„Lichtergarten“ für die Trauer der Eltern

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Am neuen Kindergräberfeld (v.l.): Stefan, einer der „verwaisten Väter“, Pastorin Birgit Berg und Friedhofsleiterin Birgit Kattner Foto: Barth

Neues Grabfeld für tot geborene Kinder auf Bramfelder Friedhof. 8. Dezember ist Gedenktag

Barmbek/Bramfeld. „Hell machen, was meist unsichtbar bleibt“: Mit diesem Satz beschreibt Pastorin Birgit Berg (57) ihre Intention für das neue Kindergrabfeld auf dem Bramfelder Friedhof.
Es ist eine Grabstätte für so genannte still geborene Kinder, die hier von ihren Eltern ganz individuell erdbestattet und betrauert werden können. Mit dem Lichtergarten haben Eltern in Zukunft noch mehr Wahlmöglichkeiten eine geeignete Grabstätte für frühverstorbene Kinder zu finden.
Dank vieler Spenden sind hier kostengünstig Kindergräber für betroffene Familien entstanden.
„Lichtergarten“ heißt das kleine Areal, das in Zusammenarbeit mit der Simeon-Kirchengemeinde – vertreten durch Friedhofsleiterin Birgit Kattner, die den 3,5 Hektar großen Friedhof verwaltet – mit betroffenen Eltern sowie mit finanzieller Unterstützung der Asklepios Klinik Barmbek angelegt wurde.
Birgit Berg arbeitet seit sechs Jahren als Krankenhausseelsorgerin im Geburtszentrum der Barmbeker Klinik. Hier bekommt sie hautnah mit, wie es Eltern ergeht, die ihr Kind während der Schwangerschaft oder während der Geburt verlieren: „Der Tod des eigenen Kindes ist der schlimmste Schmerz, den ein Mensch erleiden kann. Bei den still geborenen Kindern ist das nicht anders, aber die Gesellschaft erkennt kein richtiges Kind, wenn es schon während der Schwangerschaft stirbt.“
Eltern, die Pastorin Berg betreut, erarbeiteten deshalb den Begriff „unsichtbare Eltern“. „Das drückt die Wirklichkeit aus“, so Berg. Denn jedes Kind, egal wie kurz oder lang es gelebt hat, sei wertvoll – und werde geliebt. So wie Svea, die Tochter von Sabine und Stefan. Sie kam in der 20. Schwangerschaftswoche auf natürlichem Wege zur Welt. „Ich habe die Nabelschnur durchtrennt“, erinnert sich Stefan und das sei für ihn und seine Frau ungeheuer wichtig gewesen. „Wir haben unsere Tochter ganz bewusst begrüßt und im selben Moment auch verabschiedet“, erklärt Stefan. Es sei für trauernde Eltern geradezu essenziell, zu wissen, was mit ihrem Kind nach dem Tod passiert, sagt der 49-jährige Informatiker. Er und seine Frau haben auch sehr negative Erfahrungen machen müssen. Vor Svea hatte Sabine schon drei Kinder verloren. „In einer Klinik hat man sich sogar geweigert uns das Kind zu zeigen. Wir sind einfach nach Hause geschickt worden.“
‚Einfach nach Hause schicken’ kommt für Pastorin Birgit Berg überhaupt nicht in Frage. Sie weiß um die Bedeutung von Abschiedsritualen: In der Klinik hat sie für jedes still geborene Kind eine kleine Sargschachtel, welche die Eltern ganz nach ihren Wünschen gestalten können. Diesen individuellen Umgang mit der Trauer der Eltern will sie im „Lichtergarten“ auf dem Bramfelder Friedhof konsequent fortführen.
„Hier finden Eltern einen Ort, bei ihren Kindern anzukommen“, sagt sie. Noch ist die Gestaltung nicht ganz abgeschlossen: Neben dem Lichterfeld, sollen noch eine Bank und eine Laterne aufgestellt und ein Apfelbaum gepflanzt werden. Außerdem können Eltern am Grab des Kindes ein kleines Holzsymbol mit Namen anbringen und es schmücken. (ba)

Am 8. Dezember ist der Gedenktag „Weltweites Kerzenleuchten für verstorbene Kinder“. Pastorin Birgit Berg lädt zur Lichterandacht, 15 Uhr, auf dem Bramfelder Friedhof, Berner Chaussee 50-56
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