Krach im Hohnerkamp

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Helga und Horst-Detlef Röhr wohnen seit 39 Jahren im Hohnerkamp. In ihrem Garten fühlen sie sich jetzt durch Lärm gestört Foto: Sichting

Nachbarn beschweren sich über Bau- und Kinderlärm der Schule

Von Mathias Sichting
Hamburg. Seit 39 Jahren wohnen Helga und Horst-Detlef Röhr „in einem kleinen Paradies“ am Hohnerkamp. Doch das ist bald vorbei, fürchten sie. Denn nebenan wird in der Schule kräftig gebaut, für eine Mensa.
Horst-Detlef Röhr weiß, was Bauarbeiten bedeuten. Er hat sein Haus mit dem gepflegten Garten 1981 mit einem Anbau aufwändig vergrößert, die zwei Söhne brauchten Platz. Damals musste Hans-Detlef Röhr alle Nachbarn frühzeitig über Umbauarbeiten und eventuellen Lärmbelästigungen informieren. Vor acht Jahren kaufte die Familie der Stadt das Grundstück ab.
In ihrem Garten tankten die beiden Rentner über Jahre regelmäßig Kraft. Bis vor drei Wochen. Seitdem wird die ehemalige Lehrküche des angrenzenden Schulgeländes zur Nutzung als Aufwärmküche und neuer Speiseraum umgebaut. In Zukunft werden hier die Kinder der Anne-Frank-Schule und der Grundschule Hohnerkamp frühstücken und Mittag essen.

Lüftungsanlage vor der Nase?

„Die Kernsanierung der Lehrküche ist schlimmer als ein Neubau. Wie oft hier schon der Presslufthammer im Einsatz war- unglaublich. Aber das sind ja nur ein paar Wochen, das ist absehbar. Die zukünftige Nutzung der ehemaligen Lehrküche als Mensa wird aber unser Leben lang bestehen und bereitet uns größere Sorgen. Unseren Garten können wir vergessen“, so der 64-Jährige. „Auf dem Dach der neuen Mensa soll außerdem eine Lüftungsanlage installiert werden, die angeblich aus Denkmalschutzgründen nicht auf der Vorderseite installiert werden kann, denn da sieht man sie ja. Sie soll auf der Rückseite, die genau vor unserer Nase liegt, gebaut werden. Aber hier hören und riechen wir sie“, schimpft Röhr.

„Werden vor vollendete Tatsachen gestellt“

Nach Meinung der Nachbarn wird der Denkmalschutz höher angesiedelt, als der Anwohnerschutz. „Mit uns wurde im Voraus nicht gesprochen. Wir werden hier vor vollendete Tatsachen gestellt. Als Nachbarn hätten wir uns gewünscht, dass man uns in die Planungen mit einbezieht. Wir wurden aber erst auf Nachfrage zu den laufenden Arbeiten schriftlich vom Architektenbüro über das Bauprojekt informiert“, bedauert Helga Röhr.
„Wir haben der Schulleitung schon einige Hinweise zum auftretenden Lärm gegeben. Das wurde angeblich im Kollegium besprochen. Aber geändert hat sich danach nichts. Türen werden geworfen, das Klopfen und Schreien vor der Essensausgabe raubt uns den letzten Nerv“, sagt die 60-Jährige.
Als die Familie das Haus 1975 bezog, gab es auch Kinderlärm auf dem Gelände der damaligen Realschule. „Der Lärm ist ja auch erst seit Beginn der Ganztagsschule gravierend geworden. Vorher war das kein Thema, da die Lehrküche seit vielen Jahren nicht mehr genutzt wurde“, sagt Horst-Detlef Röhr. Er schlägt notfalls eine Lärmschutzwand vor. Und wünscht sich, dass die Lüftungsanlage zur anderen Seite gebaut wird. Die Röhrs überlegen inzwischen sogar, sich komplett wohnlich zu verändern. „Wir wollen ein Wertgutachten für unser Haus erstellen lassen. Dann werden wir verstärkt schauen, dass wir woanders etwas bekommen“. Was Schule und Behörde zu den Vorwürfen sagen.

Behörde: Alles okay

Johanna Himmel, stellvertretende Schulleiterin der Grundschule Karlshöhe, deren Zweigstelle die Grundschule Hohnerkamp ist: „Sicherlich ist es nicht zu vermeiden, dass Anwohner, die in unmittelbarer Nähe einer Ganztagsschule wohnen, in den Pausen und in den freien Spielzeiten Kinderlärm hören. Die unmittelbare Nachbarschaft zu einer Schule hat sich in den letzten Jahren gewandelt, zumal fast jede Grundschule in Hamburg inzwischen Ganztagsschule ist. Aber Kinder sind ein Teil unserer Gesellschaft und benötigen unsere besondere Aufmerksamkeit.“
Das sah das Landgericht Koblenz 2012 ähnlich. Mit einem Urteil unter dem Aktenzeichen 7 K 985/11.KO hat es geregelt, dass Kinderlärm, der von einem Schulhof ausgeht, von Nachbarn hinzunehmen ist. Bei der Schule und den Behörden sind schon mehrfach Beschwerden der Familie Röhr eingegangen. Die Schulbaubehörde lässt auf Nachfrage des Wochenblatts mitteilen, dass diese nicht nachvollziehbar sind. „Die erwähnten Geruchsbelästigungen stellen sich bei der hier geplanten Aufwärmküche nicht ein. Die Nutzungsänderung ist unter Berücksichtigung der Denkmalschutzauflagen und der baufachlich erforderlichen Genehmigungen auf den Weg gebracht worden“, weiß Behördensprecher Daniel Stricker. Wie geht es weiter? „Im Zuge des Umbaus kommt es voraussichtlich bis zur übernächsten Woche zu den üblichen Beeinträchtigungen. Die Nachbarn wurden in der vergangenen Woche schriftlich über die anstehenden Baumaßnahmen informiert. Das ausführende Architektenbüro hat sich explizit auch an das Ehepaar Röhr gewandt.“
Die Kritik der Familie Röhr am Kinderlärm vom Schulhof der benachbarten Ganztagsschule wird wohl erst nach einem Auszug der beiden Rentner oder der Errichtung einer Lärmschutzwand verebben. (ms)
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