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