„Ingeborg rockt den Laden“

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Ingeborg von Heynitz (Mitte) umringt von den Teilnehmern der Kochgruppe Fotos: Sichting
 
Lisa, Anne und Merle (v.l.) braten Pilze an

Kochprojekt profitiert vom ehrenamtlichen Engagement in Bramfeld

Von Mathias Sichting
Bramfeld 20 Jahre lang hatte Ingeborg von Heynitz aus Bramfeld im Kinder-Paradies einer schwedischen Möbelkette in Hamburg gearbeitet. Kein Wunder, dass die heute 72-Jährige nach ihrer Pensionierung vor acht Jahren unbedingt weiter mit Kindern arbeiten wollte. Ihre sechs Enkelkinder leben in München und Berlin – da bot sich an, auch vor Ort nach neuen „Einsatzmöglichkeiten“ zu suchen.
Es war ein langer Weg, ein passendes Ehrenamt zu finden. Doch Ingeborg von Heynitz: Seit zwei Jahren hilft sie beim wöchentlichen Kochprojekt der Evangelischen Stiftung Alsterdorf in der Bramfelder Chaussee mit. „Im Wochenblatt las ich etwas über die regelmäßige Kochveranstaltung der Stiftung. Lange habe ich überlegt, ob ich mir die Sache mal ansehen sollte. Die Entscheidung, mich hier vorzustellen, war richtig. Jetzt gehe ich mit viel Freude jeden Donnerstag von 13 bis 16.30 Uhr zum Kochen in die ‚Ludothek Zusammenspiel‘. Das Projekt ist das Beste, was mir passieren konnte“, so Ingeborg von Heynitz glücklich.
Das Besondere an dem Kochprojekt: Neben Dritt- und Viertklässlern aus der Ganztagsschule Appelhoff kochen schwerst- und mehrfachbehinderte Bewohner des betreuten Wohnens der Alsterdorf Assistenz Ost aus der Steilshooper Allee 456 mit. „Die Kinder gehen sehr liebevoll und unbefangen mit den Bewohnern um. Das Konzept ist aufgegangen. Alle verbringen fröhliche Stunden miteinander“, so die 72-Jährige zufrieden. In dem Stadtteiltreffpunkt herrscht am Donnerstag Nachmittag eine geschäftige Stimmung. An einer langen Tafel sitzen Schüler und Bewohner. Es wird gemeinsam geschnibbelt und gerührt. Man hilft sich.

Der Kurs ist bei den Schülern beliebt

Kirsten Steinigeweg und Kirsten Krüger betreuen die Projektteilnehmer in ihrem Wohnhaus hauptamtlich und begleiten sie zum Kurs. „Wir sind sehr froh, dass wir mit unseren Bewohnern hierher kommen können und die ehrenamtliche Unterstützung von Ingeborg bekommen. Ohne ihr Engagement wäre dieses Projekt gar nicht möglich“, sind sich die beiden Heilerzieherinnen einig. „Ingeborg rockt den Laden“, ruft Projektteilnehmerin Hella aus der Küche lachend dazwischen.
Der Kochkurs existiert in dieser Form seit zweieinhalb Jahren. Die Appelhoff-Schüler melden sich jeweils für ein Schulhalbjahr an. Die anfängliche Skepsis der Kinder gegenüber den Bewohnern ist schnell verflogen. „Nach dem ersten Halbjahr waren die Berührungsängste verschwunden. Jetzt haben wir mehr Anmeldungen als freie Plätze in dem Neigungskurs. Die Kinder kümmern sich rührend um die Bewohner. Fehlt einer krankheitsbedingt, malen die Schüler ein Bild und wünschen gute Besserung. Beim gemeinsamen Essen ist jedes Schulkind Pate eines Bewohners. Fleisch wird klein geschnitten, der Tisch gedeckt und das Essen aufgetan. Es herrscht eine sehr herzliche Stimmung“, so Kirsten Steinigeweg. „Wir legen auch viel wert auf ordentliche Tischmanieren und geregelte Abläufe. Vor jedem Essen fassen wir uns an den Händen und flüstern: Piep, piep, piep – wir wünschen einen guten Appetit. Das Herz der Gruppe ist ganz klar unsere Ingeborg! Wir sind ein eingespieltes Team. Das Projekt ist eine große pädagogische Herausforderung, da die Zusammensetzung der Teilnehmer sehr individuell ist.“

Was die Kinder mit nach Hause nehmen

Während des Essens wird das Menü für die nächste Woche besprochen. Die Teilnehmer haben sich diesmal gewünscht, einmal mit Stäbchen zu essen. „Wir werden also etwas Asiatisches kochen“, so Kirsten Krüger freudig. Die Schüler wollen die behinderten Teilnehmer auch im Wohnhaus besuchen. Ingeborg von Heynitz wird auch dabei sein. Nach dem Kochen hilft sie beim Aufräumen. Die Kinder gehen mit Rezeptmappen nach Hause, um sie ihren Eltern zu präsentieren. Neben den Rezepten nehmen sie aber noch viel mehr mit: Höflichkeit, Respekt und viel Herzlichkeit.
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