Hamburger Fuhle: Tatort - oder nicht?

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Enes Cegatay (23, links) und sein Cousin Recep (28)vor ihrem Geschäft in der Fuhle, das von Einbrechern heimgesucht wurde
 
Anna Tarin vor ihrem Bistro an der Fuhlsbüttler Straße / Ecke Hartzloh. Weil kurz nach Eröffnung Stühle und Tische geklaut wurden, hat sie jetzt noch einen zusätzliche Überwachungskamera installiertFotos: ks

Geschäftsleute klagen über Diebstähle und Einbrüche. Was die Statistik sagt

Von Klaus Schlichtmann
Hamburg. „Fuhle“ wird sie seit Jahrzehnten von den Anwohnern liebevoll genannt. Vertraut und geschätzt - die Fuhlsbüttler Straße, die ihren Anfang im Zentrum von Barmbek nimmt und Richtung Norden bis Ohlsdorf führt. Eine bunte, vitale Straße, zumindest im südlichen Teil: kleine, inhabergeführte Geschäfte und Filialisten, Bäcker, Drogerien, Gaststätten, Textilien, Obst und Gemüse natürlich, dazu Dönerläden und Handyshops. Doch für manchen ziehen dunke Wolken auf: Von vielen Diebstählen und Einbrüchen ist die Rede. Das Wochenblatt hat sich umgehört und nachgefragt.

24 Stühle gestohlen

Anwohner Wolfgang C. mag diese Straße, doch er ist auch besorgt: „Ich mag mich täuschen, aber ich habe den Eindruck, dass die Kriminalität hier im Viertel gestiegen ist.“ Erst vor kurzem wurde er Zeuge, wie die Polizei einen Diebstahl in einem Fahrradgeschäft zu Protokoll nahm. Drei Monate liegt es zurück, da fand er in einem Busch abseits der Fuhle eine aufgebrochene Ladenkasse, die bei einem nächtlichen Einbruch geraubt wurde. Auch Omar Tarin und seine Frau Anna wurden Opfer eines Diebstahls. Ihnen wurden kürzlich über Nacht 24 neue Gästestühle von der Terrasse gestohlen - nur ein paar Wochen nach der Eröffnung ihres Bistro-Cafés „Pantarin“ an der „Fuhle“/Ecke Hartzloh. „Die unbekannten Täter hatten die Schlösser geknackt und die Stühle offenbar mit einem Transporter weg geschafft“, sagt Inhaber Tarin. Schaden: rund 2.000 Euro.
Betroffen sind auch Recep Cegatay (28) und sein Cousin Enes (23), die seit einem Jahr an der Fuhlsbüttler Straße 174 einen kleinen Supermarkt betreiben. „Anfang Februar haben zwei Täter die Tür aufgehebelt und den Laden durchsucht“, schildert Enes Cegatay den nächtlichen Einbruch. Unerkannt entkamen die Diebe mit einem kleinen Safe und der Ladenkasse. Selbst drei Sammelbüchsen für wohltätige Zwecke ließen die Täter mitgehen. Verunsichert dürften schließlich auch die Mitarbeiter der „Braakermühle“-Bäckerfiliale an der U-Bahn-Station Habichtstraße sein, nicht weit von der Fuhle entfernt - sie wurden kürzlich sogar Opfer eines Raubüberfalls.

Weniger Delikte gezählt

Was sagt man im zuständigen Kommissariat 31? Gibt es an und um die Fuhle ein erhöhtes Deliktaufkommen? „Nein“, erklärt Erster Kriminal-Hauptkommissar Jan Schleu. „Dieser subjektive Eindruck mag bei dem einen oder anderen entstanden sein, aber die Zahlen aus der Kriminalstatistik beweisen eher das Gegenteil.“ So lag die Zahl der erfassten Fälle im Jahr 2011 bei 1.531 Delikten, ein Jahr später bei 1.582 Delikten. 2013 ist diese Zahl auf 1.479 Delikte gesunken, wobei „Diebstahl“ in allen drei Jahren mit Abstand an der Spitze standen. „In dieser Statistik sind aber die Zahlen aus einem größeren Gebiet enthalten, also nicht nur aus dem Bereich Fuhlsbüttler Straße“, erklärt Polizei-Oberkommissar Sven Bielefeldt vom 31. Kommissariat.
Die Diebstahl-Opfer trauen dieser Statistik eher nicht. Deshalb haben sie jetzt selbst zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen getroffen: Omar und Anna Tarin haben eine weitere Überwachungs-Kamera im Außenbereich anbringen lassen, die Cousins Recep und Enes Cegatay in ihrem Supermarkt eine neue, starke Türverriegelung ...
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