Hamburgs Protestanten wählen am 1. Advent

Anzeige
Mit der frechen Möwe als norddeutschem Maskottchen wird vor der Bramfelder Osterkirche für die Kirchenwahl geworben Foto: tel

Mehrheitlich sitzen Ehrenamtliche in Kirchengemeinderäten. Pastorin: Kirchendemokratie begann mit Luther

Von Michael Hertel
Hamburg-Bramfeld
Das Luther-Jahr beginnt für die evangelischen Christen im Norden gleich mit einer Großveranstaltung: Fast zwei Millionen Mitglieder von mehr als 1000 Gemeinden zwischen Sylt, Hamburg und Usedom können erstmals in der 2012 gegründeten „Evangelischen Nordkirche“ (Zusammenschluss der Nordelbischen Kirche, der Landeskirche Mecklenburgs und der Pommerschen Kirche) ihre Kirchengemeinderäte wählen. Für die Wahl steht eine freche Möwe als norddeutsches Maskottchen. Das Ereignis hat auch mit dem großen Reformator zu tun, wie Pastorin Dorothea Neddermeyer (59) von der Osterkirche in Bramfeld erklärt: „Unsere demokratische Kirchenverfassung ist Ausdruck der reformatorischen Bewegung Luthers.“ Diese Wahlen sind wichtig, betonen Kirchenvertreter, denn nicht der Pastor oder die Pastorin bestimmen den Kurs der evangelischen Gemeinden, sondern eben der zu wählende Rat, der mehrheitlich mit Ehrenamtlichen besetzt sein muss. Gewählt wird in Mecklenburg und Vorpommern an drei Tagen vom 13. November an, in Hamburg aber traditionell nur am 1. Advent – das ist in diesem Jahr der 27. November. Gemeindemitglieder können ihre Stimme in ihrem Wahllokal (meistens der Gemeindesaal) abgeben oder sich Briefwahlunterlagen zusenden lassen (Informationen geben die Gemeindebüros). Die Osterkirche hat sich mit den benachbarten Gemeinden (Martin-Luther-King-, Simeon- und Thomaskirche zusammengetan und eigens eine Wahlausausgabe der Kirchenzeitung für Bramfeld und Steilshoop herausgebracht. Pastor Jan Bollmann (42; Thomaskirche): „Da steht alles Wissenswerte über die Wahl drin, von den Kandidaten bis zu den Öffnungszeiten der Wahllokale.“ So werden alle 43 Kandidaten (für 38 Positionen) dieser Gemeinden mit Foto und eigenem Text vorgestellt. Besonders spannend: „Es gibt einen Generationswechsel bei den Kandidaten“, erklärt Bollmann. Die Aufgaben des Rates reichen von der Gestaltung der Gottesdienste, über den Gemeindehaushalt, bis zu Personalfragen. Pastorin Neddermeyer appelliert an alle evangelischen Christen, sich an der Wahl zu beteiligen: „Auch wenn man sonst nicht am Gemeindeleben teilnimmt, ist doch die Wahl ein großartiges Bekenntnis zu unserer Kirche.“ Wichtig: Erstmals dürfen auch 14-jährige mitwählen. Bei der Briefwahl müssen die Stimmzettel bis zum 25. November im zuständigen Gemeindebüro sein (Neddermeyer: „Der Wahlzettel muss unterschrieben sein, sonst ist er nicht gültig“). Wer seine Wahlbenachrichtigung verlegt hat, kann trotzdem am 27. November zum Wählen gehen (mit Personalausweis) – in der Thomaskirche (Haldesdorfer Straße 28) lockt gleichzeitig noch der Adventsbasar.
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige