Hamburger Handwerk bietet Geflüchteten Perspektiven

Anzeige
Yonas Ghirmay in der Werkstatt der Firma M. Kummerfeld im Einsatz an einem Geländer Foto: to
 
Zufrieden: Yonas Ghirmay (v.l.), Bera Bischoff (WHDI) und Firmenchef André Hartfiel Foto: to

Projekt „Hoffnung Handwerk“ unterstützt Flüchtlinge wie Yonas Ghirmay

Von Thomas Oldach
Barmbek
Seit mehr als einem Jahr wird die politische wie gesellschaftliche Diskussion in Deutschland vom Thema Flüchtlinge bestimmt – zunehmend auch mit einem negativen Grundtenor. Doch außer vielen nach wie vor aktiven Ehrenamtlichen zeigt gerade das Hamburger Handwerk, dass Hilfe für Flüchtlinge auch ganz praktisch umgesetzt werden kann.

Machen statt reden

Yonas Ghirmay aus Eritrea ist ein Beispiel. Er macht seine Ausbildung zum Konstruktionsmechaniker, Fachrichtung Metallbau, bei der Firma M. Kummerfeld in Barmbek. Der 30-Jährige ist Teilnehmer des Projekts „Hoffnung Handwerk“ – ein Pilotprojekt, das Handwerkskammer Hamburg und WHDI-Bildungs-GmbH am 1. September 2015 mit Innungen und Betrieben starteten. WHDI bedeutet „Wenn Handwerk, dann Innung“. Josef Katzer, Präsident der Handwerkskammer Hamburg: „Das Hamburger Handwerk hat nicht lange gezögert, sondern angepackt. Die Ergebnisse von ‚Hoffnung Handwerk‘ können sich sehen lassen. Natürlich geht es uns darum, Fachkräfte zu gewinnen. Aber es geht uns auch um gesellschaftliche Verantwortung.“ Und Bernd Seeger, Geschäftsführer der WHDI-Bildungs-GmbH, ergänzt: „Gemeinsam haben wir das Projekt in Kooperation mit fünf Hamburger Innungen begonnen, um Erfahrungen zu sammeln. Man kann viel über Flüchtlinge reden, aber im Handwerk sind wir mehr für das Machen.“

2014 geflüchtet

Im September 2015 begannen 15 Flüchtlinge im Rahmen des Projekts. Später kamen noch sieben weitere hinzu. Sie absolvierten Werkstattwochen, Sprachunterricht und Betriebspraktika, lernten 20 Bau- und Ausbauberufe in den Innungswerkstätten der Bereiche Bau, Elektro, Metall, Sanitär und Holz kennen. Von den 22 jungen Männern schafften 14 aus Syrien, Afghanistan, Eritrea, Somalia und Ghana den Sprung in die Handwerkslehre. Yonas Ghirmay fühlt sich wohl in seiner „zweiten“ Heimat, in die er nur mit viel Glück gelangt ist. Im Februar 2014 war er aus Eritrea geflüchtet. Zunächst in den Sudan, dann per Pkw durch die Wüste nach Libyen. Von dort aus die riskante Fahrt im Schlauboot über das Mittelmeer nach Italien. Erste Station in Deutschland war Frankfurt/Main, danach die Flüchtlingsunterkunft Klein Borstel in Ohlsdorf. „Gut, dass ich gültige Papiere hatte“, sagt der ehemalige Student der Fischwirtschaft in Eritrea. Er nahm das Heft des Handelns selbst in die Hand und begann auf eigene Faust Deutsch zu lernen. Mit Erfolg.

Lob für jungen Eritreer

Auch André Hartfiel, Inhaber der Firma M. Kummerfeld – Dienstleistungen rund um Schlosserei-Arbeiten, Metallbau, Fenster, Türen, Fassaden- und Wintergartenbau – ist von der Strebsamkeit Ghirmays überzeugt: „Er macht einen wunderbaren Job, versteht sich gut mit den Kollegen“, sagt der 40-Jährige, der 15 Mitarbeiter und drei Azubis beschäftigt. Zudem: „Wir halten das Projekt ,Hoffnung Handwerk‘ für wichtig. Aber ein Flüchtling bekommt bei uns keine Sonderbehandlung. Wenn jemand gut und gewillt ist zu lernen, arbeiten wir gern mit ihm zusammen. Yonas ist gut.“ Lob, über das sich nicht nur der schüchterne junge Mann aus Eritrea freut. Auch Bera Bischoff, für die Koordination des Projekts zuständig, ist vom Engagement diverser Firmen begeistert. Ghirmay, der Eltern und sechs Geschwister in Eritrea zurücklassen musste, bekommt rund 500 Euro Azubi-Gehalt pro Monat. Wenn er von seiner „eigenen“ 50-Quadratmeter-Wohnung in Bramfeld erzählt, die er seit Juli 2016 hat, huscht ihm ein Lächeln übers Gesicht.

Infos zum Projekt unter www.hwk-hamburg.de oder unter Telefon 29 99 49 68

Info

Zwangsarbeit für das Militär und die Regierung – nichts anderes verbirgt sich hinter dem Nationaldienst, den in Eritrea derzeit bis zu 400.000 Rekruten im Alter von 18 bis 50 Jahren leisten müssen. Von ihrem Sold lässt sich keine Familie ernähren. Der Dienst ist außer fehlender Rechtsstaatlichkeit die Hauptursache für die Flucht von monatlich rund 5.000 Menschen bei einer Bevölkerung von vier Millionen. Die Nachbarländer Sudan und Äthiopien beherbergen je mehr als 120.000 Flüchtlinge. Amnesty International zufolge werden Regierungskritiker, Deserteure und Eritreer, die im Ausland um Asyl ersucht haben, inhaftiert.
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige