Kampf um die Schwedenhäuser

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So sah es kurz nach dem Zweiten Weltkrieg am Rübenkamp aus... Repro: to
 
... heute lebt Erhard Ruskowski dort – mit lebenslangem Wohnrecht Foto: to
Hamburg: Rübenkamp 111 |

In Barmbek will Erhard Ruskowski die letzten roten Holzbauten retten – Amt gewährt keinen Denkmalschutz

Von Thomas Oldach
Barmbek
Noch ist er ein einsamer Kämpfer für den Erhalt der so genannten Schwedenhäuser am Rübenkamp. Bereits seit einigen Jahren müht sich Erhard Ruskowski darum, die verbliebenen drei von einst etwa 70 Häusern – erbaut vom Schwedischen Roten Kreuz – unter Denkmalschutz stellen zu lassen (das Wochenblatt berichtete). Bisher erfolglos.

Geschichtswerkstatt Barmbek für Erhalt

Die einzige Unterstützung, die der 72-Jährige bisher für sein Ansinnen erhalten hat, kommt aus der Geschichtswerkstatt Barmbek. Reinhard Otto hat im Archiv gestöbert und Luftbilder von 1920 gefunden, auf denen die damalige große Siedlung zu sehen ist. „Die noch existierenden Häuser stören nicht den Charakter des Geländes, sondern sie sind die letzten Zeugnisse der ursprünglichen Gestaltung dort. Wenn man also vom Denkmalschutz aus argumentieren will, so sind diese Bauten schutzwürdig, da sie die letzten ihrer Art dort sind“, sagt Otto.

Für bedürftige Menschen

Zur Geschichte: Das Schwedische Rote Kreuz hatte nach Angaben von Ruskowski und Otto Kreuz in den Jahren 1916/19 die ersten Holzhäuser für bedürftige Menschen am Rübenkamp erstellen lassen. Viele davon wurden von den Nazis während des Zweiten Weltkriegs zur Unterbringung von Zwangsarbeitern gebraucht. Anfang der 1950er-Jahre legten die Schweden nach, ließen weitere „Blockhäuser“ errichten – insbesondere um Kindern zu helfen. Auf einem der Grundstücke steht heute die Kindertagesstätte „Rübenkamp 123“, betrieben von den „elbkindern“ – ein moderner Holzbau, der dem skandinavischen Stil der alten Kita nachempfunden wurde.

Stück Alt-Barmbek erhalten

Heute stehen noch drei Häuser, die inzwischen längst unter der Verwaltung der Saga stehen. Einer der Mieter ist Erhard Ruskowski. Das wirft erst einmal ein ungünstiges Licht auf den Denkmalschutz-Antrag. Doch der 72-Jährige hat anderes als den Erhalt seines Wohnhauses im Sinn: „Mir geht es darum, ein Stück Alt-Barmbek für die Nachwelt zu erhalten. Mein Mietvertag läuft bis zum Ende meiner Lebenszeit. Deshalb muss ich mir keine Sorgen machen. Doch was passiert, wenn hier niemand mehr wohnt? Man kann doch nicht einfach alles platt machen.“

Kein Neubau geplant

Doch genau so wird es vermutlich irgendwann passieren. Denn ein viertes Haus, das die Mieter verlassen hatten, ist bereits im vergangen Jahr abgerissen worden. Denn für die Saga und die Behörden handelt es sich bei den Häusern am Rübenkamp um so genannte Behelfsheime, die nicht für dauerhaftes Wohnen vorgesehen beziehungsweise gebaut wurden, erklärt der Saga-Sprecher Gunnar Gläser: „Die Mieter in den derzeitig noch bewohnten Häusern müssen keine Kündigung fürchten. Wenn sie jedoch selbst kündigen, ist ein Abbruch vorgesehen.“ Zudem sei die Fläche gemäß den Festsetzungen des Bebauungsplans Barmbek-Nord 36 als Grünfläche ausgewiesen und somit nicht für Wohnzwecke vorgesehen, betont Gläser. Die Fläche solle daher der durch den Plan vorgeschriebenen Nutzung zugeführt werden. Ein Neubau sei nicht geplant, weil nicht zulässig.

Nicht denkmalwürdig

Von dieser Seite gibt es also Entwarnung, doch in Sachen Denkmalschutz nicht. „Die in unmittelbarer Nähe zum ehemaligen AK Barmbek gelegenen so genannten Schwedenhäuser dienten während der NS-Zeit als Unterkünfte für Zwangsarbeiter. Sie gehörten zum so genannten Gemeinschaftslager Rübenkamp II. Das von der Deutschen Arbeitsfront verwaltete Lager war mit 162 ausländischen Arbeitskräften belegt. Später dienten die Gebäude als Behelfswohnhäuser und sind heute Zeugen der Geschichte der Zwangsarbeit wie auch der späten Kriegsjahre und der Nachkriegszeit“, sagt Anja Bornhöft von der Behörde für Kultur und Medien. Doch auch diese Behörde senkt den Damen: „Das Denkmalschutzamt hat sich in der Vergangenheit wiederholt mit dem Denkmalwert der erhaltenen Häuser befasst, ist aber zu dem Schluss gelangt, dass die verbliebenen Baracken in ihrem heutigen baulichen Zustand nicht hinreichend die Kriterien für ein Denkmal erfüllen, unter anderem aufgrund der baulichen Veränderungen, die in der Vergangenheit vorgenommen wurden.“

Kommunalpolitiker schweigen

Die Kommunalpolitik hat die Hilferufe von Erhard Ruskowski „versickern“ lassen. Auch auf Anfragen des Wochenblatts etwa an den SPD-Bürgerschaftsabgeordneten Sven Tode sowie das Schwedische Honorarkonsulat gab es zu „Schwedens Hauptquartier der Nächstenliebe“ bis Redaktionsschluss keine Reaktion.

Lesen Sie auch: Rübenkamp: Behelfsheim oder Denkmal?
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